Bürgerinitiative warnt vor Millionen-Nachträgen: “300-Millionen-Budget dürfte platzen, bevor der Grundstein liegt”
Bausenator Christian Gaebler hat am 14. September 2026 – sechs Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl – bekannt gegeben, dass für den zweiten Bauabschnitt (Stadion) des FriedrichLudwig-Jahn-Sportparks ein Generalunternehmer vertraglich gebunden wurde. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark kritisiert diesen Schritt scharf: Er schafft kostspielige Fakten unmittelbar vor der Wahl und birgt nach Einschätzung der Initiative ein erhebliches finanzielles Risiko für das Land Berlin.
Hintergrund ist das Artenschutzproblem im Sportpark. Die vorgeschriebenen CEF-Maßnahmen haben bislang nicht den erforderlichen Erfolg gezeigt – die Haussperlingspopulation ist um rund 60 Prozent eingebrochen, Nachbesserungen sind dringend erforderlich. Das Berliner Verwaltungsgericht hat in mehreren Beschlüssen betont, dass Funktionsfähigkeit, rechtzeitige Wirksamkeit und dauerhafte Sicherung dieser Maßnahmen Voraussetzung für jeden weiteren Baufortschritt sind.
„Sämtliche Risiken, die aus Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Maßnahmen oder der Beurteilung ihrer langfristigen Wirksamkeit resultieren, gehen zu Lasten des Vorhabens.“ – so das Berliner Verwaltungsgericht.
Genau hier sieht die Bürgerinitiative die Kostenfalle: Über den ungeklärten Artenschutz und das daraus folgende terminliche Risiko wurden die Bieter in der Ausschreibung mutmaßlich nicht informiert. Sie durften ihre Angebote im Vertrauen auf die in den Auslobungsunterlagen genannten Ausführungstermine kalkulieren. Verzögert sich der Baubeginn – etwa weil die nachgebesserten Artenschutzmaßnahmen erst wirksam werden müssen –, entsteht für den nun gebundenen Generalunternehmer ein enormes Nachtragspotential. Die Verantwortung für ein termingerecht freigemachtes Baufeld liegt allein beim Auftraggeber, dem Land Berlin. Auf die öffentliche Hand kämen so Mehrkosten in Millionenhöhe zu.
Der bislang kommunizierte Kostendeckel von 300 Millionen Euro dürfte damit bereits gerissen sein, bevor überhaupt der Grundstein für das Stadion gesetzt ist.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert den Senat auf, die Grundlagen der Ausschreibung und der Kostenkalkulation offenzulegen und das Nachtragsrisiko transparent zu benennen.


