Die Sportwiese – letzte grüne Lunge im Kiez ist in Gefahr
Was das Land Berlin als „Sanierung und Erweiterung der Sportwiese” verkauft, ist in Wahrheit ihre Vernichtung.
Ab 2027 soll eine der meistgenutzten Naturwiesen Berlins unter Kunstrasen verschwinden.
Das darf nicht passieren.
Was ist geplant?
Rund zwei Drittel der rund 10.000 m² großen Sportwiese im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sollen einem vierten Kunstrasenplatz weichen. Von der Naturwiese bliebe gerade noch ein Drittel übrig – und selbst dieser Rest ist planungsrechtlich nicht als Wiese gesichert. Der Bebauungsplan 3-87 lässt dort künftig jede ebenerdige Nutzung zu: vom Hartplatz bis zum Schwimmbecken.
Die Zeit drängt: Ausführungsplanung und Ausschreibung sollen noch 2026 erfolgen. Die Bauarbeiten sind für 2027 und 2028 vorgesehen. Wenn die Bagger erst rollen, ist die Wiese unwiederbringlich verloren.
Kein Sanieren – sondern Versiegeln
Der offizielle Projekttitel ist irreführend. Es geht nicht um eine Sanierung, sondern um den Neubau eines mindestens 6.500 m² großen Kunstrasen-Großspielfelds – das vierte seiner Art im Jahnsportpark.
Finanziert werden soll das Vorhaben ausgerechnet aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten” – mit einer Fördersumme von rund 1,3 Millionen Euro. Klimaschutzmittel für die Vernichtung einer kühlenden Naturwiese – ein offener Widerspruch.
Hinzu kommt: Jeder Euro, der hier in die Zerstörung einer funktionierenden Naturwiese fließt, fehlt anderswo – bei den vielen Sportstätten in Berlin, die tatsächlich sanierungsbedürftig sind.
Die Sportwiese – eine wertvolle Fläche im Jahnsportpark
Auf der Sportwiese finden rund 20 verschiedene Sportarten statt – mehr als im gesamten übrigen Jahnsportpark zusammen. Yoga, Frisbee, American Football, Rugby, Kampfsport: Die Menschen organisieren sich hier selbst, in der Regel konfliktfrei. Die Wiese ist:
- kostenfrei und offen für alle – Kinder, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderung
- niedrigschwellig – kein Vereinszwang, keine Anmeldung
- berlinweit einzigartig – die einzige Fläche, auf der barfuß trainiert werden kann, ohne Hundekot und Glasscherben
Das Land Berlin verkauft die Bebauung als Beitrag zu einer „inklusiven Sportanlage” – und zerstört dabei einen Ort, der bereits heute gelebte Inklusion ist. Ein vierter Kunstrasenplatz für einzelne Nutzergruppen ist das Gegenteil davon.
„Erst den Erhalt versprechen, dann zwei Drittel der Wiese unter Plastik begraben – elegant finanziert mit Klimageldern. Was die Senatsverwaltung hier plant, ist kein Beitrag für Inklusion oder Sport, sondern ein grob unsportlicher Angriff auf Kiez, Klima und Glaubwürdigkeit.” — Alexander Puell, BI Jahnsportpark
Hitzeinsel statt Klimaanpassung
An Hitzetagen erwärmt sich die Naturwiese auf rund 39 °C – Kunstrasenflächen zur gleichen Zeit auf bis zu 65 °C. Die Wiese kühlt ihre Umgebung durch Verdunstung. Kunstrasen kann das nicht.
Schon der Umweltatlas 2015 der Berliner Senatsverwaltung stuft die Grünstrukturen rund um den Jahnsportpark als „von höchster Schutzwürdigkeit” ein. Das Gesundheitsamt Pankow forderte ausdrücklich eine Entsiegelung – keine Verdichtung.
Besonders entlarvend: Der Bebauungsplan erkennt in seiner eigenen Begründung an, dass die Sportwiese „die Kaltluftentstehung und -zirkulation im Plangebiet positiv beeinflusst” und der „Überhitzung der Innenstädte” entgegenwirkt. Und versiegelt sie trotzdem zu zwei Dritteln.
Gebrochene Versprechen
Zwei Staatssekretärinnen hatten den Erhalt der Wiese öffentlich zugesichert – in vergleichbarer Größe und gleicher Qualität. Die Realität sieht anders aus: Verkleinerung auf ein Drittel, Kunstrasen statt Naturboden.
Auch die Bürgerschaft hat sich klar geäußert: Über 1.000 Unterschriften in kürzester Zeit, 1.226 gültige Einwendungen in der Öffentlichkeitsbeteiligung – 77 Prozent davon ausschließlich ablehnend. Selbst das Bezirksamt Pankow mahnte an: „Weiterhin ist der Erhalt der Sportwiese anzustreben, diese entlastet den Mauerpark und mindert Nutzungskonflikte.”Fällt die Wiese weg, verlagert sich der Nutzungsdruck auf den ohnehin überlasteten Mauerpark – mit absehbar mehr Konflikten dort.
„Wo Gebäude nicht abgerissen, sondern ‚zurückgebaut’ und Bäume nicht gefällt, sondern ‚geerntet’ werden, da kann auch die Versiegelung einer Wiese zur ‚Sanierung’ werden. Am Ende ist in diesem Immobilien-Neusprech alles nur noch eine ‚bauliche Spezialoperation’.” — Philipp Dittrich, BI Jahnsportpark
Unsere Forderungen
- Sofortiger Stopp der für 2027/2028 geplanten Bauarbeiten an der Sportwiese
- Vollständiger Erhalt der Naturwiese in ihrer heutigen Größe und Beschaffenheit
- Verzicht auf Bundes- und Landesmittel für ein klimaschädliches Versiegelungsprojekt
- Echte Bürgerbeteiligung statt Etikettenschwindel
Sport braucht keine vierte Plastikfläche. Der Kiez braucht seine Wiese.
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