Pankow widerspricht Senat: Sportwiese ist Habitat – Kunstrasen unzulässig

Pankow widerspricht Senat: Sportwiese ist Habitat – Kunstrasen unzulässig

Der Senat gibt drei Millionen Euro für die Versiegelung der Sportwiese frei und das zuständige Pankower Umwelt- und Naturschutzamt erklärt hierzu: Die Wiese besitzt ökologisches Potenzial, der geplante Eingriff ist grundsätzlich unzulässig.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert den Senat auf, die geplante Umwandlung der Sportwiese in ein Kunststoffrasenspielfeld unverzüglich zu stoppen. Anlass ist die Antwort des Pankower Bezirksamts auf die Kleine Anfrage „Ökologische Bedeutung der vom Kunstrasenprojekt bedrohten Sportwiese im Jahnsportpark“ (1)

Die Antwort offenbart einen bemerkenswerten Widerspruch zur bisherigen Darstellung des Senats. Dieser hatte im Juli 2026 erklärt, die Errichtung des Kunststoffrasenspielfeldes werde „in keine Baum-, Gehölz- und Habitatstrukturen“ eingreifen (2). Das Pankower Umweltamt stellt nun klar: Es wurde vor dieser Aussage vom Senat überhaupt nicht beteiligt.
Gleichzeitig wird die Sportwiese von der Behörde ausdrücklich als ökologisch relevant bewertet. Sie besitze „ökologisches Potential als Habitatstruktur für geschützte Arten“.

Noch deutlicher fällt die Bewertung des geplanten Eingriffs aus: Die Umwandlung von Naturrasen in Kunststoffrasen sei „artenschutzrechtlich als kritisch zu bewerten“. Da dem Umweltamt für den betreffenden Bauabschnitt derzeit keine Freiraumplanung vorliege, sei ein Eingriff in das nachgewiesene Nahrungshabitat „grundsätzlich unzulässig“.

„Der Senat hat gegenüber dem Abgeordnetenhaus eine Aussage über die ökologischen Auswirkungen getroffen, ohne das zuständige Fachamt überhaupt zu beteiligen“, sagt die Bürgerinitiative Jahnsportpark. „Jetzt bestätigt das Umweltamt den ökologischen Wert der Sportwiese und stellt den geplanten Eingriff fachlich und artenschutzrechtlich infrage. Der Senat muss erklären, auf welcher Grundlage er seine ursprüngliche Aussage getroffen hat.“

Erhebliche Folgen für Klima und Natur

Das Umweltamt sieht nicht nur artenschutzrechtliche Probleme. Die Umwandlung hätte nach seiner Einschätzung erhebliche negative Auswirkungen auf Boden, Wasserhaushalt, Versickerung und Mikroklima. Bodenlebewesen würden durch den technischen Unterbau weitgehend verschwinden; die Versickerungsfähigkeit würde stark eingeschränkt. Durch den Wegfall der pflanzlichen Verdunstung werde zudem die Kühlleistung der Fläche reduziert, in Bezug auf die Biotik sei „ein Kunstrasenfeld mit einer vollversiegelten Fläche gleichzusetzen.“
Damit steht die geplante Umwandlung auch klimapolitisch in Frage. Gerade in einem dicht bebauten innerstädtischen Gebiet sind unversiegelte, bewachsene Flächen für Verdunstungskühlung und Regenwasserversickerung von besonderer Bedeutung.

Senat finanziert trotz ungeklärter Fragen

Trotz dieser offenen Fragen hat der Senat am 28. Juli die Finanzierung der geplanten „inklusiven Sportanlage“ beschlossen (3). Rund drei Millionen Euro sind vorgesehen; 45 Prozent sollen aus Bundesmitteln, 55 Prozent aus Landesmitteln kommen. Geplant ist ein Kunststoffrasenspielfeld.

„Wie kann die Finanzierung eines Projekts beschlossen werden, wenn das für den betreffenden Bauabschnitt zuständige Umweltamt gar nicht beteiligt wurde und ein Eingriff derzeit grundsätzlich unzulässig ist?“, fragt die Bürgerinitiative.

Ausgerechnet aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ sollen rund 1,3 Millionen Euro Bundesmittel in die weitgehende Überbauung einer kühlenden Naturwiese fließen. „Klimaschutzmittel für ein Projekt, von dem die zuständige Fachbehörde erhebliche negative Auswirkungen auf Mikroklima, Wasserhaushalt, Natur und menschliche Gesundheit erwartet – widersinniger kann öffentliche Klimafinanzierung kaum sein“, kritisiert die Bürgerinitiative. Sie fordert deshalb, die Planung der Kunstrasenfläche sofort auszusetzen, die Sportwiese in ihrer heutigen Größe und ökologischen Funktion zu erhalten und zunächst eine aktuelle artenschutzfachliche und klimaökologische Bewertung vorzunehmen.

Quellen:
(1) https://bvv-pankow.berlin.de/pi-r/ka020_r.asp?KALFDNR=5074
(2) https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-26639.pdf
(3) https://berlin.de/rbmskzl/aktuelles/presse/2026/pressemitteilung.1697924.php

Offener Brief an den Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Pankow

Offener Brief an den Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Pankow

Während bundesweit über mehr Hitzeschutz, zusätzliche Stadtbäume und die Entsiegelung von Flächen diskutiert wird, drohen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark weitere Baumfällungen und die Versiegelung einer wichtigen Grünfläche. Es ist Zeit für eine klare öffentliche Position.

Sehr geehrte Mitglieder des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen Pankow,

laut dem Robert Koch-Institut sind allein im Juni dieses Jahres rund 5.100 Menschen in Deutschland an den Folgen der Hitzewelle gestorben. Katharina Dröge, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag, forderte in diesem Zusammenhang mehr Hitzeschutz, mehr Klimaanpassung und mehr entsiegelte Flächen in unseren Städten.

Gerade deshalb wenden wir uns heute an Sie.

Mitten im dicht besiedelten Gleimviertel sollen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark weitere Bäume gefällt und große Teile der letzten frei zugänglichen Naturwiese mit einem Kunstrasenplatz überbaut werden. Dabei ist diese Wiese nicht nur eine der meistgenutzten Sport- und Freizeitflächen des Parks, sondern auch eine wichtige Kühlinsel für den Kiez. Messungen der Bürgerinitiative während der jüngsten Hitzewelle zeigen Temperaturunterschiede von nahezu 30 Grad zwischen Naturrasen und Kunstrasen. Insgesamt sollen im Sportpark 30.000 m² Grünflächen versiegelt, 174 Bäumen gefällt sowie fast alle Sträucher entfernt werden.

Umso bemerkenswerter ist Ihr Kreisverbandsbeschluss vom November 2024. Darin sprechen Sie sich ausdrücklich dafür aus, die Sportwiese möglichst in ihrer heutigen Größe zu erhalten und zusätzliche Versiegelung nur dort zuzulassen, wo sie unmittelbar erforderlich ist. Diese Position begrüßen wir ausdrücklich.

Allerdings bedauern wir, dass sich diese klaren Aussagen bislang im öffentlichen Auftreten Ihrer Partei aktuell kaum wiederfinden. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben auf ihre Schreiben an Vertreterinnen und Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen Rückmeldungen erhalten, in denen die Bedeutung von Hitzeschutz und der Sportwiese grundsätzlich bestätigt wird. Eine klare öffentliche Positionierung zu den nun unmittelbar bevorstehenden Entscheidungen blieb jedoch bislang aus.

Dabei drängt die Zeit.

Aktuell läuft das Vergabeverfahren für den Stadionneubau. Sollte der Generalunternehmer noch vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl beauftragt werden, würden Tatsachen geschaffen, die die Entwicklung des gesamten Jahnsportparks für Jahrzehnte festlegen und spätere Kurskorrekturen erheblich erschweren.

Wir bitten den Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Pankow deshalb, vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl öffentlich zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:

  • Unterstützen Sie weiterhin den Erhalt der Sportwiese in ihrer heutigen Größe?
  • Lehnen Sie die weitere Fällung von Bäumen im Jahnsportpark ab?
  • Unterstützen Sie einen Vergabestopp, damit vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl keine unumkehrbaren vertraglichen Tatsachen geschaffen werden?
  • Werden Sie sich für die Offenlegung der Grundlagen der Bundesförderung sowie der eingereichten Projektskizze einsetzen?

Der Jahnsportpark ist zu einem konkreten Prüfstein geworden. Hier zeigt sich, ob die Forderungen nach Hitzeschutz, weniger Versiegelung und dem Erhalt städtischer Grünflächen auch dann gelten, wenn schwierige politische Entscheidungen anstehen.

Wir sind überzeugt, dass Sportentwicklung und Klimaanpassung keine Gegensätze sein müssen. Der Jahnsportpark bietet die Chance, beides gemeinsam zu denken – mit zusätzlichen Sportflächen, neuen Bäumen, der Entsiegelung vorhandener Asphaltflächen und einer nachhaltigen Entwicklung des gesamten Geländes.

Wir veröffentlichen diesen Brief als offenen Brief, weil die Vergabe des Stadionneubaus möglicher­weise bereits in den kommenden Wochen erfolgt. Damit würden Weichen für Jahrzehnte gestellt.

Gerade vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl sollten die Bürgerinnen und Bürger nachvollziehen können, wie sich die demokratischen Parteien zu den zentralen Fragen der Entwicklung des Jahn­sportparks positionieren.

Wir freuen uns auf Ihre öffentliche Stellungnahme und stehen jederzeit für einen sachlichen und konstruktiven Austausch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Bürgerinitiative Jahnsportpark

Hitzewelle macht deutlich: Senat will Pankow zur Hitzeinsel machen

Hitzewelle macht deutlich: Senat will Pankow zur Hitzeinsel machen

Eigene Messungen belegen 29 Grad Unterschied zwischen Naturwiese und Kunstrasen – Bürgerinitiative fordert sofortigen Planungsstopp

Während Berlin in dieser Woche unter einer anhaltenden Hitzewelle leidet, hat die Bürgerinitiative Jahn-Sportpark eigene Temperaturmessungen auf dem Gelände des Jahn-Sportparks in Pankow durchgeführt – mit einem alarmierenden Ergebnis:

29 Grad Unterschied: Auf derselben Anlage, bei denselben Wetterbedingungen.

Die Oberflächentemperatur auf der natürlichen Sportwiese betrug 43 Grad Celsius. Auf einer benachbarten Kunstrasenfläche maß die Bürgerinitiative zur gleichen Zeit 72 Grad Celsius.

Senatsplanung sieht Versiegelung der Sportwiese ab 2027 vor

Genau diese Naturwiese soll nach den aktuellen Plänen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ab 2027 im Zuge des geplanten Stadionneubaus am Jahn-Sportpark versiegelt und durch Kunstrasen ersetzt werden. Unter dem Titel „Sanierung und Erweiterung” werden Eingriffe geplant, die nach Einschätzung der Bürgerinitiative die klimatischen und sozialen Qualitäten des Geländes dauerhaft zerstören würden.

Die Sportwiese ist heute die meistgenutzte Fläche des gesamten Jahn-Sportparks. Täglich treiben dort rund 20 verschiedene Sportgruppen Sport – Yoga, Tai Chi, American Football, Rugby, Kampfsport, Frisbee und mehr. Der Zugang ist kostenlos, vereinsunabhängig und barrierefrei. Die Fläche gilt als einziger barfußtauglicher Sportplatz Berlins.

Drastische Klimatische Folgen für den Kiez

Prenzlauer Berg und Pankow gehören bereits heute zu den Berliner Kiezen mit der höchsten Hitzebelastung. Grünflächen, die Verdunstungskälte erzeugen und den Boden atmen lassen, sind in diesem Kontext keine Freizeitoption – sie sind Teil der städtischen Klimainfrastruktur.

Ist die Fläche einmal unter Kunstrasengranulat und Kunststoffbelag verschwunden, lässt sich das nicht rückgängig machen. Kein Stadtentwicklungsplan und kein Förderprogramm bringt gewachsenen Boden zurück, der einmal versiegelt wurde.

Forderungen der Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative Jahn-Sportpark fordert:

  • den sofortigen Stopp der laufenden Ausschreibung für den Stadionneubau,
  • den dauerhaften Erhalt der Naturwiese als offene, kostenlose und klimawirksame Fläche,
  • den Verzicht auf jede weitere Versiegelung des Geländes,
  • eine transparente Überprüfung der Planungen unter Beteiligung des Bezirks Pankow und der Stadtgesellschaft.
Jahnsportpark: Plastikrasen statt Naturwiese

Jahnsportpark: Plastikrasen statt Naturwiese

Die Sportwiese im Jahn-Sportpark soll ab 2027 unter Kunstrasen verschwinden – Bürgerinitiative fordert Stopp der geplanten Versiegelung

Im Pankower Jahn-Sportpark soll ab 2027 eine der meistgenutzten Flächen auf dem Gelände zubetoniert werden. Unter dem beschönigenden Titel „Sanierung und Erweiterung der Sportwiese“ plant das Land Berlin tatsächlich ihre Versiegelung: Mindestens zwei Drittel der rund 10.000 m² großen Wiese sollen einem Kunstrasenplatz weichen. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert sofortigen Stopp und hält das Vorhaben für einen klimaschädlichen Etikettenschwindel auf Kosten der Anwohnerschaft und des Bezirks. Die Zeit drängt: Laut Förderbedingungen soll das Projekt bereits 2027 beginnen.

Kein „Sanieren“, kein „Erweitern“ – sondern Versiegeln

Der offizielle Projekttitel ist irreführend. Geplant ist weder eine Sanierung noch eine Erweiterung, sondern der Neubau eines mindestens 6.500 m² großen Kunstrasen-Großspielfelds. Die Wiese soll dabei auf rund 30% ihrer heutigen Größe geschrumpft werden. Finanziert werden soll die Versiegelung ausgerechnet aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS), mit einer Fördersumme von rund 1,3 Millionen Euro. „Klimaneutrale“ Mittel für die Versiegelung einer Naturwiese einzusetzen, steht im Widerspruch zum Zweck des Programms, Neubauten sind ebenfalls nicht förderfähig. Hinzu kommt, dass von den vom Bezirk Pankow eingereichten Sanierungsprojekten kein einziges im Rahmen des SKS- Programms Förderung bekommen hat, aus unerklärlichen Gründen wird nur das vom Senat eingereichte Versiegelungsprojekt gefördert. Dabei fehlt jeder Euro, der hier investiert wird, anderswo – bei den vielen Sportstätten in der Stadt, die tatsächlich sanierungsbedürftig sind.

Eine Wiese, die mehr leistet als der gesamte Sportpark

Die Sportwiese ist niedrigschwellig, offen, kostenfrei, naturnah und damit eine ideale Ergänzung zu den übrigen Angeboten des Jahnsportparks. Rund 20 verschiedene Sportarten finden hier statt: Vom Yoga über Frisbee bis zu American Football und Rugby. Die Wiese ist offen für alle: Kinder, Senior*innen, Familien, Menschen mit Behinderung, Vereinssport und vereinsungebundenen Freizeitsport. Genau hier liegt der zynische Kern des Vorhabens: Das Land Berlin verkauft das Vorhaben als einen Schritt zu einer „inklusiven Sportanlage“ und zerstört dafür einen Ort, der bereits heute gelebte Inklusion ist.

Dieser Wert ist vielfach belegt: Über 1.000 Menschen unterzeichneten 2023 binnen kürzester Zeit eine Petition für ihren Erhalt. Auch das Bezirksamt Pankow mahnte im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan 3-87: „Weiterhin ist der Erhalt der Sportwiese anzustreben, sie entlastet den Mauerpark und mindert Nutzungskonflikte.” [1]

Hitzeinsel statt Klimaanpassung

In Zeiten von Hitzesommern ist die Versiegelung der Wiese auch ein klimapolitischer Offenbarungseid. Messungen der Bürgerinitiative an Hitzetagen belegen: Während sich die Naturwiese auf rund 39 °C erwärmt, heizen sich Kunstrasenflächen zur gleichen Zeit auf bis zu 65 °C auf. Die Wiese kühlt ihre Umgebung durch Verdunstung, ein Kunstrasen kann das nicht leisten. Auch hierzu äußerte sich das Pankower Gesundheitsamt kritisch: „Die aktuelle Hitzebelastung für dieses Gebiet ist bereits erhöht und eine Bodenentsiegelung, nicht eine Verdichtung durch die Bebauung, wären daher aus gesundheitlichen Aspekten zu fordern. [Es ist] zu überlegen, die Nutzung auf lokal zu nutzende Sportangebote zu begrenzen und den Anteil an unversiegelten Grünflächen zu erhöhen.“ [2]

Faktencheck: Gebrochene Zusagen

Senatsvertreterinnen haben den Erhalt der Wiese öffentlich zugesichert. So erklärte Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini: „Bei der Sportwiese ist es ganz klar so ausgewiesen, dass sie in einer vergleichbaren Größe geplant wird”, Staatssekretärin Petra Kahlfeldt versicherte: „der Erhalt der Sportwiese oder die Schaffung eines vergleichbaren Angebots in mindestens gleicher Größe und Qualität”[3] sei aufgenommen. Statt „vergleichbarer Größe” ist nun eine Verkleinerung auf rund ein Drittel geplant, statt „gleicher Qualität” ein Kunstrasen. Mit der ab 2027 geplanten Versiegelung werden diese Versprechen damit gebrochen.

Ein Neustart ohne Stadionneubau – mehr Platz für Vereine und Bürger

Bislang wurde in allen Planungen unhinterfragt am Neubau eines Stadions festgehalten. Dabei lohnt es sich, diese Prämisse grundsätzlich zu hinterfragen. Weder das alte noch das geplante neue Stadion war oder wäre je wirklich ausgelastet. Gigantische Summen für ein Bauwerk, das an den meisten Tagen des Jahres leer steht – während gleichzeitig eine der beliebtesten Freiflächen des Kiezes versiegelt werden soll.

Ein Verzicht auf den Stadionneubau böte eine echte Alternative: Auf der freiwerdenden Fläche ließen sich gleich mehrere neue Sportplätze sowie weitere Infrastruktur für Vereine, Schulen und Bürger*innen schaffen. Die Naturwiese könnte vollständig erhalten bleiben und den Berliner Sporttreibenden könnte insgesamt weit mehr angeboten werden als je zuvor. Nicht zuletzt könnten erhebliche Haushaltsmittel eingespart werden – ein wichtiger Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern.

Wir fordern:

  • den sofortigen Stopp aller Pläne zur Versiegelung der Sportwiese und den vollständigen Erhalt in ihrer heutigen Größe und Beschaffenheit,
  • den Verzicht auf Bundes- und Landesmittel für ein klimaschädliches und nicht nachhaltiges Versiegelungsprojekt,
  • eine ergebnisoffene Prüfung des B-Plans sowie der vorliegenden alternativen Konzepte, die für Kostenersparnis, Schaffung von zusätzlichen Sportflächen und Nachhaltigkeit stehen und aufzeigen, dass eine Modernisierung des Sportparks auch ohne einen kostenintensiven Stadionneubau möglich ist.

Quellen:
[1] S. 590, https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2441.pdf
[2] S. 649-650, https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2441.pdf
[3] Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5antL7wTcS4; Protokoll: https://www.parlament-berlin.de/ados/19/Sport/protokoll/sp19-006-wp.pdf

Luftbuchungen zu Lasten der Inklusion

Luftbuchungen zu Lasten der Inklusion

In der heutigen Sitzung des Hauptausschusse wurde – wieder einmal – über den Bericht der Senatsverwaltung zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark diskutiert. Und der hat es in sich!

Peinlich genug, dass SenSBW innerhalb exakt eines Monats zwei Berichte verfasst hat, weil kosten- wie terminseitig unerfreulicher Korrekturbedarf bestand.

Dass der I. Bauabschnitt – im Wesentlichen der Rückbau des alten Stadions – um vorerst weitere 2 Mio. € teurer wird und mit jetzt prognostizierten 22,4 Mio. € genau 60 % über der ursprünglich veranschlagten Summe liegt, erscheint schon fast wie eine Randnotiz. Gleichwohl sind auch 2 Mio. € eine Menge Geld, das an tausend anderen Stellen im Land Berlin gewinnbringend eingesetzt werden könnte.

Der eigentliche Skandal liegt aber im III. Bauabschnitt, der Ertüchtigung des Sportparks. Das ist also genau der Teil des Projekt, der am stärksten dem Inklusions- und Breitensport dienen könnte. Weil das fragwürdige Profistadion, das auf Basis der geprüften Entwurfsunterlagen auf 207,5 Mio. € geschätzt wird, und der I. Bauabschnitt zusammen bereits knapp 230 Mio. € ausmachen und die Abgeordneten eine Maximalsumme von allerhöchstens 300 Mio. € beschlossen haben, schlägt der Senat Einsparungen beim III. Bauabschnitt vor. Damit wird endgültig deutlich, dass es bei diesem Projekt um chices neues Stadion als Funktionärsleuchtturm geht und mitnichten vorrangig um Inklusionssport.

Anstelle der zuletzt geplanten 119 Mio. € sollen die Kosten des III. Bauabschnitts um schlappe 51 Mio. € auf 68 Mio. € sinken. Wie das gehen soll? Gute Frage.

Schlecht ist allerdings die Antwort, die die Senatsverwaltung darauf gibt. Sie schlägt drei Einsparungen vor:

  1. Den Verzicht auf das Bürogebäude, irreführend als „Begegnungszentrum“ bezeichnet. Diesen Verzicht hat sie im August auf 17 Mio. € beziffert. Bleiben also noch 34 Mio. €.
  2. Verzicht auf die Tennishalle. Diese wurde aber stillschweigend bereits 2024 gestrichen. Das ist gut erkennbar im Bebauungsplan, wo sie nicht auftaucht. Also war sie schon längst nicht mehr Teil der 119 Mio. €, die vor einem Jahr ans Abgeordnetenhaus berichtet wurden. Also: Eine komplette Luftnummer!
  3. Die Reduzierung der Sitzplatzzahl in der Multifunktionshalle von 2.500 auf 1.500 Plätze. Man muss kein Bauexperte sein, um zu erkennen, dass 1.000 Sitzplätze keine 34 Mio. € kosten.

Das Projekt steht somit an einem Scheideweg. Sofern keine Einsparungen am überdimensionierten und möglicherweise insgesamt völlig verzichtbaren Stadion vorgenommen werden, sind Einsparungen in der erforderlichen Größenordnung wohl nur durch Verzicht auf die gleichfalls fragwürdige Multifunktionshalle möglich.

Profisport oder Inklusion? Jetzt heißt es Farbe bekennen!

Foto: Abgeordnetenhaus Berlin / Wikipedia CC BY-SA 4.0

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