Unsere Forderungen

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark steht für folgende Forderungen:

  • Kein Abriss des Stadions! Stattdessen Umbau und Sanierung!
  • Keine Rodungen von Sträuchern und Bäumen!
  • Erhalt der Wiese hinter den Tennisplätzen als Freifläche für Sport und Freizeit!
  • Keine zusätzlichen PKW-Stellplätze im Sportpark!
  • Beteiligung der Anwohnerschaft und des nicht-vereinsgebundenen Sports!
  • Wir fordern ein Gesamtkonzept für das ganze Gelände, bevor Tatsachen geschaffen werden!
  • Kein Abriss ohne Masterplan!

 

 

Vorwort

Die Klimakrise hat die Stadt im Griff. Stadtnatur und Städter*innen leiden unter Hitze und Trockenheit – und das jetzt schon seit vier Sommern! 2020 kommt auch noch die Pandemie dazu, deren wirtschaftliche Auswirkungen gerade erst spürbar und sich laut Experten noch deutlich ausweiten werden. In diesem Zusammenhang wirkt das Vorhaben der Senatsverwaltung für Sport wie ein Blick in die Vergangenheit: Aus einem Sport-Park mit alten Bäumen, Sträuchern und Freiflächen soll ein hochverdichteter Standort werden! Die Natur soll weichen, damit neben großen Sporthallen ein Büroturm, eine Polizeiwache und ein Parkhaus auf dem Gelände untergebracht werden können.

Dabei steht in einer Veröffentlichung des Senats vom Juni 2020: Selbst um nur den Bedarf des Schulsports zu decken, ist der Jahnsportpark viel zu klein!!! (Auswertung S. 12)

 

 

Was genau will die Senatsverwaltung für Sport?

Zuallererst will sie das Stadion abreißen, und das bereits Anfang 2021! Zwar gibt es weder Baurecht in Form eines Bebauungsplans noch einen Entwurf für ein neues Stadion noch überhaupt einen Masterplan für das gesamte Gelände, aber es geht, wie uns mehrere Politiker im Gespräch deutlich machten, um etwas anderes: man will ein Zeichen setzen! Ein Zeichen, dass da etwas passiert.

Wir, die Bürgerinitiative Jahnsportpark, wollen nicht, dass das Stadion abgerissen wird. Wir wollen, dass zunächst seriös geprüft wird, wie man das Stadion sanieren und inklusiv umgestalten kann. Wir wissen, dass vieles am Stadion unzeitgemäß oder sogar unsicher ist. Diese Dinge lassen sich laut der Aussage mehrerer Architekten aber mit Umbauten und Sanierungsmaßnahmen lösen. Dazu muss man kein ganzes Stadion abreißen! Bauen schadet dem Klima und verbraucht endliche Ressourcen. Ein Abriss ohne einen Plan, was danach kommen soll? Welcher Bauherr würde so unvernünftig vorgehen? Was passiert, wenn dem Senat nach dem Abriss, der allein 14 Millionen Euro kosten soll, das Geld ausgeht? Was passiert, wenn sich die finanzielle Situation Berlins durch die Pandemie verschlimmert? Dann haben wir ein abgerissenes Stadion und einen Sportpark, der einer Abrisshalde gleicht!

Auch der Bund Deutscher Architekten (BDA), Landesverband Berlin, und der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), Landesgruppe Berlin-Brandenburg, fordern: „Die Abrissplanungen zum Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind sofort zu stoppen.“

Wir fordern: Kein Abriss des Stadions! Aus dem „höher, schneller, weiter“ der letzten Jahrzehnte muss ein „behutsam, nachhaltig und weitsichtig“ werden.

Masterplan für das gesamte Gelände: Stadion und Sportpark gehören zusammen! Beides muss zusammen gedacht und geplant werden!

Im Februar 2020 fand eine Online-Befragung zum Jahn-Sportpark statt. Inklusion soll ein wichtiger Aspekt der Neugestaltung sein, aber diese Befragung war nicht barrierefrei! Wir fragen: warum nicht? Dient die Inklusion der Sportverwaltung nur als Feigenblatt?

Das Stadion war gar nicht Bestandteil der Online-Befragung, denn Stadion und Jahn-Sportpark werden von der Senatsverwaltung für Sport stets als zwei voneinander unabhängige Vorhaben betrachtet. Das verhindert einen Umbau des Stadions und soll seinen Abriss begründen.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert einen Masterplan für das gesamte Gelände, Stadion und Sportpark. Erst planen, dann im nötigen Umfang sanieren und nur dort, wo es unerlässlich ist, abreißen!

 

 

Inklusion und Beteiligung der Anwohnerschaft

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark begrüßt ausdrücklich eine Umgestaltung des Sportparks zum Zwecke der Inklusion! Wir fragen aber: Wenn die Inklusion im Vordergrund steht, warum wird dann nicht zunächst der Sportpark umgestaltet, so dass die Inklusion sofort beginnt? Die Entscheidung der Senatsverwaltung für Sport, zunächst das Stadion abzureißen (14 Millionen Euro), es dann, bisher noch ohne Planung, neu zu bauen (mindesten 194 Millionen Euro), Bauzeit: 2-3 Jahre, und erst ganz zum Schluss die Flächen für den Inklusionssport im Sportpark anzugehen, hinterlässt bei uns den Eindruck, dass die Inklusion in Wahrheit nicht im Vordergrund steht.

Inklusion im Stadion ist, wie Architekten leicht zeigen können, auch ohne einen Abriss möglich. Die Tatsache, dass viele sich „das nicht vorstellen können“, wie immer wieder in der Presse kolportiert wird, ist nicht aussagekräftig. Entscheidend ist, dass Architekten es sich vorstellen können! Sie sind die Fachkräfte und haben die nötige Expertise hinsichtlich baulicher Umstrukturierungen, nicht die Sportverbände.

Inklusion bedeutet für uns auch, dass diejenigen, die das Gelände täglich oder mehrfach in der Woche nutzen, die Anwohner*innen, ebenso gehört werden wie alle anderen Nutzer*innen.

Wir fordern eine Beteiligung der Anwohnerschaft und des nicht-vereinsgebundenen Sportes in die Planung des Sportparks!

 

 

Machbarkeitsstudie

Eine inklusive und transparente Bürgerbeteiligung bei der Neugestaltung des Jahn-Sportparks ist zwingend erforderlich. Die bisherigen Studien bilden die Impulse und Anliegen aus der Nachbarschaft und dem nicht-organisierten Sport nicht ab. Das Stadion soll bereits Anfang 2021 abgerissen werden, obwohl es noch nicht einmal einen Masterplan für das gesamte Gelände gibt.

Die im Zusammenhang mit der Online-Befragung vom Februar 2020 veröffentlichte Machbarkeitsstudie stellt keine Planung dar, sondern erst deren Grundlage. Sie ist für die Öffentlichkeitsbeteiligung kaum geeignet, da schwer verständlich.

Wir fordern, dass bei den weiteren Verfahrensschritten auf Verständlichkeit zu achten ist. Planungen müssen in geeigneter Form visualisiert werden. Bei allen weiteren Planungsschritten muss die Anwohnerschaft aktiv eingebunden werden.

 

 

Naturrasenfläche erhalten

Laut Bürgerbefragung ist die Naturrasenfläche hinter den Tennisplätzen eine der meistgenutzten Flächen im Sportpark. Hier ist eine Vielfalt von individualsportlicher Betätigung möglich, für die es keine Ausweichmöglichkeiten in der Umgebung gibt. Bedeutet Inklusion nicht auch, dass Freiflächen erhalten bleiben, die eine langfristig offene Interpretation von Individualsport erlauben? Die Naturrasenfläche ist kein Parkplatz, sie ist einer der wenigen städtischen Freiräume ohne vorgegebene Nutzung.

Wir fordern: die Naturrasenfläche muss als multifunktionale Individualsportfläche anerkannt und in der derzeitigen Größe erhalten werden!

 

 

Bäume und Sträucher für Mikroklima und Stadtbild erhalten

Der Busch- und Baumbestand im Jahnsportpark ist von unersetzlichem Wert für Anwohnerschaft und Sportler*innen. Die zahlreichen prächtigen alten Bäume bereichern das Stadtbild, geben Schatten, sind Heimstatt von Vögeln und Eichhörnchen. Klima und lokales Mikroklima profitieren von diesen Sauerstoffspendern. Die Sträucher haben wichtige ökologische und klimaregulierende Funktionen, außerdem sind sie unersetzlich für Vögel und Insekten. Es bräuchte viele Jahrzehnte, bis Ersatzpflanzungen gleichwertige Eigenschaften erreichen würden. Ein ausgewachsener Baum entspricht in seinem Wirkungsgrad etwa 15 neugepflanzten Bäumen, was Verdunstungskälte, Schatten, Befeuchtung, Sauerstoff und Schadstoff-Filterleistung angeht. Neupflanzungen sind durch den Klimawandel regelmäßig nicht mehr fähig, langfristig so anzuwachsen, dass sie auch nur annähernd den Wuchs der etablierten Bäume erreichen – gleichwertige Ersatzpflanzungen sind also nicht möglich!

Der Schutz des Baumbestandes im Jahnsportpark war der mit Abstand am häufigsten und nachdrücklichsten genannte Wunsch der Teilnehmenden der Online-Befragung. Viele Bürger*innen wiesen in Kommentaren explizit auf die Dringlichkeit der Erhaltung der Bäume hin. In Zeiten des fortgeschrittenen Klimawandels, der Ausrufung des Klimanotstandes durch die Umweltsenatorin und den Bezirk Pankow und nach den Empfehlungen des StEP Klima KONKRET ist ein Antasten der Baumbestände nicht zu vertreten. Bauvorhaben müssen rücksichtsvoll integriert werden.

Unsere Forderung lautet: Zukünftige Bauvorhaben im Jahnsportpark müssen außerhalb bestehender Baumstandorte so angeordnet werden, dass Fällungen überflüssig werden. Der bestehende Grünbestand soll vor Ort durch ergänzende Zusatzpflanzungen ausgebaut werden!

 

 

Intelligente Planung vereint Baumbestand und neue Sportanlagen

Ein geschützter Baumbestand und neue Sportanlagen sind kein Widerspruch! Wenn das Layout des Jahnsportparks intelligent, verantwortungsvoll und mit Augenmaß geplant wird, müssen keine Bäume für neue Sportanlagen weichen. Der Sportpark muss Park bleiben – ohne die großen Bäume wäre der Parkcharakter zerstört.

Unsere Forderung lautet: Die verantwortlichen Planer*innen müssen Bauvorhaben in den Baumbestand rücksichtsvoll integrieren!

 

 

Ein Stadion abreißen, um ein neues zu bauen?

„Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen. Priorität kommt dem Erhalt und dem materiellen wie konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem Abriss. Die „graue Energie“, die vom Material über den Transport bis zur Konstruktion in Bestandsgebäuden steckt, wird ein wichtiger Maßstab zur energetischen Bewertung sowohl im Planungsprozess als auch in den gesetzlichen Regularien. Wir brauchen eine neue Kultur des Pflegens und Reparierens.“
Bund Deutscher Architekten, Das Haus der Erde, 2019

Das prägnante, rote Haupttribünengebäude und die stadtbildprägenden Flutlichtmasten sind noch keine 40 Jahre alt. Sie wurden zur 750-Jahr-Feier Berlins errichtet und sind ein architektonisches Zeugnis eines repräsentativen Funktionsbaus der DDR. Die Architektur verweist auf die internationale Moderne der 1960er Jahre. Die Entwurfsidee der Einbettung der Ränge in einen Hügel und des über dem Gebäude „schwebenden“ Dachs ist elegant und zeitlos. Diese Motive wurden bei der Max- Schmeling-Halle aufgegriffen und stärken so die Ensemblewirkung der beiden Großbauten.

„Berlin besitzt mit dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und dem angrenzenden Mauerpark eine Deutschland-, wenn nicht weltweit einmalige Sport- und Freizeitlandschaft, die Spitzen- und Breitensport vereint und mit der Grünen Infrastruktur Berlins verbindet. Der wertvolle Baumbestand und die historisch einmalige Anlage von Stadion, denkmalgeschützter Hinterland-Mauer und Tribüne für Karaoke-Events im Mauerpark, dies alles muss behutsam saniert und nicht brachial umgestaltet werden!“ (Eike Richter, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten, 11.06.2020)

Neben baukulturellen Gründen spricht die mit einem Abriss verbundene Ressourcenverschwendung für eine Sanierung mit behutsamem Umbau. So kann ein Großteil der im Bestand gebundenen „grauen Energie“ weitergenutzt und viele für einen Neubau erforderliche Ressourcen eingespart werden. Das betrifft Energie, Wasser, Baustoffe und Abfall und ist angewandter Klimaschutz!

 

 

2018 „Beste Wettkampfbedingungen“

Ein Stadion, in dem 2018 die Europameisterschaften des Inklusionssports „unter besten Wettkampfbedingungen“ (6. Berliner Sportbericht der Senatsverwaltung, 2.1.7) abgehalten werden konnten, ist natürlich sanierbar. Und selbstverständlich sind Umbauten möglich und nötig. Dabei muss jedoch ein vernünftiger, am Bestand orientierter Bedarf formuliert werden.

Wir fordern: Ein ressourcenschonender Umbau des Stadions wird Bestandteil eines Planungswettbewerbs. Der Erhalt des Haupttribünengebäudes und der Flutlichtmasten ist zwingende Vorgabe. Rückbaumaßnahmen vor Beendigung des Realisierungswettbewerbs sind ausgeschlossen.

 

 

Gestaltungswettbewerb nach RPW für die behutsame Umgestaltung des Jahnsportparks

Die Gestaltung des Jahnsportparks erfolgte seit seiner Gründung stets mit Bedacht und Qualitätsbewusstsein. Davon zeugen die Wege- und Blickachsen, die Platanenallee, das Stadion, bis hin zum neuen Funktionsgebäude. Diesem gestalterischen Anspruch ist weiterhin Rechnung zu tragen. Außerdem sind selbstverständlich funktionale, ökologische, und wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Das alles leistet ein Planungswettbewerb. Er ermöglicht auch eine Bürgerbeteiligung bei der Erstellung der Wettbewerbsaufgabe und im Rahmen der Vorprüfung und Jurierung.

Wir fordern: Die Umgestaltung des Jahnsportparks ist einem Realisierungswettbewerb nach RPW zu unterziehen. Architekten und Landschaftsarchitekten sind zu beteiligen. Verfahrensart und Teilnehmerzahl sind im Einvernehmen mit der Architektenkammer festzulegen.

 

 

Kein 30-Meter-Hochhaus im Park

Der Jahnsportpark bezieht seinen für Anwohnerschaft, Sportler*innen, Klima, Natur und Stadtbild gleichermaßen wertvollen Parkcharakter unter anderem aus seiner gemäßigten, zurückhaltenden Bebauung. Das überdimensionierte, 30 Meter hohe Multifunktionsgebäude aus der Machbarkeitsstudie 2014 würde den Park und die Umgebung dominieren, mit seinem Schattenwurf beeinträchtigen, Sichtachsen versperren, den Parkcharakter schädigen, und hätte keinerlei Bezug zu seinem Umfeld.

Unsere Forderung lautet: Beschränkung der Gebäudehöhe für alle neuen Bauvorhaben des Jahnsportparks auf maximal 3 oberirdische Normalgeschosse. So wird der Parkcharakter respektiert, und ein nachhaltiges Gleichgewicht aus Flächennutzung und Höhenbegrenzung erreicht.

 

 

Keine Kfz-Stellplätze – BVG-Ticket in Veranstaltungstickets integrieren

Der Senat beabsichtigt den Bau eines Parkhauses oder einer Tiefgarage mit 450 VIP-Stellplätzen. Dies entspreche der derzeitigen Zahl an Stellplätzen und dem Bedarf bei großen Inklusionssportveranstaltungen (300 Telebusse).

450 Stellplätze existieren im Jahnsportpark nur bei Berücksichtigung der Naturrasenwiese, die bei manchen Veranstaltungen informell als VIP-Parkplatz herangezogen wird. Das ist aus Gründen des Boden- und Grundwasserschutzes fragwürdig, weshalb nur eine temporäre Parkierung überhaupt zulässig ist. Diese Parkplätze existieren nicht!

Bei den Para-Europameisterschaften 2018 bestand zu keinem Zeitpunkt ein Bedarf an Stellplätzen für 300 Telebusse. Selbst wenn das alle paar Jahre vorkommen sollte, erfordert das kein Gebäude, sondern ein intelligentes Mobilitätskonzept. Die Telebusse könnten z.B. vorfahren, während der Wettkämpfe aber anderweitig abgestellt werden.

Stellplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen sollten nicht instrumentalisiert werden, um ganzjährig Stellplätze für den Veranstaltungsbetrieb im Stadion oder in der Max-Schmeling-Halle bereitzustellen. Das ist unzeitgemäß, nicht quartiersverträglich, und widerspricht den Mobilitäts- und Klimaschutzzielen der Senatsverwaltung!

Wir fordern: Mehr Park, weniger Parkierung!

In alle Eintrittskarten für Veranstaltungen im Jahnsportpark und der Max-Schmeling-Halle ist die kostenlose Benutzung des ÖPNV zu integrieren. Das wird bereits in vielen Städten erfolgreich praktiziert – warum nicht in Berlin?

Die Zahl der Stellplätze im Jahnsportpark ist gegenüber dem derzeitigen Bestand (ohne Berücksichtigung der Naturrasenwiese) zu reduzieren und möglichst parkverträglich anzuordnen. Ein Parkhaus oder eine Tiefgarage sind nicht Teil eines klimaschonenden, zukunftsfähigen Mobilitätskonzepts und daher ausgeschlossen!