Bürgerinitiative begrüßt Einigung der Koalition

Bürgerinitiative begrüßt Einigung der Koalition

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark begrüßt die nach langen Verhandlungen erzielte Einigung der Koalitionsfraktionen und des Senats auf ein geordnetes Verfahren für den Umbau des Jahnsportparks und des Cantian-Stadions.

Mit dem gemeinsam beschlossenen Verfahren werden wesentliche Forderungen der BI erfüllt.

Der Senat und die Abgeordneten der Regierungskoalition haben damit die Grundlage geschaffen für ein zielgerichtetes, rechtssicheres und wirtschaftliches Vorgehen bei der Planung eines inklusiven Jahnsportparks.

Es bleibt die Frage, warum es einer Bürgerinitiative und über 5.000 Unterschriften engagierter Bürger*innen bedurfte, um die Landesregierung zu einem geordneten Verfahren zu bewegen?

Und es bleiben einige Fragen offen, denen sich die BI Jahnsportpark intensiv widmen wird:

  • Wer wählt die Teilnehmer des städtebaulichen Werkstattverfahrens aus?
    Die BI Jahnsportpark fordert, an der Auswahl beteiligt zu werden.
  • Wird eine Prüfung des Umbaupotentials des Cantian-Stadions Teil der Aufgabenstellung sein?
    Die BI Jahnsportpark fordert, an der Formulierung der Aufgabenstellung beteiligt zu werden.
  • Werden die senatseigenen Zielsetzungen beim Klimaschutz, beim Artenschutz, und bei der Ressourcenschonung angemessen berücksichtigt?
    BI Jahnsportpark fordert die Beteiligung von Experten.
  • Wie, wann, und mit welcher Bedeutung findet die Beteiligung der Öffentlichkeit statt?
    Die BI Jahnsportpark fordert eine enge Begleitung des Werkstattverfahrens durch die interessierte Öffentlichkeit unter besonderer Berücksichtigung der Anwohnenden.
Neues aus dem Jahnsportpark

Neues aus dem Jahnsportpark

Zunächst einmal vielen Dank für Eure Hilfe, Euer Engagement, Eure Sammelleidenschaft und Eure Ideen bezüglich unserer Petition! Das Ergebnis kann sich sehen lassen: wir haben mittlerweile über 5000 Unterschriften! Diese wollen wir in den nächsten Tagen Herrn Senator Geisel übergeben und ihm verdeutlichen, dass sehr viele Menschen auf unterschiedlichste Weise den Jahnsportpark nutzen – und das auch weiterhin tun wollen!

Wir möchten diesen Etappensieg gerne gemeinsam mit Euch feiern, darum kommt doch am Samstag, den 29.8.2020 zum Mauerpark. Wir werden dort einen Stand haben und freuen uns schon auf Euch!

Unabhängig davon wollen wir weiter Unterschriften sammeln und bitten Euch dafür weiterhin um Unterstützung. Es gibt noch immer so viele Sporttreibende und Anwohnerinnen und Anwohner, die von dem Vorhaben noch nicht gehört haben.

Was war sonst noch los? Ende Juli fand im Sportpark eine Begehung statt. Politiker*innen waren ebenso anwesend wie sechs Expert*innen vom Bund deutscher Architekten (BDA) und vom Bund deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA), darunter auch ein Vertreter unserer Initiative.

Bei diesem Anlass wurde eindringlich die stadträumliche und ökologische Bedeutung der Anlage, insbesondere des Baumbestandes hervorgehoben. Das Ergebnis: Unsere Position wurde deutlich gestärkt, unsere Forderungen sind aus Sicht der Expert*innen vernünftig.

In Kürze soll eine weitere Begehung von Koalitionsabgeordneten mit Sportfunktionär*innen und Baufachleuten stattfinden – unsere Initiative soll erneut dabei sein.

Anfang August hatte Pankows Bürgermeister Sören Benn zu einem Gespräch geladen. Bei dieser Gelegenheit trafen Vertreter*innen des Inklusionssports, der Sportvereine und die Bürgerinitiative aufeinander und konnten konstruktiv miteinander reden. Es wurde deutlich, dass man viele Probleme lösen könnte, wenn man die Planung wegbringen würde von einem überdimensionierten Profi-Fußballstadion hin zu einem offenen Stadion für Inklusion mit vielen Nutzungsmöglichkeiten auch für Anwohner*innen und Nutzer*innen, die individuell und vereinsungebunden Sport treiben wollen.

Auch in Teilen der Politik hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. Viele Politiker*innen unterstützen unser Anliegen, zuallererst einen Wettbewerb und eine Bauplanung aufzustellen, bevor durch einen Abriss Fakten geschaffen werden.

Dennoch müssen wir am Ball bleiben, da auf dem Gelände die unterschiedlichsten Interessen aufeinander prallen. Wir alle werden einen langen Atem brauchen um für eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich sinnvolle Version des Sportparks einzustehen!

Ergebnisse der Beteiligungsverfahren

Ergebnisse der Beteiligungsverfahren

Im Februar/März 2020 fand unter dem Titel „Beteiligungsverfahren der Stadtgesellschaft“ auf Mein.Berlin.de eine Online-Umfrage zum Thema Jahn-Sportpark statt. Im Juni 2020 ist die Befragung ausgewertet, hinterlässt aber, noch bevor man sich mit den Inhalten beschäftigt, ein schales Gefühl:

1. Schon die Online-Befragung zu dem Sportpark, der ein Vorzeigeprojekt der Inklusion werden soll, war nicht barrierefrei! Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert: Bevor durch einen Abriss des Stadions Fakten geschaffen werden, ist eine inklusive und selbstverständlich barrierefreie Beteiligung zu sichern.

2. Die mit der Auswertung der Befragung beauftragten Büros stellen fest, dass allein die Bedarfe des Schulsports der Bezirke Mitte und Prenzlauer Berg die Fläche des Jahnsportparks weit übersteigen. „Mehr als die Fläche eines weiteren Sportparks wäre nötig, allein um nur die Bedarfe des Schulsports zu decken. Darin sind die Bedarfe des Vereins- und Individualsport noch nicht berücksichtigt“. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert angesichts dieser Fakten eine am Bestand orientierte Bedarfsermittlung!

3. Die Naturwiese ist, gleichauf mit dem Kleinen Stadion, die meistgenutzte Fläche und die Fläche mit der weitaus größten Nutzungsvielfalt. Sie zu erhalten ist ebenfalls ein Aspekt der Inklusion, nämlich der vielen Rand- und Individualsportarten, die dort betrieben werden. Sie mit Kunstrasenplätzen zu belegen schließt viele Nutzungen aus. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert den Erhalt dieser nutzungsoffenen und unversiegelten Fläche!

4. Die in der bisherigen Umfrage genannten Defizite der Barrierefreiheit betreffen ausnahmslos die Verkehrsflächen, teilweise außerhalb des Jahnsportparks. Diese Flächen barrierefrei zu gestalten ist ohnehin Aufgabe der Stadt. Hier lässt sich mit überschaubarem Aufwand schnell viel erreichen.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert die Beseitigung dieser Mängel im öffentlichen Raum!

5. Das Stadion war nicht Teil der Befragung und wurde so der Öffentlichkeitsbeteiligung entzogen! Die Senatsverwaltung für Sport und Inneres behauptet in ihrer Stellungnahme, Erhalt und Sanierung des Stadions seien geprüft und für wirtschaftlich nicht vertretbar befunden worden. Diese Prüfung ist nicht nachvollziehbar. Sanierung greift aber ohnehin zu kurz, es sind vielmehr verschiedene Varianten von Umbau und Teilabriss zu prüfen. Verbesserungen des Immissionsschutzes (Lärm und Licht) setzen keinen Neubau voraus, sondern können auch in einen vorhandenen Bau integriert werden, siehe z.B. die nachträgliche Überdachung des Olympiastadions. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert vom Abriss des Stadions Abstand zu nehmen und einen bedarfsgerechten Umbau zu einer inklusiven Sportstätte zu planen!

Offener Brief an Finanz-Senator Dr. Kollatz

Offener Brief an Finanz-Senator Dr. Kollatz

Die Haushaltslage in Berlin ist durch die Corona-Pandemie extrem angespannt.

In einem offenen Brief schlägt nun die Bürgerinitiative Jahnsportpark dem Senator für Finanzen, Dr. Matthias Kollatz, vor, auf den unzeitgemäßen, unnötigen und nicht vertretbaren Abriss und Neubau des Jahnstadions zu verzichten.

Anstatt das erst 33 Jahre alte Stadion abzureißen und neu zu bauen, könnten durch einen behutsamen Umbau bis zu 160 Mio. Euro eingespart werden – exakt die Summe, die Finanz-Senator Dr. Kollatz als Einsparung von den Bezirken fordert.

Ein Umbau des Stadions hätte darüber hinaus positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, weil das Bauen im Bestand lohnkostenintensiver, aber materialkostensparender als Abriss und Neubau ist. Gleichzeitig wäre dieses Vorgehen ressourcenschonender und damit im Einklang mit den Klimazielen des Berliner Senats.

Offener Brief an Senator Dr. Kollatz (PDF, 70kB)

Offener Brief an Finanz-Senator Dr. Kollatz

Offener Brief an Senatorin für Stadtentwicklung Katrin Lompscher

Mit einem offenen Brief fordert die Bürgerinitiative Jahnsportpark die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher, und ihre Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf den selbst­gesteckten Zielen einer transparenten und frühzeitigen Bürgerbeteiligung gerecht zu werden und unverzüglich mit den Anwohner*innen und den vereinsungebunden Sporttreibenden ins Gespräch über die geplante Umgestaltung des Jahnsportparks zu kommen.

Dafür sind die Planungen zum Abriss des Stadions und zum Abtrag des Trümmerschutthügels sofort zu stoppen. Gerade die umfangreichste und tiefgreifendste Baumaßnahme kann nicht ohne Bürger­beteiligung, außerhalb des Bebauungsplanverfahrens, und vor Klärung der künftigen Gestaltung im Rahmen eines Wettbewerbs erfolgen. In Zeiten des Klimawandels stehen die damit einhergehenden Baumfällungen, die Schuttmengen, die Tausenden von Lkw-Fahrten und die Verschwendung der „grauen Energie“, d.h. der im Gebäude und seinen Materialien enthaltenen Energie in krassem Widerspruch zur vom Senat im Dezember anerkannten Klimanotlage.

Die Verfahrensschritte sind in die richtige Reihenfolge zu bringen: Erst Bürgerbeteiligung, dann Wettbewerb, auf dieser Grundlage Bebauungsplan und frühestens mit Planreife erste Bau- und ggf. unumgängliche Abrissmaßnahmen.

Der Offene Brief der Bürgerinitiative Jahnsportpark an Senatorin Lompscher (60kB, PDF)

Jahnsportpark an den Bürgern vorbeigeplant

Jahnsportpark an den Bürgern vorbeigeplant

Mit der Pressemitteilung der Senatskanzlei vom 31.03.2020 zum Bebauungsplanverfahren Friedrich- Ludwig-Jahn-Sportpark hat der Berliner Senat eine Kehrtwende vollzogen und sich in mehreren Punkten von seinen eigenen Zielen verabschiedet:

  • Klimaschutz war gestern – jetzt wird munter abgeholzt, abgerissen und betoniert.
  • Mobilität von morgen? Warum nicht die von vorgestern? Die Zahl der Pkw-Stellplätze sollvergrößert und in einem Parkhaus untergebracht werden.
  • Bürgerbeteiligung? Davon kann nicht mehr die Rede sein, denn wie die federführende Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen unmissverständlich mitteilte, seien „besonders (…) die sportfachlichen Interessen der Gesamtstadt zu berücksichtigen.“Die online durchgeführte und kaum beworbene Bürgerbefragung wird damit ad absurdum geführt. Dort wurde massiv bemängelt, dass gerade die Interessen der Anwohner und Freizeitsportler bislang zu wenig berücksichtigt wurden, und dass der Erhalt des Baumbestands den Sporttreibenden und den Anwohnern besonders wichtig ist.

Wer hat denn Bedarf an einem Stadion mit 20.000 Sitzplätzen? Der Inklusionssport jedenfalls nicht. Er wird nur als Grund für die Umgestaltung vorgeschoben, um als guter Zweck alle Mittel zu heiligen: Die Fällung zahlreicher Bäume, den sinnlosen Abriss eines großen Stadions für den Neubau eines ebenso großen Stadions, und den mehr als fragwürdigen Neubau eines Parkhauses.
Das alles steht in klarem Gegensatz zu den Zielen, die sich der Senat noch im Dezember gesetzt hat, als er die Klimanotlage anerkannt hat.

Der Senat verabschiedet sich außerdem von seinen eigenen Mobilitätszielen und vom Verkehrs- konzept der Max-Schmeling-Halle. Sie wurde aufgrund der exzellenten ÖPNV-Erschließung ohne Stellplätze errichtet. Durch Sperrung der Quartiersstraßen sollte Parksuchverkehr unterbunden werden. Das wurde nicht durchgesetzt, stattdessen vermarktet der Hallenbetreiber „VIP-Stellplätze“ auf einer Wiese, die eigentlich dem Freizeitsport dient. Mithilfe dieser temporären Stellplätze ver- sucht der Senat nun den Eindruck zu erwecken, es würden keine zusätzlichen Stellplätze geschaffen.

Noch bevor der Bebauungsplan auch nur die sogenannte Planreife erlangt hat, soll das Stadion ab- gerissen werden. Warum keine Veränderungssperre, um zu verhindern, dass während der Aufstel- lung des B-Plans Fakten geschaffen werden? Die Entscheidung über den Abriss des Stadions wurde aus der Bürgerbeteiligung ausgenommen. Offenbar will der Senat selbst voreilig Fakten schaffen.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark protestiert gegen die Instrumentalisierung des Inklusionssports für kommerzielle Interessen. Sie setzt sich hingegen für den Erhalt der Bäume, für den behutsamen Umbau des Stadions, für ein klimagerechtes Mobilitätskonzept, und für einen zukunftsfähigen Jahnsportpark für alle ein.

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