von Redaktion | Feb. 10, 2026 | Presse
Senat setzt auf Eskalation statt Verantwortung – Bürgerinitiative fordert Asbest-Monitoring, Verzicht auf die Sprengung und ein planerisches Umdenken
Für Donnerstag, den 12.02.2026, ist im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark die Sprengung von zwei Flutlichtmasten geplant.
Es wurde ein weiträumiger Sperrkreis angekündigt, der den Jahn-Sportpark (inkl. Max-Schmeling-Halle) sowie einen Teil des Mauerparks betrifft. In der Zeit von 7 Uhr bis ca. 12 Uhr ist keine Durchquerung möglich.
Die Information der Bürger:innen soll erst am Mittwoch – einen Tag vor der geplanten Sprengung – erfolgen.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark protestiert entschieden gegen dieses brachiale Vorgehen. Die Flutlichtmasten sind kein „Schrott“, sondern Wahrzeichen, Orientierungspunkte und Träger von kollektiver Erinnerung für Nachbar:innen und Nutzer:innen dieses Ortes. Ihre Sprengung ist keine neutrale Baumaßnahme, sondern führt zu einem irreversiblen Verlust, der das Quartier weiter entfremdet und die Geschichte dieses Stadions buchstäblich in die Luft jagt.
Sicherheits- und Gesundheitsrisiken: Asbest ernst nehmen – nicht wegmoderieren
Die Bürgerinitiative fordert einen Verzicht auf die geplanten Sprengungen. Bei vorherigen Abrissarbeiten wurde wiederholt und „überraschend“ Asbest gefunden – vermutlich sogar freigesetzt. Vor diesem Hintergrund ist das geplante Vorgehen per Sprengung aus Sicht der Bürgerinitiative fahrlässig.
Die Senatsverwaltung darf nicht die Gesundheit der Sporttreibenden und Anwohnenden leichtfertig aufs Spiel setzen. Es müssen Alternativen gewählt werden, die eine Freisetzung von Asbest sicher ausschließen können. Eine Sprengung kann dies nicht leisten.
Bürgerinitiative fordert Stopp von „teurem Prestigeprojekt“ und Prüfung ihres Alternativkonzepts „RESTART JSP“
Die Bürgerinitiative kritisiert darüber hinaus erneut die überdimensionierte und vollkommen fehlplatzierte Planung eines Stadionneubaus im Jahn-Sportpark: Anstatt sich auf die berlinweit dringend notwendige Sportstättensanierung zu konzentrieren, forciert die Senatsverwaltung ein teures Prestigeprojekt in einem hochverdichteten Bezirk. Dabei werden hunderte Millionen Euro an Steuergeldern verschwendet, die an anderer Stelle weitaus dringender gebraucht würden.
Die Bürgerinitiative hält das für unverantwortlich und fordert eine ernsthafte, transparente und unabhängige Prüfung der von ihr erarbeiteten Alternative „RESTART JSP“, die auf einen bedarfsgerechten, nachhaltigen und ressourcenschonenden Umbau des Jahn-Sportparks setzt, statt auf teure Abriss- und Neubauprojekte, deren Nutzen für die breite Stadtgesellschaft fragwürdig bleibt.
von Redaktion | Nov. 5, 2025 | Presse
Fachleute und Prominente, darunter Theresa Keilhacker, Daniel Brühl und Wladimir Kaminer, fordern ein Umdenken bei den Planungen im Jahn-Sportpark und unterstützen das Alternativszenario RESTART JSP der Bürgerinitiative Jahnsportpark
Pünktlich zum Ende der Brutperiode hat die Senatsverwaltung ihren Kampf gegen die Natur wieder aufgenommen und weitere Schneisen der Verwüstung im Jahn-Sportpark geschlagen. Damit setzt sie ihren rabiaten Feldzug gegen Fauna, Flora und Stadtgesellschaft fort.
Die völlig aus der Zeit gefallenen Neubau-Pläne werden unbeirrt weiter umgesetzt: 200 Millionen soll das neue Stadion kosten, damit geht eine zusätzliche Versiegelung von insg. 30.000 m² sowie Rodung von fast 200 Bäumen und allen Sträuchern im restlichen Sportpark einher. Gleichzeitig wird im Abgeordnetenhaus über massive Einsparungen in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur verhandelt.
Wir als Bürgerinitiative Jahnsportpark sind nicht bereit, dieser sinnlosen Zerstörung und Verschwendung von Steuergeldern tatenlos zuzusehen. Mit Unterstützung namhafter Architekten haben wir deshalb ein Alternativszenario RESTART JSP erarbeitet, mit dem Ziel, den Sportpark in eine inklusive, klimafreundliche und zukunftsfähige Sport- und Begegnungsstätte zu verwandeln – ohne Naturzerstörung und Ressourcenverschwendung und für einen Bruchteil der geplanten Kosten.
Unser Vorschlag wird von Fachleuten und Prominenten unterstützt, hier eine Auswahl der Stimmen:
„Der RESTART-Vorschlag ist sehr praktikabel und zeigt Machbarkeit des Raum- und Bedarfsprogramms auf. Breiten-, Schul- und Vereinssport haben mehr nachhaltige Perspektiven für zukünftige Generationen als eine Olympiade. Einsparungen im Kultur- und Hochschulbereich tun richtig weh. Die Seele der Stadt droht verloren zu gehen mit den Sparmaßnahmen des Senats.“
Theresa Keilhacker, Berlin-PlattForm, ehem. Präsidentin der Architektenkammer Berlin
„Berlin braucht Orte, die verbinden – zwischen Jung und Alt, Sport und Kultur, Natur und urbanem Leben. Der Jahn-Sportpark kann so ein Ort sein. Ich möchte, dass dieser Ort in seiner jetzigen Form bestehen und lebendig bleibt – nicht als Relikt, sondern als lebhafte Mitte für all jene, die hier ihre Heimat sehen.“
Daniel Brühl, Schauspieler
„Wenn wir so einen Bebauungsplan als Masterentwurf bekommen hätten, habe ich Zweifel, ob wir das durchgehen lassen würden. Die Studierenden würden so ein Stadionneubau-Projekt auch gar nicht bearbeiten wollen. Das RESTART-Szenario könnte vielleicht ein Grundstein für ein Umdenken im Bausektor sein.“
Prof. Dr. Luise Rellensmann, Hochschule München, Professorin für Bauen im Bestand und Denkmalpflege
„Das ist der Ansatz, den wir brauchen: In Zeiten des Plattmachens und der Nivellierung der städtischen Landschaften, die immer bedrohlicher wirkt, brauchen wir eine Überlebensstrategie, die Solidarität und Verantwortung erfordert, dafür aber den Menschen das Gefühl gibt, nicht bloß als Untermieter auf die Welt gekommen zu sein, sondern in der Stadt wirklich zuhause zu sein.“
Wladimir Kaminer, Schriftsteller
„Die Kürzungen für den Inklusionssportpark betreffen zwar nicht das namensgebende Wort Inklusion, dafür aber seine Bedeutung. Die leere Worthülse bleibt als Nebel auf der Fahne stehen. Der Breitensport, der für die Gesellschaft und deren Funktionieren eine so wichtige Rolle spielt, wird hier wohl gestutzt auf zubetonierte Verweilflächen zwischen parkenden Autos. Mit dieser Planung wird der aktive Mensch zum Konsumenten degradiert.“
Manfred Peckl, Künstler und Gastprofessor für Kunst und Partizipation an der UdK
„Olympia als Rekordkultur rüstet irgendwas auf – gegenüber Mensch, Natur, Körper, finanziell, im Hinblick auf Medienerfordernisse. Das ist kein Modell mehr, mit dem wir eine nachhaltige Gesellschaft betreiben können. Das ist eindimensionaler Sportlobbyismus, sowohl bei Olympia als auch im Jahn-Sportpark.“
Prof. Dr. Johannes Verch, Alice Salomon Hochschule, Sport- und Nachhaltigkeitswissenschaftler, Sprecher von NOlympia Berlin
Die Stadtgesellschaft hat genug von rückwärtsgewandtem Größenwahn – wir brauchen nachhaltige Lösungen für morgen!
Ausführliche Statements und weitere Infos unter: https://www.jahnsportpark.de/restart/testimonials/
von Redaktion | Juli 18, 2025 | Aktuelles, Presse
BI Jahnsportpark stellt alternative Planung vor
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark präsentiert mit RESTART JSP ein neues Szenario für die Entwicklung des Jahn-Sportparks – als Alternative zum aktuell verfahrenen Senatsprojekt.
Ziel des neuen Szenarios ist ein zukunftsfähiger Sportpark, der sich am tatsächlichen Bedarf orientiert, den grünen Charakter des Areals erhält und Steuergelder maßvoll verwendet.
RESTART JSP steht für:
- Vorrang für Breiten-, Schul- und Vereinssport
- Inklusive und barrierefreie Nutzung
- Viel weniger Bodenversiegelung und eine behutsame Bebauung
- Keine Kommerz- und Eventfokussierung
- Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Wirtschaftlichkeit
Statt eines voluminösen Stadions und weiterer Großbauten setzt RESTART JSP auf einen maßvollen Hallenbau für Sport und Inklusion – exakt an dem Ort, an dem derzeit durch den Abriss der Ost-Tribüne eine Lücke klafft.
Das Szenario bietet einen realistischen und verantwortungsvollen Ausweg aus der aktuellen Situation und berücksichtigt sowohl die Geschichte des Ortes als auch die aktuellen Bedürfnisse Berlins.
Neugierig?
Weitere Informationen, anschauliche Planskizzen und Fotos:
RESTART JSP
von Redaktion | Juni 26, 2025 | Presse
Das Abgeordnetenhaus beschließt mit der Regierungsmehrheit und den Stimmen der AfD den Bebauungsplan für die westliche Teilfläche des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark begrüßt, dass überhaupt ein B-Plan für das Bauvorhaben Jahn-Sportpark aufgestellt wurde. Das war eine der Forderungen der BI.
Die beschlossene Fassung des Plans weicht jedoch deutlich und ausschließlich zu Lasten der Anwohnerschaft von der Fassung ab, die im Mai 2024 der interessierten Öffentlichkeit präsentiert wurde. Eine Veranlassung für dieses Vorgehen ist den Unterlagen nicht zu entnehmen. Im Gegenteil, die rund 1.000 kritischen Stellungnahmen aus der Bürgerschaft (77 %) führten lediglich zu „redaktionellen Änderungen“ und blieben somit weitestgehend unberücksichtigt. Begründung: „Den Belangen des Sports wird ein höheres Gewicht beigemessen.“ Wie so oft erweist sich die Bürgerbeteiligung im B-Plan-Verfahren als Farce.
Der Bericht zum Verkehr ist lediglich eine Analyse des Ist-Zustands und kein Konzept. Er beruht auf realitätsfernen Annahmen, mit deren Hilfe die Leistungsfähigkeit der Verkehrsknoten gerade noch nachgewiesen werden kann. Die Gleichzeitigkeit eines sonntäglichen Fußballspiels mit Flohmarkt im Mauerpark und einer Veranstaltung in der Max-Schmeling-Halle wird als seltener Ausnahmefall deklariert. Tatsächlich findet jedoch rund ein Drittel aller Spiele in der 2. und 3. Liga sonntags statt. Die Spiele des American Football finden alle sonntags statt. Insgesamt ist allein damit schon von ca. 12 solchen Fällen auszugehen. Der Bericht belegt, dass die zusätzlichen Veranstaltungsverkehre, die die Neubauten erzeugen werden, durch die vorhandene Verkehrsinfrastruktur nicht bewältigt werden können. Für eine Anpassung der verkehrlichen Erschließung gibt es weder Konzepte noch Möglichkeiten.
Sowohl beim Stadion als auch bei der Multifunktionshalle ist wiederholt von Veranstaltungen die Rede. Das widerspricht dem Charakter dieser Sportanlage, gerade im Kontrast zum Mauerpark, und schafft eine Vielzahl von zusätzlichen Belastungen für die Anwohnerschaft und einen Verlust an Lebensqualität für die Stadtgesellschaft insgesamt.
Die planungsrechtliche Festsetzung der drei Baukörper ist vollkommen überdimensioniert. Die Baumassenzahl für die Baufelder übersteigt die Orientierungswerte der Baunutzungsverordnung für Sondergebiete erheblich. Die Höhe und Massivität der Neubauten zerstört die Wahrnehmung des Jahn-Sportparks als Grün- und Freiraum in der baulichen Dichte des Prenzlauer Bergs und führt für die umliegenden Innenstadtbereiche zu einer gravierenden Verschlechterung der Wohn- und Lebensqualität. . Für diese übermäßige Verdichtung im Plangebiet fehlt es an einer städtebaulichen Begründung.
Die Begründung für 20.000 Sitzplätze im Stadion wiederum ist hanebüchen: Weniger als 20.000 Plätze seien nicht zukunftsfähig, mehr als 20.000 Plätze würden nicht benötigt. Während sich das Stadion dem Entwurf zufolge in eine hermetische Anlage verwandelt, die neben den vorgeblichen Inklusionszielen v.a. durch handfeste kommerzielle Interessen motiviert erscheint, erinnert die “Multifunktionshalle” eher an einen Baumarkt oder an ein Logistikzentrum. Ihre Größe und Höhe steht in keiner Relation zum umgebenden Freiraum oder auch zur nahen Wohnbebauung. Das Baufeld der Multifunktionshalle erlaubt eine Baumasse von über 153.000 cbm, das sind 40 % mehr als noch in der Öffentlichkeitsinformation präsentiert. Das Volumen entspricht mehr als 23-mal dem Volumen des jetzt dort befindlichen Verwaltungsgebäudes. Um rund 20 % ist auch das Bürogebäude gewachsen, das planungsrechtlich in einer Sportanlage ohnehin nicht zulässig sein dürfte.
Unzureichend ist die planungsrechtliche Festsetzung der Sportwiese mit nur noch rund 30 % der heutigen Fläche als „ebenerdige Sportanlage“. Dies trägt außerdem ganz wesentlich zur Erhöhung der Flächenversiegelung im Jahnsportpark bei, was sämtlichen Klimaschutzzielen Berlins widerspricht – an einem der bereits heute heißesten Orte der Stadt!
Der Entfall von 174 Bäumen und eines Großteils der Heckenstrukturen sowie die damit einhergehende Zerstörung von Habitaten sind inakzeptabel, zumal im B-Plan konstatiert wird: „bis Ersatzpflanzungen wieder eine ähnliche Wirkung erzielen, [kann es] mehrere Jahrzehnte dauern”. Die Festsetzungen zu Ersatzpflanzungen für die zu fällenden Bäume sind nicht nachvollziehbar, weil Bestandsbäume angerechnet werden dürfen, die bislang nicht erfasst wurden, und Ausgleichsabgaben als Möglichkeit zugelassen werden. Dass von den für die in den Jahren 2012–2015 erfolgten Fällungen 24 erforderlichen Ersatzpflanzungen nur 2 erfolgt sind und “deren Verortung unklar ist”, stimmt ebenso wenig optimistisch für die weiteren Begrünungsmaßnahmen.
Wir fordern daher:
- Verzicht auf den Bau eines Stadions, das nicht benötigt wird.
- Verzicht auf den Bau eines Bürogebäudes, das in einer Sportanlage nichts verloren hat.
- Verzicht auf den Bau der maßstabssprengenden Riesenhalle.
- Erhalt der kompletten Sportwiese als nutzungsoffener Naturrasen.
- Zusätzliche Baumneupflanzungen anstelle der geplanten Rodung der Bestandsbäume und -sträucher.
von Redaktion | Mai 6, 2025 | Presse
Der Senat verschleiert „überraschende“ Asbestfunde und spart an den Schutzmaßnahmen.
Veranlasst durch zahlreiche besorgte Nachfragen aus der Anwohnerschaft hat im Auftrag der Bürgerinitiative Jahnsportpark eines unserer Mitglieder Strafanzeige gegen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gestellt. Parallel wurde Beschwerde bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt eingereicht.
Seit Ende Januar wurde das Osttribünengebäude des Friedrich-Ludwig-Jahn- Stadions abgerissen. Diese Maßnahme erfolgte über gut zwei Monate nahezu ohne Staubschutzmaßnahmen.
Anfang April wurden dann plötzlich Schuttberge von Arbeitern in Schutzanzügen und mit Staub- schutzmasken abgedeckt – das nährte schlimmste Befürchtungen. SenSBW hat jedoch erst zwei Wochen später, nach einer entsprechenden Anfrage von Bündnis 90 / Die Grünen im Abgeord- netenhaus, eine dürre Pressemitteilung herausgegeben. Tenor: Ja, es wurde schwach gebundener Asbest gefunden; bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.
Letzteres trifft leider zu, denn die Gefahrstoffverordnung sieht bei Asbest als Schutzmaßnahmen die „staubdichte Abtrennung des Arbeitsbereichs“ und „Lüftungseinrichtung mit ausreichender Unterdruckhaltung“ vor. Die Senatsverwaltung will, angeblich abgestimmt mit dem LAGeTSi, den konta- minierten Schutt jedoch unter freiem Himmel verpacken: „Das betroffene Material wird in faser- dichte Säcke verpackt und in Deckelcontainer für den Abtransport verladen. Zudem wird zur Ver- meidung von Staubemissionen bei den Arbeiten mit dem kontaminierten Material ein Wassernebel erzeugt“, heißt es in der Pressemitteilung. Noch vier Wochen nach Vorliegen des Schadstoffbefundes wurde Ende April die Abdeckung weiter nachgebessert und ist immer noch unvollständig. Wohl am 02.05.2025 hat der Wind einige Abdeckplanen gelöst, so dass der asbesthaltige Schutt ungeschützt und offen dalag, bis er am 05.05. gegen Mittag wieder abgedeckt wurde – das ist in höchstem Maße fahrlässig und beweist, dass die bisherigen Maßnahmen ungeeignet sind!
Dieses Verhaltensmuster ist uns bereits aus dem Artenschutz allzu bekannt: Zu wenig, zu spät, zu schlecht – aber mit dem Segen der nachgeordneten Behörden, die offensichtlich dem Druck von oben nicht standhalten.
Schwach gebundener Asbest ist für Mensch und Umwelt besonders gefährlich. Die Asbestfasern können aufgrund ihrer wenig beständigen Bindung besonders leicht freigesetzt werden.
Den Umgang der Senatsverwaltung mit einem derartig krebserregenden, Luft- und Lungengängigen Stoff, auf einer hochfrequentierten Sportanlage mitten in einem Wohngebiet, halten wir für völlig unzureichend und inakzeptabel.
Wir fordern daher:
- Eine unverzügliche Laborbefundung von mindestens zehn Bodenproben und an Gebäuden abgelagerten Stäuben in der Umgebung der Baustelle auf Asbest, Amphibolasbest und Chrysotilasbest. Zu beproben sind die vorhandenen Sportanlagen inkl. der Sport- und der Werferwiese, der Schotterparkplatz, sowie abgelagerte Stäube am Steinhaus, am MLK-Gebäude, am Tennisclubhaus, und an Wohnbauten an der Tops- und Cantianstraße.
Die Probenentnahme soll aus Transparenzgründen im Beisein eines Vertreters der BI Jahnsportpark stattfinden. Zu jeder Probe ist der BI Jahnsportpark eine versiegelte Rückstellprobe für eine ggf. erforderliche Kontrollbefundung auszuhändigen.
- Den sofortigen Stopp für jegliche Bautätigkeit auf der Baustelle, insbesondere Umlagerung von Schutt, weitere Abriss- und Erdarbeiten, bis zum Vorliegen der Ergebnisse dieser Befundung.
- Eine unverzügliche staubdichte Einhausung der betroffenen Haufwerke und der noch vorhan- denen Reste der Osttribüne mit ausreichender Unterdruckhaltung entsprechend der GefStoffV.
- Eine unverzügliche Information aller Sportvereine, aller informell Sport treibenden und der Anwohnerschaft in den umliegenden Straßen über das aktuell und evtl. seit Monaten bestehende Gesundheitsrisiko sowie eine spätere Information über die Ergebnisse aller Befundungen zur Asbestbelastung in der Umgebung der Baustelle.
- Den Abbruch der Planung dieses Stadionneubaus, mit dem die Senatsverwaltung so offenkundig überfordert ist, zugunsten eines kleineren Projekts mit größerem Nutzen für Vereine, Schulen, Kitas und Anwohnerschaft.
Update zum Thema:
Am 23.05.2025 hat sich die Senatsverwaltung zum weiteren Vorgehen geäussert
von Redaktion | Apr. 17, 2025 | Presse
Beim laufenden Abriss der Osttribüne im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist es zu einem gravierenden Vorfall gekommen: Es wurden schwach gebundene Asbestbaustoffe entdeckt – Materialien, die bislang “nicht bekannt” waren. Laut Senatsverwaltung sollen sie im “Bauschutt, der zur Bauzeit verbracht wurde” enthalten sein. An anderen Baustellen wird für gewöhnlich Baumaterial verbaut, beim Jahn-Stadion wurde dagegen Bauschutt verbracht, der erst jetzt entdeckt wurde? Könnte es nicht vielmehr sein, dass die Schadstoffsanierung nicht sachgerecht durchgeführt wurde?
Faktisch war der angrenzende Stadtteil wochenlang massiver Staubentwicklung ausgesetzt. Nun stellt sich die Frage, ob dieser Baustaub schadstoffbelastet war. Die Erklärung des Senats ist nicht plausibel. Wir fordern daher eine gründliche Aufklärung des Sachverhalts mit Beprobung von Staub und Böden in der Umgebung der Baustelle.
Die Gesundheitsgefahr, die von Asbest ausgeht, ist nicht zu unterschätzen: Besonders schwach gebundene Asbestprodukte gelten als hochgefährlich, da sie leicht Fasern freisetzen, die beim Einatmen zu schweren Lungenerkrankungen, darunter Asbestose und Krebs, führen können. Einmal freigesetzt, bleiben die feinen Fasern oft unsichtbar in der Luft und stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit der Anwohnenden und Passanten dar – selbst bei kurzen Aufenthalten in der Nähe.
Obwohl die Senatsbauverwaltung betont, dass keine Gefahr für Anwohner*innen bestehe, lässt diese Einschätzung jegliche Vorsicht und Transparenz vermissen. Denn: Die Menschen im Umfeld des Jahn-Sportparks, aber auch die Arbeiter auf der Baustelle wurden wochenlang nicht geschützt. Der Abriss begann ohne jegliche Schutzmaßnahme. Die Öffentlichkeit musste darauf vertrauen, dass die Schadstoffsanierung korrekt und abschließend erfolgt war. Erst jetzt – nach dem Fund und infolge intensiver Nachfragen durch Bürgerinitiative und Abgeordnete – werden Maßnahmen wie das Verpacken des Materials in spezielle Säcke, der Einsatz von Wassernebel zur Staubbindung und Schutzkleidung für die Arbeiter genannt.
Doch wer schützt die Anwohnenden?
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark stellt klar: Weiterer Abriss ist unter diesen Umständen unverantwortlich. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Arbeiten ohne umfassende Sicherheits- und Transparenzmaßnahmen fortgeführt werden – und das mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet, direkt neben einer hochfrequentierten Sportanlage.
Wir fordern daher mit Nachdruck:
- Sofortiger Abrisstopp!
- Unabhängige Prüfung der Asbestbelastung der Umgebung durch externe Fachgutachter!
- Umfassende Information und Einbindung der Anwohnenden!
- Ein transparentes Sicherheitskonzept, bevor auch nur ein weiterer Stein bewegt wird!
Update zum Thema:
Am 23.05.2025 hat sich die Senatsverwaltung zum weiteren Vorgehen geäussert