Das sagen wir

Wladimir Kaminer, Schriftsteller

„Einst direkt an der Grenze der geteilten Stadt gebaut hat das alte Jahnstadion bis heute seinen Ost-Charme über Jahrzehnte behalten. Nun soll das alte Stadion weg, samt Hügeln und Bäumen, obwohl es noch keinen Plan gibt, wie ein neues Stadion in Zeiten nach Corona auszusehen hat. Ist es wirklich Berlins oberste Priorität, dass 20.000 Menschen auf engstem Raum zusammensitzen?

Gerade werden die Grundprinzipien des Zusammenlebens und die Ökonomie einer Großstadt hinterfragt und alle Zeichen stehen auf Veränderung: Weg von Profit um jeden Preis – hin zur Lebensqualität. Wie soll das Berlin der Zukunft aussehen? Wie eine Aneinanderreihung aus Büro-, Parkhäusern und Touristenattraktionen oder wie eine kreative Fläche, die ökologisch bewusste, progressive Lebensformen fördert?

Erstaunlich ist der Glaube der Sportverwaltung, mit den Abrissplänen für das Jahnstadion auf der Höhe der Zeit zu sein, nach dem Motto: „Hauptsache größer, schicker, bombastischer.“

Wozu die Eile? Wir sollten über alles reden, und dann, wenn der Plan reif ist, kann man immer noch das Alte abreißen und das Neue bauen, wenn man es denn wirklich braucht.“