Zum Weltspatzentag: Rodungen im Jahnsportpark

von | März 20, 2026 | Presse

Bürgerinitiative Jahnsportpark und NaturFreunde Berlin legen Dienstaufsichtsbeschwerde ein und fordern Baustopp

Berlin, 20. März 2026 – Zum Weltspatzentag schlägt die Bürgerinitiative Jahnsportpark Alarm: Im Sportpark werden seit über einem Jahr kontinuierlich Lebensräume von Haus- und Feldsperlingen und anderen geschützten Vogelarten zerstört. Nach Ansicht der NaturFreunde und der Bürgerinitiative könnte dies einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz darstellen, die zuständige Pankower Untere Naturschutzbehörde (UNB) greift trotzdem nicht ein. Die Bürgerinitiative legt daher eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein und fordert einen Baustopp.

Bereits Anfang 2025 wurden im östlichen Stadionbereich großflächig Gebüsche gerodet, die nachweislich als Ruhestätten und Nahrungshabitate für Sperlingskolonien dienten. Ende Februar 2026 folgten weitere Rodungen im nordwestlichen und südöstlichen Bereich. Diese Flächen wurden zuvor vom Senatsgutachter ausdrücklich als artenschutzrelevante Habitate bezeichnet – und wurden trotzdem zerstört, obwohl sie sich in unmittelbarer Nähe der im Rahmen der CEF-Maßnahmen errichteten Spatzentürme und Nistkästen befanden.

Die Ausgleichsmaßnahmen sollten bestehende Lebensräume sichern – stattdessen wurden genau diese Strukturen beseitigt. Infolge der Rodungen stehen die Ersatznistkästen nun in einer weitestgehend vegetationslosen Umgebung, so dass die getroffenen Ausgleichsmaßnahmen funktionslos geworden sind. Zudem wurden die gesetzlich geschützten Ruhe- und Nahrungsstätten der Haussperlinge zerstört, ohne dass ein in solchen Fällen gesetzlich vorgesehenes Ausnahmeverfahren von der UNB Pankow eingeleitet wurde.

Die Folgen sind bereits sichtbar: Nach Beobachtungen der Bürgerinitiative ist die Population der Haus- und Feldsperlinge deutlich zurückgegangen, nicht zuletzt auch infolge der Zerstörung von wichtigen Grünstrukturen im angrenzenden Mauerpark. Dies deckt sich mit den Ergebnissen der jüngsten NABU-Zählung, die einen dramatischen Rückgang der Berliner Spatzen um 45% belegt.  Die UNB meldet hingegen eine Zunahme des Haussperlingsbestands im Jahnsportpark – eine wahrlich wundersame Vermehrung.

Besonders irritierend fällt der Vergleich mit anderen Projekten im Bezirk aus: So wurde im sog. Grünen Kiez am Pankower Schlosspark ein Bauvorhaben aufgrund artenschutzrechtlicher Konflikte gestoppt. Die UNB und das Verwaltungsgericht ordneten dort u. a. Baustopp und vorgezogene Ersatzpflanzungen an. Während im Grünen Kiez konsequent geprüft und eingeschritten wurde, schaut die Naturschutzbehörde im Jahnsportpark konsequent weg. Es entsteht der Eindruck: Artenschutz ist nur dann relevant, wenn es politisch opportun ist.

Mitglieder der Initiative haben die Behörde wiederholt über Rodungen und Habitatverluste informiert und umfangreiche Dokumentationen übermittelt. Eine erkennbare Reaktion blieb bislang aus. Die Bürgerinitiative und die NaturFreunde halten dieses Vorgehen für nicht akzeptabel und fordern eine Prüfung der Vorgänge im Rahmen einer Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Pankower Naturschutzbehörde.

Die Initiative fordert zudem:

  • eine sofortige Prüfung der erfolgten Rodungen durch einen unabhängigen Gutachter,
  • die Einleitung eines artenschutzrechtlichen Ausnahmeverfahrens, falls die eingetrete-nen Verbotstatbestände bestätigt werden,
  • die sofortige Umsetzung wirksamer Sofortmaßnahmen zum Schutz der verbliebenen Sperlingskolonien,
  • die Prüfung des gesamten B Plans 3 87 im Hinblick auf Arten-, Natur- und Klimaschutz.

Artenschutzrecht darf nicht nach Lust und Laune ausgesetzt werden. Wenn dokumentierte Habitatverluste folgenlos bleiben, wird der gesetzliche Schutz faktisch ausgehöhlt und es entsteht der Eindruck, dass für politische Großprojekte andere Regeln gelten. Folgt nach der Mogelpackung Inklusion nun die Mogelpackung Artenschutz? An Belegen dafür, dass es dem Senat und dem SPD-Bausenator nie wirklich um den Schutz von Vögeln und Grünflächen ging, mangelt es jedenfalls nicht.

Haussperlinge gelten als Bioindikatoren für den Zustand von Artenvielfalt und Landschaftsqualität in Siedlungen. Die biologische Vielfalt in Städten ist für die Stadtbewohner*innen wichtig, Stadtnatur trägt zur Klimaanpassung bei, fördert menschliches Wohlbefinden und ein gesundes Lebensumfeld. Wir fordern, dass die Ziele der Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030+, die der Senat beschlossen hat, endlich bei der Entwicklung der Stadt konsequent umgesetzt werden.

JETZT NEWSLETTER ABONNIEREN!

Bleibe auf dem Laufenden, auch ohne Facebook, Instagram oder Twitter. Wir senden regelmässig auch Updates per E-Mail.

Du bist damit einverstanden, dass Dich die Bürgerinitiative Jahnsportpark über ausgewählte Themen und Aktionen informieren darf. Deine Daten werden ausschließlich zu diesem Zweck genutzt. Insbesondere erfolgt keine Weitergabe an unberechtigte Dritte. Dir ist bekannt, dass Du deine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen kannst. Es gilt die Datenschutzerklärung der Bürgerinitiative Jahnsportpark, die auch weitere Informationen über Möglichkeiten zur Berichtigung, Löschung und Sperrung meiner Daten beinhaltet.

Name
Loading...