Haussperlingspopulation im Jahn-Sportpark um mehr als 60 Prozent eingebrochen – führen Artenschutzprobleme erneut zu einem Baustopp?

Haussperlingspopulation im Jahn-Sportpark um mehr als 60 Prozent eingebrochen – führen Artenschutzprobleme erneut zu einem Baustopp?

Offizielles Monitoring weckt erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit der CEF-Maßnahmen – Bürgerinitiative Jahnsportpark und NaturFreunde Berlin fordern behördliches Einschreiten

Neue behördliche Monitoringergebnisse erhärten die vielfach geäußerten Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Ersatzmaßnahmen im Jahn-Sportpark: So stellte die Oberste Naturschutzbehörde im Juni 2026 fest, dass nur rund 35 Prozent der für die Haussperlinge aufgestellten CEF-Nistmöglichkeiten angenommen wurden. Zugleich wurde ein dramatischer Rückgang der lokalen Population um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Ausgangszustand dokumentiert. Die Behörde warnt außerdem, dass ein weiterer Bodeneingriff die bereits deutlich zurückgegangene Population zusätzlich schwächen könne.

„Das ist keine Randnotiz, sondern eine Warnung aus der Verwaltung selbst. Die neuen Befunde begründen erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit der Ersatzmaßnahmen. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die großflächigen Rodungen im Stadionumfeld zu einer Verschlechterung der Situation beigetragen haben könnten. Die Untere Naturschutzbehörde muss nun dringend dafür sorgen, dass die Population geschützt und wieder stabilisiert wird, bevor durch weitere Bauarbeiten neue Tatsachen geschaffen werden. Es ist zudem zu prüfen, welche artenschutzrechtlichen Konsequenzen sich aus den Befunden ergeben und ob die Voraussetzungen für die weitere Vollziehbarkeit des B-Plans noch gegeben sind“, erklärt die Bürgerinitiative.

Bürgerinitiative Jahnsportpark und NaturFreunde Berlin haben deshalb bei der Unteren Naturschutzbehörde Pankow anwaltlich ein sofortiges Einschreiten gegen die laufenden Arbeiten im Jahn-Sportpark beantragt. Sie fordern, dem Land Berlin die Fortsetzung der derzeitigen Arbeiten zu untersagen und unverzüglich Maßnahmen zur Wiederherstellung der Haussperlingspopulation anzuordnen. Der beantragte Baustopp soll ausdrücklich auch die geplanten Arbeiten auf der Sportwiese umfassen.

„Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Kästen aufgestellt wurden“, erklären NaturFreunde. „Entscheidend ist, ob die Ersatzmaßnahmen tatsächlich funktionieren – mit Brutplätzen, Deckung, Nahrung und einem geeigneten Umfeld. Genau daran bestehen jetzt erhebliche Zweifel. Wenn die Population gleichzeitig massiv zurückgeht, muss untersucht werden, welche Rolle die Veränderungen ihres Lebensraums dabei gespielt haben.“ Artenschutz darf nicht erst dann ernst genommen werden, wenn die Schäden bereits eingetreten sind. Angesichts des massiven Rückgangs der Haussperlinge müssen jetzt der Schutz und die Wiederherstellung ihrer Lebensräume Vorrang vor weiteren irreversiblen Eingriffen haben.

Forderung nach Planungs- und Eingriffsstopp auf der Sportwiese

Im Antrag wird auch ein Planungs- und Eingriffsstopp für die rund 10.000 Quadratmeter große Sportwiese verlangt, die zu 2/3 durch ein Kunstrasenspielfeld versiegelt werden soll. Die Pankower Naturschutzbehörde hat ihre Bedeutung als Nahrungshabitat bereits bestätigt und bewertet die Umwandlung in Kunstrasen als artenschutzrechtlich kritisch. Vor weiteren Eingriffen muss daher überprüft werden, welche Bedeutung die Fläche für weitere Vogelarten besitzt. „Es wäre widersinnig, bei einem so massiven Rückgang der Haussperlinge weitere Habitatflächen zu beseitigen. Für die Wiese gilt deshalb: Erst untersuchen, dann entscheiden – nicht umgekehrt“, so die Bürgerinitiative.

Wer trägt die Kosten bei erneutem Baustopp?

Da der Stadionneubau bereits vertraglich gebunden wurde, bekommt die artenschutzrechtliche Frage auch eine finanzielle Dimension. Sollten weitere Arbeiten aus artenschutzrechtlichen Gründen ganz oder teilweise gestoppt, Schutzmaßnahmen erweitert oder Bauabläufe verändert werden müssen, können daraus Verzögerungen und zusätzliche Kosten entstehen.

Ob und in welchem Umfang daraus tatsächlich Nachtragsansprüche des Generalunternehmers entstehen würden, hängt von den Vertragsbedingungen ab. Die Bürgerinitiative und NaturFreunde fordern deshalb, die neuen Erkenntnisse vor weiteren Bauarbeiten hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Bauablauf und Kosten zu bewerten. Es ist zudem offenzulegen, ob alle Bieter rechtzeitig vor Angebotsabgabe über die neuen wesentlichen Erkenntnisse informiert wurden und ausreichend Gelegenheit hatten, deren Auswirkungen in ihren Angeboten zu berücksichtigen.

Die möglichen Mehrkosten treffen Berlin in einer dramatisch verschärften Haushaltslage. Nach dem aktuellen Entwurf der Finanzplanung 2026 bis 2030 der Senatsfinanzverwaltung droht ab 2028 ohne Gegenmaßnahmen ein jährliches Defizit von rund fünf Milliarden Euro. Die Finanzverwaltung warnt vor einer möglichen Haushaltsnotlage und hält eine erhebliche Reduzierung der Landesausgaben für unvermeidlich. Vor diesem Hintergrund stellt sich umso dringlicher die Frage, ob Berlin es sich leisten kann, bei einem bereits mehrere hundert Millionen Euro teuren Stadionprojekt zusätzliche Kostenrisiken durch Baustopps, Verzögerungen und Nachträge einzugehen.

„Berlin steuert auf ein Milliardenloch im Haushalt zu und muss in den kommenden Jahren jeden Euro zweimal umdrehen. Ausgerechnet in dieser Situation ein hunderte Millionen Euro teures Projekt weiterzutreiben, obwohl inzwischen ein konkretes Risiko weiterer Baustopps, Verzögerungen und Mehrkosten besteht, ist nicht zu verantworten. Bevor weitergebaut wird, müssen die artenschutzrechtlichen Risiken geklärt werden und die möglichen finanziellen Folgen auf den Tisch.“

Haussperlingspopulation im Jahn-Sportpark um mehr als 60 Prozent eingebrochen – führen Artenschutzprobleme erneut zu einem Baustopp?

Senator Gaebler (SPD) vergibt Auftrag für Stadionneubau wenige Tage vor der Wahl

Bürgerinitiative warnt vor Millionen-Nachträgen: “300-Millionen-Budget dürfte platzen, bevor der Grundstein liegt”

Bausenator Christian Gaebler hat am 14. September 2026 – sechs Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl – bekannt gegeben, dass für den zweiten Bauabschnitt (Stadion) des FriedrichLudwig-Jahn-Sportparks ein Generalunternehmer vertraglich gebunden wurde. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark kritisiert diesen Schritt scharf: Er schafft kostspielige Fakten unmittelbar vor der Wahl und birgt nach Einschätzung der Initiative ein erhebliches finanzielles Risiko für das Land Berlin.

Hintergrund ist das Artenschutzproblem im Sportpark. Die vorgeschriebenen CEF-Maßnahmen haben bislang nicht den erforderlichen Erfolg gezeigt – die Haussperlingspopulation ist um rund 60 Prozent eingebrochen, Nachbesserungen sind dringend erforderlich. Das Berliner Verwaltungsgericht hat in mehreren Beschlüssen betont, dass Funktionsfähigkeit, rechtzeitige Wirksamkeit und dauerhafte Sicherung dieser Maßnahmen Voraussetzung für jeden weiteren Baufortschritt sind.

„Sämtliche Risiken, die aus Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Maßnahmen oder der Beurteilung ihrer langfristigen Wirksamkeit resultieren, gehen zu Lasten des Vorhabens.“ – so das Berliner Verwaltungsgericht.

Genau hier sieht die Bürgerinitiative die Kostenfalle: Über den ungeklärten Artenschutz und das daraus folgende terminliche Risiko wurden die Bieter in der Ausschreibung mutmaßlich nicht informiert. Sie durften ihre Angebote im Vertrauen auf die in den Auslobungsunterlagen genannten Ausführungstermine kalkulieren. Verzögert sich der Baubeginn – etwa weil die nachgebesserten Artenschutzmaßnahmen erst wirksam werden müssen –, entsteht für den nun gebundenen Generalunternehmer ein enormes Nachtragspotential. Die Verantwortung für ein termingerecht freigemachtes Baufeld liegt allein beim Auftraggeber, dem Land Berlin. Auf die öffentliche Hand kämen so Mehrkosten in Millionenhöhe zu.

Der bislang kommunizierte Kostendeckel von 300 Millionen Euro dürfte damit bereits gerissen sein, bevor überhaupt der Grundstein für das Stadion gesetzt ist.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert den Senat auf, die Grundlagen der Ausschreibung und der Kostenkalkulation offenzulegen und das Nachtragsrisiko transparent zu benennen.

BI stellt Senator Gaebler beim Presserundgang zur Rede

BI stellt Senator Gaebler beim Presserundgang zur Rede

Der Senator kam für Bilder vom Baufortschritt. Bekommen hat er Bilder von Protest!

Am Montag haben wir gemeinsam mit den NaturFreunden Berlin und NOlympia im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gegen die geplante Versiegelung der Sportwiese und den Stadionneubau protestiert. Die Kundgebung unter dem Titel „Naturwiese statt Plastikrasen – kein Olympia in Berlin!” fand parallel zum Presserundgang von Bausenator Christian Gaebler (SPD) statt.

Ein Millionengrab mit falschen Prioritäten

Das Projekt hat inzwischen ein Volumen von rund 300 Millionen Euro erreicht – in Zeiten von knappen Kassen und sich zuspitzender Klimakrise ein völliger Irrweg.

Gaeblers Prioritäten sind eindeutig: Viele Millionen Euro für Rückbau und Neubau des Vorzeige-Stadions. Der dritte Bauabschnitt dagegen – genau der Teil, der dem Breiten-, Schul- und Inklusionssport dienen soll – wurde massiv gekürzt und ist im Haushalt 2026/27 gar nicht veranschlagt. Für den Kunstrasen auf rund 6.500 Quadratmetern möchte Gaebler über 3 Millionen Euro ausgeben; nach Branchenstandard wären selbst bei hochwertiger Ausführung ein Kunstrasenplatz für nur rund 600.000 Euro zu erwarten.

Tatsachen schaffen vor der Wahl

Im Zentrum unseres Protests stand der Vorwurf, der Gaebler möchte die Vergabe an einen Bau-Generalunternehmer noch vor der Abgeordnetenhauswahl abschließen. Das ist kein Verfahrensdetail: Ist der Auftrag erteilt, sind Neubau, Versiegelung und Baumfällungen vertraglich gebunden – unabhängig vom Wahlausgang. Kurz vor einer Wahl Fakten zu schaffen, die schwer rückgängig zumachen sind, nimmt den Wählerinnen und Wählern die Entscheidung über dieses teuere Millionen-Projekt. An diesem undemokratischen Verhalten werden sich Senator Gaebler und die Berliner SPD bei der Wahl nun messen lassen müssen.

Worum es auf dieser Wiese geht

Rund 10.000 Quadratmeter, etwa 20 Sportarten – kostenlos, ohne Vereinsbeitrag, barrierefrei. Unsere Messungen während der Hitzewelle zeigen, was der Austausch bedeuten würde: rund 39 °C auf der Naturwiese, bis zu 65 °C auf Kunstrasen unter gleichen Bedingungen. Trotzdem will Senator Gaebler die Wiese zu 2/3 mit einem Plastik-Rasen-Platz überbauen und die Fläche damit versiegeln. Damit würde er die Hitzewellen im Kiez massiv verstärken und gleichzeitg die kostenlose Nutzung zurückdrängen.

Unsere Forderungen bleiben

  • Sofortiger Vergabestopp vor der Wahl, vollständiger Erhalt der Naturwiese in ihrer heutigen Größe, keine weiteren Baumfällungen.
  • Offenlegung der Fördergrundlagen und eine ergebnisoffene Prüfung von Alternativen ohne kostenintensiven Stadionneubau.

Wie ein klimafreundlicher und nachhaltieger Sportpark für alle gehen kann, zeigt unser Alternativszenario RESTART JSP

Danke an alle, die gekommen sind. Die nächsten Wochen entscheiden – solange die Vergabe nicht erfolgt ist, ist nichts endgültig.

Pankow widerspricht Senat: Sportwiese ist Habitat – Kunstrasen unzulässig

Pankow widerspricht Senat: Sportwiese ist Habitat – Kunstrasen unzulässig

Der Senat gibt drei Millionen Euro für die Versiegelung der Sportwiese frei und das zuständige Pankower Umwelt- und Naturschutzamt erklärt hierzu: Die Wiese besitzt ökologisches Potenzial, der geplante Eingriff ist grundsätzlich unzulässig.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert den Senat auf, die geplante Umwandlung der Sportwiese in ein Kunststoffrasenspielfeld unverzüglich zu stoppen. Anlass ist die Antwort des Pankower Bezirksamts auf die Kleine Anfrage „Ökologische Bedeutung der vom Kunstrasenprojekt bedrohten Sportwiese im Jahnsportpark“ (1)

Die Antwort offenbart einen bemerkenswerten Widerspruch zur bisherigen Darstellung des Senats. Dieser hatte im Juli 2026 erklärt, die Errichtung des Kunststoffrasenspielfeldes werde „in keine Baum-, Gehölz- und Habitatstrukturen“ eingreifen (2). Das Pankower Umweltamt stellt nun klar: Es wurde vor dieser Aussage vom Senat überhaupt nicht beteiligt.
Gleichzeitig wird die Sportwiese von der Behörde ausdrücklich als ökologisch relevant bewertet. Sie besitze „ökologisches Potential als Habitatstruktur für geschützte Arten“.

Noch deutlicher fällt die Bewertung des geplanten Eingriffs aus: Die Umwandlung von Naturrasen in Kunststoffrasen sei „artenschutzrechtlich als kritisch zu bewerten“. Da dem Umweltamt für den betreffenden Bauabschnitt derzeit keine Freiraumplanung vorliege, sei ein Eingriff in das nachgewiesene Nahrungshabitat „grundsätzlich unzulässig“.

„Der Senat hat gegenüber dem Abgeordnetenhaus eine Aussage über die ökologischen Auswirkungen getroffen, ohne das zuständige Fachamt überhaupt zu beteiligen“, sagt die Bürgerinitiative Jahnsportpark. „Jetzt bestätigt das Umweltamt den ökologischen Wert der Sportwiese und stellt den geplanten Eingriff fachlich und artenschutzrechtlich infrage. Der Senat muss erklären, auf welcher Grundlage er seine ursprüngliche Aussage getroffen hat.“

Erhebliche Folgen für Klima und Natur

Das Umweltamt sieht nicht nur artenschutzrechtliche Probleme. Die Umwandlung hätte nach seiner Einschätzung erhebliche negative Auswirkungen auf Boden, Wasserhaushalt, Versickerung und Mikroklima. Bodenlebewesen würden durch den technischen Unterbau weitgehend verschwinden; die Versickerungsfähigkeit würde stark eingeschränkt. Durch den Wegfall der pflanzlichen Verdunstung werde zudem die Kühlleistung der Fläche reduziert, in Bezug auf die Biotik sei „ein Kunstrasenfeld mit einer vollversiegelten Fläche gleichzusetzen.“
Damit steht die geplante Umwandlung auch klimapolitisch in Frage. Gerade in einem dicht bebauten innerstädtischen Gebiet sind unversiegelte, bewachsene Flächen für Verdunstungskühlung und Regenwasserversickerung von besonderer Bedeutung.

Senat finanziert trotz ungeklärter Fragen

Trotz dieser offenen Fragen hat der Senat am 28. Juli die Finanzierung der geplanten „inklusiven Sportanlage“ beschlossen (3). Rund drei Millionen Euro sind vorgesehen; 45 Prozent sollen aus Bundesmitteln, 55 Prozent aus Landesmitteln kommen. Geplant ist ein Kunststoffrasenspielfeld.

„Wie kann die Finanzierung eines Projekts beschlossen werden, wenn das für den betreffenden Bauabschnitt zuständige Umweltamt gar nicht beteiligt wurde und ein Eingriff derzeit grundsätzlich unzulässig ist?“, fragt die Bürgerinitiative.

Ausgerechnet aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ sollen rund 1,3 Millionen Euro Bundesmittel in die weitgehende Überbauung einer kühlenden Naturwiese fließen. „Klimaschutzmittel für ein Projekt, von dem die zuständige Fachbehörde erhebliche negative Auswirkungen auf Mikroklima, Wasserhaushalt, Natur und menschliche Gesundheit erwartet – widersinniger kann öffentliche Klimafinanzierung kaum sein“, kritisiert die Bürgerinitiative. Sie fordert deshalb, die Planung der Kunstrasenfläche sofort auszusetzen, die Sportwiese in ihrer heutigen Größe und ökologischen Funktion zu erhalten und zunächst eine aktuelle artenschutzfachliche und klimaökologische Bewertung vorzunehmen.

Quellen:
(1) https://bvv-pankow.berlin.de/pi-r/ka020_r.asp?KALFDNR=5074
(2) https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-26639.pdf
(3) https://berlin.de/rbmskzl/aktuelles/presse/2026/pressemitteilung.1697924.php

Hitzewelle macht deutlich: Senat will Pankow zur Hitzeinsel machen

Hitzewelle macht deutlich: Senat will Pankow zur Hitzeinsel machen

Eigene Messungen belegen 29 Grad Unterschied zwischen Naturwiese und Kunstrasen – Bürgerinitiative fordert sofortigen Planungsstopp

Während Berlin in dieser Woche unter einer anhaltenden Hitzewelle leidet, hat die Bürgerinitiative Jahn-Sportpark eigene Temperaturmessungen auf dem Gelände des Jahn-Sportparks in Pankow durchgeführt – mit einem alarmierenden Ergebnis:

29 Grad Unterschied: Auf derselben Anlage, bei denselben Wetterbedingungen.

Die Oberflächentemperatur auf der natürlichen Sportwiese betrug 43 Grad Celsius. Auf einer benachbarten Kunstrasenfläche maß die Bürgerinitiative zur gleichen Zeit 72 Grad Celsius.

Senatsplanung sieht Versiegelung der Sportwiese ab 2027 vor

Genau diese Naturwiese soll nach den aktuellen Plänen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ab 2027 im Zuge des geplanten Stadionneubaus am Jahn-Sportpark versiegelt und durch Kunstrasen ersetzt werden. Unter dem Titel „Sanierung und Erweiterung” werden Eingriffe geplant, die nach Einschätzung der Bürgerinitiative die klimatischen und sozialen Qualitäten des Geländes dauerhaft zerstören würden.

Die Sportwiese ist heute die meistgenutzte Fläche des gesamten Jahn-Sportparks. Täglich treiben dort rund 20 verschiedene Sportgruppen Sport – Yoga, Tai Chi, American Football, Rugby, Kampfsport, Frisbee und mehr. Der Zugang ist kostenlos, vereinsunabhängig und barrierefrei. Die Fläche gilt als einziger barfußtauglicher Sportplatz Berlins.

Drastische Klimatische Folgen für den Kiez

Prenzlauer Berg und Pankow gehören bereits heute zu den Berliner Kiezen mit der höchsten Hitzebelastung. Grünflächen, die Verdunstungskälte erzeugen und den Boden atmen lassen, sind in diesem Kontext keine Freizeitoption – sie sind Teil der städtischen Klimainfrastruktur.

Ist die Fläche einmal unter Kunstrasengranulat und Kunststoffbelag verschwunden, lässt sich das nicht rückgängig machen. Kein Stadtentwicklungsplan und kein Förderprogramm bringt gewachsenen Boden zurück, der einmal versiegelt wurde.

Forderungen der Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative Jahn-Sportpark fordert:

  • den sofortigen Stopp der laufenden Ausschreibung für den Stadionneubau,
  • den dauerhaften Erhalt der Naturwiese als offene, kostenlose und klimawirksame Fläche,
  • den Verzicht auf jede weitere Versiegelung des Geländes,
  • eine transparente Überprüfung der Planungen unter Beteiligung des Bezirks Pankow und der Stadtgesellschaft.
Jahnsportpark: Plastikrasen statt Naturwiese

Jahnsportpark: Plastikrasen statt Naturwiese

Die Sportwiese im Jahn-Sportpark soll ab 2027 unter Kunstrasen verschwinden – Bürgerinitiative fordert Stopp der geplanten Versiegelung

Im Pankower Jahn-Sportpark soll ab 2027 eine der meistgenutzten Flächen auf dem Gelände zubetoniert werden. Unter dem beschönigenden Titel „Sanierung und Erweiterung der Sportwiese“ plant das Land Berlin tatsächlich ihre Versiegelung: Mindestens zwei Drittel der rund 10.000 m² großen Wiese sollen einem Kunstrasenplatz weichen. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert sofortigen Stopp und hält das Vorhaben für einen klimaschädlichen Etikettenschwindel auf Kosten der Anwohnerschaft und des Bezirks. Die Zeit drängt: Laut Förderbedingungen soll das Projekt bereits 2027 beginnen.

Kein „Sanieren“, kein „Erweitern“ – sondern Versiegeln

Der offizielle Projekttitel ist irreführend. Geplant ist weder eine Sanierung noch eine Erweiterung, sondern der Neubau eines mindestens 6.500 m² großen Kunstrasen-Großspielfelds. Die Wiese soll dabei auf rund 30% ihrer heutigen Größe geschrumpft werden. Finanziert werden soll die Versiegelung ausgerechnet aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS), mit einer Fördersumme von rund 1,3 Millionen Euro. „Klimaneutrale“ Mittel für die Versiegelung einer Naturwiese einzusetzen, steht im Widerspruch zum Zweck des Programms, Neubauten sind ebenfalls nicht förderfähig. Hinzu kommt, dass von den vom Bezirk Pankow eingereichten Sanierungsprojekten kein einziges im Rahmen des SKS- Programms Förderung bekommen hat, aus unerklärlichen Gründen wird nur das vom Senat eingereichte Versiegelungsprojekt gefördert. Dabei fehlt jeder Euro, der hier investiert wird, anderswo – bei den vielen Sportstätten in der Stadt, die tatsächlich sanierungsbedürftig sind.

Eine Wiese, die mehr leistet als der gesamte Sportpark

Die Sportwiese ist niedrigschwellig, offen, kostenfrei, naturnah und damit eine ideale Ergänzung zu den übrigen Angeboten des Jahnsportparks. Rund 20 verschiedene Sportarten finden hier statt: Vom Yoga über Frisbee bis zu American Football und Rugby. Die Wiese ist offen für alle: Kinder, Senior*innen, Familien, Menschen mit Behinderung, Vereinssport und vereinsungebundenen Freizeitsport. Genau hier liegt der zynische Kern des Vorhabens: Das Land Berlin verkauft das Vorhaben als einen Schritt zu einer „inklusiven Sportanlage“ und zerstört dafür einen Ort, der bereits heute gelebte Inklusion ist.

Dieser Wert ist vielfach belegt: Über 1.000 Menschen unterzeichneten 2023 binnen kürzester Zeit eine Petition für ihren Erhalt. Auch das Bezirksamt Pankow mahnte im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan 3-87: „Weiterhin ist der Erhalt der Sportwiese anzustreben, sie entlastet den Mauerpark und mindert Nutzungskonflikte.” [1]

Hitzeinsel statt Klimaanpassung

In Zeiten von Hitzesommern ist die Versiegelung der Wiese auch ein klimapolitischer Offenbarungseid. Messungen der Bürgerinitiative an Hitzetagen belegen: Während sich die Naturwiese auf rund 39 °C erwärmt, heizen sich Kunstrasenflächen zur gleichen Zeit auf bis zu 65 °C auf. Die Wiese kühlt ihre Umgebung durch Verdunstung, ein Kunstrasen kann das nicht leisten. Auch hierzu äußerte sich das Pankower Gesundheitsamt kritisch: „Die aktuelle Hitzebelastung für dieses Gebiet ist bereits erhöht und eine Bodenentsiegelung, nicht eine Verdichtung durch die Bebauung, wären daher aus gesundheitlichen Aspekten zu fordern. [Es ist] zu überlegen, die Nutzung auf lokal zu nutzende Sportangebote zu begrenzen und den Anteil an unversiegelten Grünflächen zu erhöhen.“ [2]

Faktencheck: Gebrochene Zusagen

Senatsvertreterinnen haben den Erhalt der Wiese öffentlich zugesichert. So erklärte Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini: „Bei der Sportwiese ist es ganz klar so ausgewiesen, dass sie in einer vergleichbaren Größe geplant wird”, Staatssekretärin Petra Kahlfeldt versicherte: „der Erhalt der Sportwiese oder die Schaffung eines vergleichbaren Angebots in mindestens gleicher Größe und Qualität”[3] sei aufgenommen. Statt „vergleichbarer Größe” ist nun eine Verkleinerung auf rund ein Drittel geplant, statt „gleicher Qualität” ein Kunstrasen. Mit der ab 2027 geplanten Versiegelung werden diese Versprechen damit gebrochen.

Ein Neustart ohne Stadionneubau – mehr Platz für Vereine und Bürger

Bislang wurde in allen Planungen unhinterfragt am Neubau eines Stadions festgehalten. Dabei lohnt es sich, diese Prämisse grundsätzlich zu hinterfragen. Weder das alte noch das geplante neue Stadion war oder wäre je wirklich ausgelastet. Gigantische Summen für ein Bauwerk, das an den meisten Tagen des Jahres leer steht – während gleichzeitig eine der beliebtesten Freiflächen des Kiezes versiegelt werden soll.

Ein Verzicht auf den Stadionneubau böte eine echte Alternative: Auf der freiwerdenden Fläche ließen sich gleich mehrere neue Sportplätze sowie weitere Infrastruktur für Vereine, Schulen und Bürger*innen schaffen. Die Naturwiese könnte vollständig erhalten bleiben und den Berliner Sporttreibenden könnte insgesamt weit mehr angeboten werden als je zuvor. Nicht zuletzt könnten erhebliche Haushaltsmittel eingespart werden – ein wichtiger Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern.

Wir fordern:

  • den sofortigen Stopp aller Pläne zur Versiegelung der Sportwiese und den vollständigen Erhalt in ihrer heutigen Größe und Beschaffenheit,
  • den Verzicht auf Bundes- und Landesmittel für ein klimaschädliches und nicht nachhaltiges Versiegelungsprojekt,
  • eine ergebnisoffene Prüfung des B-Plans sowie der vorliegenden alternativen Konzepte, die für Kostenersparnis, Schaffung von zusätzlichen Sportflächen und Nachhaltigkeit stehen und aufzeigen, dass eine Modernisierung des Sportparks auch ohne einen kostenintensiven Stadionneubau möglich ist.

Quellen:
[1] S. 590, https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2441.pdf
[2] S. 649-650, https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2441.pdf
[3] Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5antL7wTcS4; Protokoll: https://www.parlament-berlin.de/ados/19/Sport/protokoll/sp19-006-wp.pdf

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