Haussperlingspopulation im Jahn-Sportpark um mehr als 60 Prozent eingebrochen – führen Artenschutzprobleme erneut zu einem Baustopp?

Haussperlingspopulation im Jahn-Sportpark um mehr als 60 Prozent eingebrochen – führen Artenschutzprobleme erneut zu einem Baustopp?

Offizielles Monitoring weckt erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit der CEF-Maßnahmen – Bürgerinitiative Jahnsportpark und NaturFreunde Berlin fordern behördliches Einschreiten

Neue behördliche Monitoringergebnisse erhärten die vielfach geäußerten Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Ersatzmaßnahmen im Jahn-Sportpark: So stellte die Oberste Naturschutzbehörde im Juni 2026 fest, dass nur rund 35 Prozent der für die Haussperlinge aufgestellten CEF-Nistmöglichkeiten angenommen wurden. Zugleich wurde ein dramatischer Rückgang der lokalen Population um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Ausgangszustand dokumentiert. Die Behörde warnt außerdem, dass ein weiterer Bodeneingriff die bereits deutlich zurückgegangene Population zusätzlich schwächen könne.

„Das ist keine Randnotiz, sondern eine Warnung aus der Verwaltung selbst. Die neuen Befunde begründen erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit der Ersatzmaßnahmen. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die großflächigen Rodungen im Stadionumfeld zu einer Verschlechterung der Situation beigetragen haben könnten. Die Untere Naturschutzbehörde muss nun dringend dafür sorgen, dass die Population geschützt und wieder stabilisiert wird, bevor durch weitere Bauarbeiten neue Tatsachen geschaffen werden. Es ist zudem zu prüfen, welche artenschutzrechtlichen Konsequenzen sich aus den Befunden ergeben und ob die Voraussetzungen für die weitere Vollziehbarkeit des B-Plans noch gegeben sind“, erklärt die Bürgerinitiative.

Bürgerinitiative Jahnsportpark und NaturFreunde Berlin haben deshalb bei der Unteren Naturschutzbehörde Pankow anwaltlich ein sofortiges Einschreiten gegen die laufenden Arbeiten im Jahn-Sportpark beantragt. Sie fordern, dem Land Berlin die Fortsetzung der derzeitigen Arbeiten zu untersagen und unverzüglich Maßnahmen zur Wiederherstellung der Haussperlingspopulation anzuordnen. Der beantragte Baustopp soll ausdrücklich auch die geplanten Arbeiten auf der Sportwiese umfassen.

„Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Kästen aufgestellt wurden“, erklären NaturFreunde. „Entscheidend ist, ob die Ersatzmaßnahmen tatsächlich funktionieren – mit Brutplätzen, Deckung, Nahrung und einem geeigneten Umfeld. Genau daran bestehen jetzt erhebliche Zweifel. Wenn die Population gleichzeitig massiv zurückgeht, muss untersucht werden, welche Rolle die Veränderungen ihres Lebensraums dabei gespielt haben.“ Artenschutz darf nicht erst dann ernst genommen werden, wenn die Schäden bereits eingetreten sind. Angesichts des massiven Rückgangs der Haussperlinge müssen jetzt der Schutz und die Wiederherstellung ihrer Lebensräume Vorrang vor weiteren irreversiblen Eingriffen haben.

Forderung nach Planungs- und Eingriffsstopp auf der Sportwiese

Im Antrag wird auch ein Planungs- und Eingriffsstopp für die rund 10.000 Quadratmeter große Sportwiese verlangt, die zu 2/3 durch ein Kunstrasenspielfeld versiegelt werden soll. Die Pankower Naturschutzbehörde hat ihre Bedeutung als Nahrungshabitat bereits bestätigt und bewertet die Umwandlung in Kunstrasen als artenschutzrechtlich kritisch. Vor weiteren Eingriffen muss daher überprüft werden, welche Bedeutung die Fläche für weitere Vogelarten besitzt. „Es wäre widersinnig, bei einem so massiven Rückgang der Haussperlinge weitere Habitatflächen zu beseitigen. Für die Wiese gilt deshalb: Erst untersuchen, dann entscheiden – nicht umgekehrt“, so die Bürgerinitiative.

Wer trägt die Kosten bei erneutem Baustopp?

Da der Stadionneubau bereits vertraglich gebunden wurde, bekommt die artenschutzrechtliche Frage auch eine finanzielle Dimension. Sollten weitere Arbeiten aus artenschutzrechtlichen Gründen ganz oder teilweise gestoppt, Schutzmaßnahmen erweitert oder Bauabläufe verändert werden müssen, können daraus Verzögerungen und zusätzliche Kosten entstehen.

Ob und in welchem Umfang daraus tatsächlich Nachtragsansprüche des Generalunternehmers entstehen würden, hängt von den Vertragsbedingungen ab. Die Bürgerinitiative und NaturFreunde fordern deshalb, die neuen Erkenntnisse vor weiteren Bauarbeiten hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Bauablauf und Kosten zu bewerten. Es ist zudem offenzulegen, ob alle Bieter rechtzeitig vor Angebotsabgabe über die neuen wesentlichen Erkenntnisse informiert wurden und ausreichend Gelegenheit hatten, deren Auswirkungen in ihren Angeboten zu berücksichtigen.

Die möglichen Mehrkosten treffen Berlin in einer dramatisch verschärften Haushaltslage. Nach dem aktuellen Entwurf der Finanzplanung 2026 bis 2030 der Senatsfinanzverwaltung droht ab 2028 ohne Gegenmaßnahmen ein jährliches Defizit von rund fünf Milliarden Euro. Die Finanzverwaltung warnt vor einer möglichen Haushaltsnotlage und hält eine erhebliche Reduzierung der Landesausgaben für unvermeidlich. Vor diesem Hintergrund stellt sich umso dringlicher die Frage, ob Berlin es sich leisten kann, bei einem bereits mehrere hundert Millionen Euro teuren Stadionprojekt zusätzliche Kostenrisiken durch Baustopps, Verzögerungen und Nachträge einzugehen.

„Berlin steuert auf ein Milliardenloch im Haushalt zu und muss in den kommenden Jahren jeden Euro zweimal umdrehen. Ausgerechnet in dieser Situation ein hunderte Millionen Euro teures Projekt weiterzutreiben, obwohl inzwischen ein konkretes Risiko weiterer Baustopps, Verzögerungen und Mehrkosten besteht, ist nicht zu verantworten. Bevor weitergebaut wird, müssen die artenschutzrechtlichen Risiken geklärt werden und die möglichen finanziellen Folgen auf den Tisch.“

Haussperlingspopulation im Jahn-Sportpark um mehr als 60 Prozent eingebrochen – führen Artenschutzprobleme erneut zu einem Baustopp?

Senator Gaebler (SPD) vergibt Auftrag für Stadionneubau wenige Tage vor der Wahl

Bürgerinitiative warnt vor Millionen-Nachträgen: “300-Millionen-Budget dürfte platzen, bevor der Grundstein liegt”

Bausenator Christian Gaebler hat am 14. September 2026 – sechs Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl – bekannt gegeben, dass für den zweiten Bauabschnitt (Stadion) des FriedrichLudwig-Jahn-Sportparks ein Generalunternehmer vertraglich gebunden wurde. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark kritisiert diesen Schritt scharf: Er schafft kostspielige Fakten unmittelbar vor der Wahl und birgt nach Einschätzung der Initiative ein erhebliches finanzielles Risiko für das Land Berlin.

Hintergrund ist das Artenschutzproblem im Sportpark. Die vorgeschriebenen CEF-Maßnahmen haben bislang nicht den erforderlichen Erfolg gezeigt – die Haussperlingspopulation ist um rund 60 Prozent eingebrochen, Nachbesserungen sind dringend erforderlich. Das Berliner Verwaltungsgericht hat in mehreren Beschlüssen betont, dass Funktionsfähigkeit, rechtzeitige Wirksamkeit und dauerhafte Sicherung dieser Maßnahmen Voraussetzung für jeden weiteren Baufortschritt sind.

„Sämtliche Risiken, die aus Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Maßnahmen oder der Beurteilung ihrer langfristigen Wirksamkeit resultieren, gehen zu Lasten des Vorhabens.“ – so das Berliner Verwaltungsgericht.

Genau hier sieht die Bürgerinitiative die Kostenfalle: Über den ungeklärten Artenschutz und das daraus folgende terminliche Risiko wurden die Bieter in der Ausschreibung mutmaßlich nicht informiert. Sie durften ihre Angebote im Vertrauen auf die in den Auslobungsunterlagen genannten Ausführungstermine kalkulieren. Verzögert sich der Baubeginn – etwa weil die nachgebesserten Artenschutzmaßnahmen erst wirksam werden müssen –, entsteht für den nun gebundenen Generalunternehmer ein enormes Nachtragspotential. Die Verantwortung für ein termingerecht freigemachtes Baufeld liegt allein beim Auftraggeber, dem Land Berlin. Auf die öffentliche Hand kämen so Mehrkosten in Millionenhöhe zu.

Der bislang kommunizierte Kostendeckel von 300 Millionen Euro dürfte damit bereits gerissen sein, bevor überhaupt der Grundstein für das Stadion gesetzt ist.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert den Senat auf, die Grundlagen der Ausschreibung und der Kostenkalkulation offenzulegen und das Nachtragsrisiko transparent zu benennen.

Jahnsportpark: Demo auf der Sportwiese

Jahnsportpark: Demo auf der Sportwiese

Wir demonstrieren freitags dort, worum es geht: auf der Sportwiese

 

Freitags um 17 Uhr auf der Sportwiese

Rund zwei Drittel der Sportwiese sollen zerstört und zu einem Kunstrasenplatz versiegelt werden. Auch die Fällung weiterer Bäume ist weiterhin im Gespräch. Der verbleibende Rest verliert durch die Aufteilung seinen Wert als zusammenhängende, frei nutzbare Fläche. Freizeitsportler:innen verlieren damit wichtigen Raum, und der Park büßt weiter seine Funktion als kühlende Grünfläche an heißen Tagen ein.

Dazu kommt: Das Umwelt- und Naturschutzamt Pankow bewertet den geplanten Kunstrasen artenschutzrechtlich als „grundsätzlich unzulässig“. Trotzdem hält der Senat an den Plänen fest.

Wir sagen: Keine weitere Versiegelung! Sportwiese erhalten!

 

Kommt vorbei

Kommt zur Demonstration und setzt gemeinsam mit uns ein Zeichen – für Klima- und Naturschutz, für freien Sport und für einen zukunftsfähigen Jahnsportpark.

Bringt mit, wofür ihr die Wiese nutzt: Matten, Bälle, Frisbees, Nachbarinnen und Nachbarn.

Teilt den Termin, nutzt den Hashtag #SportwieseForFuture, bringt Leute mit.

Je sichtbarer diese Wiese ist, desto schwerer lässt sie sich überbauen.

BI stellt Senator Gaebler beim Presserundgang zur Rede

BI stellt Senator Gaebler beim Presserundgang zur Rede

Der Senator kam für Bilder vom Baufortschritt. Bekommen hat er Bilder von Protest!

Am Montag haben wir gemeinsam mit den NaturFreunden Berlin und NOlympia im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gegen die geplante Versiegelung der Sportwiese und den Stadionneubau protestiert. Die Kundgebung unter dem Titel „Naturwiese statt Plastikrasen – kein Olympia in Berlin!” fand parallel zum Presserundgang von Bausenator Christian Gaebler (SPD) statt.

Ein Millionengrab mit falschen Prioritäten

Das Projekt hat inzwischen ein Volumen von rund 300 Millionen Euro erreicht – in Zeiten von knappen Kassen und sich zuspitzender Klimakrise ein völliger Irrweg.

Gaeblers Prioritäten sind eindeutig: Viele Millionen Euro für Rückbau und Neubau des Vorzeige-Stadions. Der dritte Bauabschnitt dagegen – genau der Teil, der dem Breiten-, Schul- und Inklusionssport dienen soll – wurde massiv gekürzt und ist im Haushalt 2026/27 gar nicht veranschlagt. Für den Kunstrasen auf rund 6.500 Quadratmetern möchte Gaebler über 3 Millionen Euro ausgeben; nach Branchenstandard wären selbst bei hochwertiger Ausführung ein Kunstrasenplatz für nur rund 600.000 Euro zu erwarten.

Tatsachen schaffen vor der Wahl

Im Zentrum unseres Protests stand der Vorwurf, der Gaebler möchte die Vergabe an einen Bau-Generalunternehmer noch vor der Abgeordnetenhauswahl abschließen. Das ist kein Verfahrensdetail: Ist der Auftrag erteilt, sind Neubau, Versiegelung und Baumfällungen vertraglich gebunden – unabhängig vom Wahlausgang. Kurz vor einer Wahl Fakten zu schaffen, die schwer rückgängig zumachen sind, nimmt den Wählerinnen und Wählern die Entscheidung über dieses teuere Millionen-Projekt. An diesem undemokratischen Verhalten werden sich Senator Gaebler und die Berliner SPD bei der Wahl nun messen lassen müssen.

Worum es auf dieser Wiese geht

Rund 10.000 Quadratmeter, etwa 20 Sportarten – kostenlos, ohne Vereinsbeitrag, barrierefrei. Unsere Messungen während der Hitzewelle zeigen, was der Austausch bedeuten würde: rund 39 °C auf der Naturwiese, bis zu 65 °C auf Kunstrasen unter gleichen Bedingungen. Trotzdem will Senator Gaebler die Wiese zu 2/3 mit einem Plastik-Rasen-Platz überbauen und die Fläche damit versiegeln. Damit würde er die Hitzewellen im Kiez massiv verstärken und gleichzeitg die kostenlose Nutzung zurückdrängen.

Unsere Forderungen bleiben

  • Sofortiger Vergabestopp vor der Wahl, vollständiger Erhalt der Naturwiese in ihrer heutigen Größe, keine weiteren Baumfällungen.
  • Offenlegung der Fördergrundlagen und eine ergebnisoffene Prüfung von Alternativen ohne kostenintensiven Stadionneubau.

Wie ein klimafreundlicher und nachhaltieger Sportpark für alle gehen kann, zeigt unser Alternativszenario RESTART JSP

Danke an alle, die gekommen sind. Die nächsten Wochen entscheiden – solange die Vergabe nicht erfolgt ist, ist nichts endgültig.

Wie stehen die Kandidatinnen und Kandidaten zum Jahnsportpark?

Wie stehen die Kandidatinnen und Kandidaten zum Jahnsportpark?

Kandidatinnen und Kandidaten für unseren Wahlkreis Pankow 6 stellen sich den Fragen der Nachbarschaft. 

Am Montag, 31. August lädt Der Bürgerverein Gleimviertel e.V. zu seinem traditionellen Wahlforum. Drei Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen am 20. September sitzen dort die Menschen auf dem Podium, die künftig über den Jahnsportpark mitentscheiden wollen.

Der Bürgerverein nennt den Neubau des Jahnstadions und die weiteren geplanten Bauten im Jahnsportpark in seiner Einladung ausdrücklich als eine der großen Belastungen für das Viertel in den kommenden Jahren. Das Thema steht also schon auf der Tagesordnung – wie ernsthaft es behandelt wird, hängt davon ab, wie zahlreich und hörbar die Stimmen im Saal sind.

Der Senat hält bisher an Abriss und Neubau fest, und die Sportwiese soll nach den aktuellen Plänen verkleinert und versiegelt werden – Kunstrasen statt Naturwiese, in einem Kiez, der ohnehin zu den aufgeheizten gehört. Wer sich um ein Mandat für Pankow 6 bewirbt, sollte dazu vor der Wahl Position beziehen.

Ein voller Saal ist das beste Argument. Bringt Nachbarinnen und Nachbarn mit, bringt eure Fragen mit – und lasst die Kandidatinnen und Kandidaten wissen, dass der Jahnsportpark im Gleimviertel kein Randthema ist.

Montag, 31. August 2026, 18:30 Uhr Aula der Schule am Falkplatz, Gleimstr. 49

Auf dem Podium:

  • Linda Vierecke – SPD
  • Maria Bigos – Die Linke
  • Sunčica Klaas – Bündnis 90 / Die Grünen
  • Stephan Lenz – CDU

Moderation: Andrea Roman Sorg

Wir bedanken uns beim Bürgerverein Gleimviertel e.V. für die Einladung und die Organisation des Forums.

Loading...