Alexander Puell, Designer

Alexander Puell, Designer

“Der Jahnsportpark hat eine lange Tradition, einen umfangreichen Nutzerkreis und ist eng mit seiner Nachbarschaft verbunden.
Ein Vorzeige Inklusionsprojekt entsteht an diesem besonderen Ort nicht dadurch, dass die Sportverwaltung den Park brachial entkernt und ein überdimensioniertes Musterstadion für barrierefreie Fußballspiele hineinstellt.
Geschichte, Park und Nachbarschaft sollten berücksichtigt und auf Augenhöhe in die Planung einbezogen werden – der künstliche Zeitdruck durch die Senatsverwaltung ist unnötig und alles andere als “alternativlos”.
Der Inklusionssportpark sollte gemeinsam mit allen Akteueren im Sportpark aus konzipiert und muss mit Blick auf Inklusions- und Breitensport zuerst vom Sportpark aus entwickelt werden.
Beharrt die Sportverwaltung weiterhin stur auf “Stadion first, Inklusionspark later” und den übereilten, planlosen Stadion-Abriss, wird das Inklusionsprojekt scheitern.”

Pedro Stoichita, Comiczeichner

Pedro Stoichita, Comiczeichner

“Der Blick aus Fenstern unseres Ateliers ist auf den Park gerichtet. Über die Pflastersteine und die parkenden Autos der Cantianstraße auf das Grün der Bäume, die Sporttreibenden auf dem Rasen bis hin zum Stadion; Abends leuchten die Flutlichtmasten auf.

Während im Inneren gezeichnet wird, spielen sich vor den Scheiben Laubfall, Sturm, Regenschauer, Tagesanbruch und Sommeruntergang ab. Wolkenfronten formen sich und werden wieder aufgelöst. Blätter rascheln, im nächsten Augenblick fegen sie über die Fußballfelder. Es hagelt herrlich auf offener Fläche oder manchmal ist es auch nur der rhythmische Klang des Hockeytrainings, der wie leichter Regen gegen die Scheiben prasselt; dann legt sich der Wind und es wird still, bis auf das Zwitschern der Vögel.

Der Park begleitet mich durch alle Jahreszeiten. Er ist eine Gegenwart und ein lebendiges Gegenüber.

Wenn ich schon eine Weile sitze, die Linien auf dem Blatt zusumpfen oder das Flimmern des Bildschirms trockene Augen hinterlässt, wird aus dem Fenster geschaut; das ist dann wie Atem holen. Und wenn der Kopf zu voll ist, reichen ein paar Schritte aufs Parkgelände, um auch hier gut durchzulüften.

Beim Gedanken an die Rodung der Bäume, an Betonflächen, an Grün, das durch Parkplätze verdrängt wird und an ein mehrstöckiges Gebäude vor der Nase graut es mir.”

Wladimir Kaminer, Schriftsteller

Wladimir Kaminer, Schriftsteller

„Einst direkt an der Grenze der geteilten Stadt gebaut hat das alte Jahnstadion bis heute seinen Ost-Charme über Jahrzehnte behalten. Nun soll das alte Stadion weg, samt Hügeln und Bäumen, obwohl es noch keinen Plan gibt, wie ein neues Stadion in Zeiten nach Corona auszusehen hat. Ist es wirklich Berlins oberste Priorität, dass 20.000 Menschen auf engstem Raum zusammensitzen?

Gerade werden die Grundprinzipien des Zusammenlebens und die Ökonomie einer Großstadt hinterfragt und alle Zeichen stehen auf Veränderung: Weg von Profit um jeden Preis – hin zur Lebensqualität. Wie soll das Berlin der Zukunft aussehen? Wie eine Aneinanderreihung aus Büro-, Parkhäusern und Touristenattraktionen oder wie eine kreative Fläche, die ökologisch bewusste, progressive Lebensformen fördert?

Erstaunlich ist der Glaube der Sportverwaltung, mit den Abrissplänen für das Jahnstadion auf der Höhe der Zeit zu sein, nach dem Motto: „Hauptsache größer, schicker, bombastischer.“

Wozu die Eile? Wir sollten über alles reden, und dann, wenn der Plan reif ist, kann man immer noch das Alte abreißen und das Neue bauen, wenn man es denn wirklich braucht.“

Nina Weniger, Schauspielerin

Nina Weniger, Schauspielerin

“Mein Sohn hat jahrelang im Jahnsportpark Hockey- und Tennistraining gehabt. Während seines Trainings habe ich mit anderen Alleinerziehenden Yoga auf der großen Wiese gemacht, bin dort joggen gegangen und habe nach getanem Sport im Schatten der Bäume ein Buch gelesen. Ich fahre fast jeden Tag mit dem Fahrrad durch den Sportpark und kenne – so fühlt es sich zumindest an – dort jedes Eichhörnchen. Ich wünsche mir, dass die Wiese, dieser Freiraum, der so typisch für Berlin ist, erhalten bleibt. Für die schönen St. Martin-Veranstaltungen im Herbst mit hunderten Kindern genauso wie für die sonnenbadenden, musizierenden oder sportlich-aktiven Individualist*innen. Ein Hochhaus an dieser Stelle wäre wirklich ein Alptraum!”

Marcus Staab, Schauspieler

Marcus Staab, Schauspieler

“Klimawandel, steigende Temperaturen, Extremwetter, Kohlendioxid, Feinstaubbelastung, Insekten/Bienensterben, zurückgehende Vogelpopulation…ich denke, das sind doch schon genug Gründe sich für den Erhalt der Natur einzusetzen – es lohnt sich um jeden einzelnen Baum, jeden Strauch, jedes Stück Wiese zu kämpfen. Für mehr Natur, weniger Beton! Wir brauchen nicht mehr Parkplätze, wir brauchen weniger Autos in den Innenstädten.

“Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet Ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann!”

Um das zu begreifen, muss man kein weiser alter Indianer sein, da reicht gesunder Menschenverstand und Aufklärung!”

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