5.000 Unterschriften und ein Offener Brief an Sport-Senator Geisel

5.000 Unterschriften und ein Offener Brief an Sport-Senator Geisel

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark hat heute einen offenen Brief und mehr als 5.000 Unterschriften an den Senator für Inneres und Sport übergeben.

Trotz der Corona-bedingten Einschränkungen hat die Ende Februar gestartete Petition ihr Sammlungsziel bereits am 06.08. deutlich vorfristig erreicht. Und dies, obwohl die Petition weder auf dem Gelände des Jahn-Sportparks durch Aushänge noch über Vereinsverteiler beworben wurde, obwohl auf niemanden Druck zur Mitzeichnung ausgeübt wurde und obwohl die Initiative Jahnsportpark ohne Sponsoren allein durch bürgerschaftliches Engagement getragen wird.

Die Initiatoren fordern in ihrem Offenen Brief (siehe unten) den Senator eindringlich auf

  • die Anliegen von nicht vereinsgebunden Sporttreibenden ernst zu nehmen und zu berücksichtigen,
  • vor Rodungen und Abrissen erst durch eine qualifizierte Planung die Möglichkeiten eines Bestands- erhalts, das Umbaupotential und den Umfang erforderlicher Abrissmaßnahmen durch einen interdisziplinären Gestaltungswettbewerb klären zu lassen,
  • den Bedarf an einem Stadion für Profifußball zu prüfen. Ein solches Stadion wird weder von den ansässigen Vereinen noch vom Inklusionssport benötigt!

Der Offene Brief in kompletter Länge: Offener Brief an Senator Geisel (PDF, 115 kB)

Neues aus dem Jahnsportpark

Neues aus dem Jahnsportpark

Zunächst einmal vielen Dank für Eure Hilfe, Euer Engagement, Eure Sammelleidenschaft und Eure Ideen bezüglich unserer Petition! Das Ergebnis kann sich sehen lassen: wir haben mittlerweile über 5000 Unterschriften! Diese wollen wir in den nächsten Tagen Herrn Senator Geisel übergeben und ihm verdeutlichen, dass sehr viele Menschen auf unterschiedlichste Weise den Jahnsportpark nutzen – und das auch weiterhin tun wollen!

Wir möchten diesen Etappensieg gerne gemeinsam mit Euch feiern, darum kommt doch am Samstag, den 29.8.2020 zum Mauerpark. Wir werden dort einen Stand haben und freuen uns schon auf Euch!

Unabhängig davon wollen wir weiter Unterschriften sammeln und bitten Euch dafür weiterhin um Unterstützung. Es gibt noch immer so viele Sporttreibende und Anwohnerinnen und Anwohner, die von dem Vorhaben noch nicht gehört haben.

Was war sonst noch los? Ende Juli fand im Sportpark eine Begehung statt. Politiker*innen waren ebenso anwesend wie sechs Expert*innen vom Bund deutscher Architekten (BDA) und vom Bund deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA), darunter auch ein Vertreter unserer Initiative.

Bei diesem Anlass wurde eindringlich die stadträumliche und ökologische Bedeutung der Anlage, insbesondere des Baumbestandes hervorgehoben. Das Ergebnis: Unsere Position wurde deutlich gestärkt, unsere Forderungen sind aus Sicht der Expert*innen vernünftig.

In Kürze soll eine weitere Begehung von Koalitionsabgeordneten mit Sportfunktionär*innen und Baufachleuten stattfinden – unsere Initiative soll erneut dabei sein.

Anfang August hatte Pankows Bürgermeister Sören Benn zu einem Gespräch geladen. Bei dieser Gelegenheit trafen Vertreter*innen des Inklusionssports, der Sportvereine und die Bürgerinitiative aufeinander und konnten konstruktiv miteinander reden. Es wurde deutlich, dass man viele Probleme lösen könnte, wenn man die Planung wegbringen würde von einem überdimensionierten Profi-Fußballstadion hin zu einem offenen Stadion für Inklusion mit vielen Nutzungsmöglichkeiten auch für Anwohner*innen und Nutzer*innen, die individuell und vereinsungebunden Sport treiben wollen.

Auch in Teilen der Politik hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. Viele Politiker*innen unterstützen unser Anliegen, zuallererst einen Wettbewerb und eine Bauplanung aufzustellen, bevor durch einen Abriss Fakten geschaffen werden.

Dennoch müssen wir am Ball bleiben, da auf dem Gelände die unterschiedlichsten Interessen aufeinander prallen. Wir alle werden einen langen Atem brauchen um für eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich sinnvolle Version des Sportparks einzustehen!

Ergebnisse der Beteiligungsverfahren

Ergebnisse der Beteiligungsverfahren

Im Februar/März 2020 fand unter dem Titel „Beteiligungsverfahren der Stadtgesellschaft“ auf Mein.Berlin.de eine Online-Umfrage zum Thema Jahn-Sportpark statt. Im Juni 2020 ist die Befragung ausgewertet, hinterlässt aber, noch bevor man sich mit den Inhalten beschäftigt, ein schales Gefühl:

1. Schon die Online-Befragung zu dem Sportpark, der ein Vorzeigeprojekt der Inklusion werden soll, war nicht barrierefrei! Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert: Bevor durch einen Abriss des Stadions Fakten geschaffen werden, ist eine inklusive und selbstverständlich barrierefreie Beteiligung zu sichern.

2. Die mit der Auswertung der Befragung beauftragten Büros stellen fest, dass allein die Bedarfe des Schulsports der Bezirke Mitte und Prenzlauer Berg die Fläche des Jahnsportparks weit übersteigen. „Mehr als die Fläche eines weiteren Sportparks wäre nötig, allein um nur die Bedarfe des Schulsports zu decken. Darin sind die Bedarfe des Vereins- und Individualsport noch nicht berücksichtigt“. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert angesichts dieser Fakten eine am Bestand orientierte Bedarfsermittlung!

3. Die Naturwiese ist, gleichauf mit dem Kleinen Stadion, die meistgenutzte Fläche und die Fläche mit der weitaus größten Nutzungsvielfalt. Sie zu erhalten ist ebenfalls ein Aspekt der Inklusion, nämlich der vielen Rand- und Individualsportarten, die dort betrieben werden. Sie mit Kunstrasenplätzen zu belegen schließt viele Nutzungen aus. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert den Erhalt dieser nutzungsoffenen und unversiegelten Fläche!

4. Die in der bisherigen Umfrage genannten Defizite der Barrierefreiheit betreffen ausnahmslos die Verkehrsflächen, teilweise außerhalb des Jahnsportparks. Diese Flächen barrierefrei zu gestalten ist ohnehin Aufgabe der Stadt. Hier lässt sich mit überschaubarem Aufwand schnell viel erreichen.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert die Beseitigung dieser Mängel im öffentlichen Raum!

5. Das Stadion war nicht Teil der Befragung und wurde so der Öffentlichkeitsbeteiligung entzogen! Die Senatsverwaltung für Sport und Inneres behauptet in ihrer Stellungnahme, Erhalt und Sanierung des Stadions seien geprüft und für wirtschaftlich nicht vertretbar befunden worden. Diese Prüfung ist nicht nachvollziehbar. Sanierung greift aber ohnehin zu kurz, es sind vielmehr verschiedene Varianten von Umbau und Teilabriss zu prüfen. Verbesserungen des Immissionsschutzes (Lärm und Licht) setzen keinen Neubau voraus, sondern können auch in einen vorhandenen Bau integriert werden, siehe z.B. die nachträgliche Überdachung des Olympiastadions. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert vom Abriss des Stadions Abstand zu nehmen und einen bedarfsgerechten Umbau zu einer inklusiven Sportstätte zu planen!

Offener Brief an die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Offener Brief an die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Bundesweit wird gegen Artensterben und Klimawandel gekämpft, doch die Senatsverwaltung für Sport interessiert das nicht. Sie versucht aktuell mit aller Macht, ihre Abriss- und Neubaupläne für das Jahnstadion vor dem Start des geplanten Beteiligungsverfahren voranzubringen. Auch wenn ein Neubau nicht vor 2023 möglich ist, hält die Sportverwaltung an einem vorgezogenen Abriss 2020/2021 fest, vermutlich um vollendete Tatsachen zu schaffen.

Mit einem offenen Brief an die Senatorin für UVK schlägt die Bürgerinitiative Jahnsportpark Alarm.

Würde die Senatsverwaltung für Inneres und Sport ihre derzeitigen Pläne umsetzen, wären u.a. irreparable Schäden an Flora und Fauna die Folge.

Die BI appelliert an Senatorin Günther die von ihrem Haus erarbeitete Charta für das Berliner Stadtgrün urbane Grünflächen und Parks auch beim Umbau des Jahnsportparks im Blick zu behalten. Das von der Sportverwaltung vorangetriebene Vorhaben läuft in der derzeit geplanten Form fast allen Eckpunkten des vom Senat gefassten Beschlusses zur Klimanotlage zuwider!

Ein Abriss des großen Stadions ist für Inklusion nicht nötig und darf nicht ohne Planreife des B-Plans und mindestens einen Vorentwurf für das Stadion vorgezogen werden.

Offener Brief an Senatorin Günther (PDF, 6MB)

Offener Brief an die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Offener Brief an Finanz-Senator Dr. Kollatz

Die Haushaltslage in Berlin ist durch die Corona-Pandemie extrem angespannt.

In einem offenen Brief schlägt nun die Bürgerinitiative Jahnsportpark dem Senator für Finanzen, Dr. Matthias Kollatz, vor, auf den unzeitgemäßen, unnötigen und nicht vertretbaren Abriss und Neubau des Jahnstadions zu verzichten.

Anstatt das erst 33 Jahre alte Stadion abzureißen und neu zu bauen, könnten durch einen behutsamen Umbau bis zu 160 Mio. Euro eingespart werden – exakt die Summe, die Finanz-Senator Dr. Kollatz als Einsparung von den Bezirken fordert.

Ein Umbau des Stadions hätte darüber hinaus positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, weil das Bauen im Bestand lohnkostenintensiver, aber materialkostensparender als Abriss und Neubau ist. Gleichzeitig wäre dieses Vorgehen ressourcenschonender und damit im Einklang mit den Klimazielen des Berliner Senats.

Offener Brief an Senator Dr. Kollatz (PDF, 70kB)

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