Die weiteren Asbestfunde und der Umgang des Senats damit zeigen: Die Gesundheitsrisiken für Anwohnerinnen und Sportlerinnen werden verharmlost, Schutzmaßnahmen verzögert und Transparenz nur auf Druck der Öffentlichkeit hergestellt.
Die BI Jahnsportpark fordert deshalb klar: Kein weiterer Abriss ohne konsequenten Gesundheitsschutz, unabhängige Messungen, vollständige, staubdichte Einhausung der Schutthaufen und der Tribünenreste mit Unterdruckhaltung statt offener Lagerung unter Planen im Freien und einen grundlegenden Kurswechsel beim gesamten Stadionprojekt.
Asbest-Drama kommt nicht überraschend
Die BI Jahnsportpark hatte schon im Frühjahr Strafanzeige gegen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gestellt, parallel dazu ging eine Beschwerde an die Umweltverwaltung. Hintergrund war, dass seit Ende Januar das Osttribünengebäude über gut zwei Monate praktisch ohne wirksame Staubschutzmaßnahmen abgerissen wurde – mitten im Wohngebiet und direkt neben intensiv genutzten Sportanlagen.
Beim Abriss wurden schwach gebundene Asbestbaustoffe entdeckt, also besonders gefährliche Materialien, deren Fasern sich leicht lösen und beim Einatmen Krebs und schwere Lungenerkrankungen auslösen können. Die Senatsverwaltung erklärt, diese Stoffe seien im „zur Bauzeit verbrachten Bauschutt“ enthalten gewesen, was eher auf eine unzureichende frühere Schadstoffsanierung als auf einen „zufälligen“ Fund hindeutet.
Unzureichende Sicherung mitten im Wohnkiez
Trotz der bekannten Gefährlichkeit von Asbest lief der Abriss lange mit freiliegenden Schutthaufen, provisorischen Planen und nur punktuellem Wassernebel, obwohl die Gefahrstoffverordnung eine staubdichte Abtrennung und Unterdruckhaltung vorschreibt. Am 2. Mai wurden vom Wind gelöste Abdeckplanen von der Bürgerinitiative dokumentiert, unter denen asbesthaltiger Schutt offen lag. Erst Tage später wurde der Asbest wieder abgedeckt, während der Kiez über Wochen der Staubentwicklung ausgesetzt war. Die Unsicherheit in der Anwohnerschaft ist groß, viele Eltern lassen ihre nicht mehr in dem Sportpark trainieren.
Insgesamt wurden bisher rund 2100 Tonnen asbesthaltiger Bauschutt festgestellt, von denen etwa 2000 Tonnen bereits auf eine Sondermülldeponie gebracht wurden. Rund 100 Tonnen lagern weiterhin im östlichen Tribünengebäude – direkt am Mauerpark und damit im Herzen eines dicht bewohnten Quartiers. Der Abtransport soll sich bis voraussichtlich Februar 2026 hinziehen.
Forderungen der BI Jahnsportpark
- Vollständige, staubdichte Einhausung der Schutthaufen und der Tribünenreste mit Unterdruckhaltung statt offener Lagerung unter Planen im Freien
- Information aller Sportvereine, der informell Sport treibenden Menschen und der Anwohnerschaft über das möglicherweise seit Monaten bestehende Gesundheitsrisiko sowie die Veröffentlichung sämtlicher Befunde zur Asbestbelastung.
- Konsequenzen für das Stadionprojekt
Die Asbestaffäre macht deutlich, dass ein überdimensionierter Stadionneubau an dieser Stelle den Termin- und Kostenplänen Vorrang vor Gesundheits- und Umweltschutz gibt. Ein Senat, der bei einem bekannten Krebsgift im dicht besiedelten Quartier zögerlich, intransparent und unterhalb der geltenden Standards handelt, ist mit einem Großneubau am Jahn-Sportpark offenkundig überfordert.
Die BI Jahnsportpark fordert daher, die Planungen für den aktuellen Stadionneubau zu stoppen und durch ein kleineres, stadtverträgliches Projekt wie z.B. RESTART JSP zu ersetzen, das den Bedarf von Vereinen, Schulen, Kitas und Nachbarschaft in den Mittelpunkt stellt – mit Gesundheitsschutz als nicht verhandelbarer Grundlage.
Bis dahin gilt: Abrissstopp jetzt, unabhängige Aufklärung und echte Schutzmaßnahmen, statt Schönreden und Gefährdung der Menschen im und rund um den Jahn-Sportpark.

