Anwohner im Jahnsportpark-Werkstattverfahren ausgespielt?

Anwohner im Jahnsportpark-Werkstattverfahren ausgespielt?

Im Auftrag der Senatsverwaltung wurden am 4.5.2021 Vertreter*innen der Verwaltung, des Sports, der Bürgervereine sowie die BI Jahnsportpark vom Büro Slapa & die Raumplaner zu einer Online-Konferenz geladen. Das Werkstattverfahren für das Gelände des Jahnsportparks, so wurde informiert, werde zukünftig sogenannte „Multiplikator*innen“ aus Sportvereinen und Bürgerinitiativen einbinden.

Diese sollen drei mögliche Szenarien begleiten:

  1. Abriss und Neubau des Stadions an der bisherigen Stelle
  2. Neubau eines zusätzlichen Stadions an einem neuen Ort im Jahnsportpark
  3. Umbau des Stadions

Klimaschutz wird dem Zufall überlassen

Die Konzeption des Werkstattverfahrens weist aber Mängel auf, die Glaubwürdigkeit und Erfolg des Ganzen aufs Spiel setzen: Expert*innen aus den Bereichen Klima-, Arten-und Naturschutz fehlen völlig. Auf Nachfrage wurde bestätigt: diese Themen werden den teilnehmenden Büros überlassen. Dabei ist klar: Klimaschutz muss 2021 eine Grundvoraussetzung für die Planung sein!

Entscheidung direkt vor der Wahl?

Die Entscheidung, welches der drei Konzepte umgesetzt werden soll, wird wenige Tage vor den Wahlen, mitten im Wahlkampf gefällt. Das bedeutet, die neue Regierung soll dann die Entscheidung ihrer Vorgängerregierung umsetzen. Das ist nicht sinnvoll und widerspricht politischem Anstand!

Politik statt Expert*innengremium

Anders als üblich soll die Entscheidung über die Konzepte nicht von einem Fachgremium, sondern allein von der Senatsverwaltung gefällt werden. Das wird viele Büros von vornherein davon abhalten, an dem Verfahren teilzunehmen. Denn auf diese Weise ist klar: Sieger wird nicht das Büro mit dem fachlich besten Entwurf, sondern jenes, das dem Senatswillen am nächsten kommt .

Fehler Multiplikator*innen: Anwohner völlig unterrepräsentiert

Die Einbindung sogenannter Multiplikator*innen in das Verfahren kann das Planungsergebnis verbessern. Die bisher geplante Auswahl der Multiplikator*innen geht aber an diesem Ziel komplett vorbei: Von 8 Teilnehmenden soll nur 1 Vertreter*in die Anwohnerschaft vertreten. Die berechtigten Interessen tausender Anwohner*innen wären in diesem Größenverhältnis völlig unterrepräsentiert. Dabei geht es zu diesem Zeitpunkt um städtebauliche Fragen, um Fragen der Nachbarschaft und der Verträglichkeit eines solchen Großprojektes für die umliegenden Quartiere!

Multiplikator*innen werden gegeneinander ausgespielt

Neben dem ungeeigneten Proporz stellt sich die Frage: wie und nach welchen Kriterien werden diese Mulitplikator*innen ausgewählt? Slapa & Raumplaner wünschen sich, dass Interessierte sich bewerben. Wer dann ausgewählt wird, von wem und nach welchen Kriterien, bleibt undurchsichtig.

Zu guter Letzt stellt sich die Frage, ob die Bezeichnung „Multiplikator“ an sich nicht schon verräterisch ist. Geht es hier um eine beratende Funktion – oder geht es darum, die Netzwerke der Beteiligten zur Weitergabe von gefilterten Informationen zu nutzen? 

Wie schon in den Verfahrensschritten der letzten Monate und Jahre, bleibt der Eindruck, dass hier ein aufwendiges Beteiligungsverfahren initiiert wird, um am Ende dort anzukommen, wo man schon immer hinwollte: bei einer Event-Arena mit 20.000 Plätzen, die sich auch für außersportliche Großveranstaltungen gewinnbringend vermieten lässt – auf Kosten der Anwohnenden, die sich dann anhören müssen, sie seien doch „beteiligt“ gewesen.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert:

  • Klimaschutz, Arten- und Naturschutz vom ersten Planungsschritt an
  • Angemessene Einbindung der Anwohnerschaft
  • Umbau des Stadions und Ressourcenschonung statt Neubauwahnsinn
  • Freien Zugang und Nutzung des Sportparks für alle!
Blankes Entsetzen nach „Dialog-Veranstaltungen“ der Senatsverwaltung

Blankes Entsetzen nach „Dialog-Veranstaltungen“ der Senatsverwaltung

Im Herbst 2020 hatte sich die Koalition darauf geeinigt, die Möglichkeiten eines Umbaus des Stadions im Jahnsportpark zu prüfen. Das Gelände des Sportparks sollte, so wurde beschlossen, im Gesamtzusammenhang von Stadion und Jahnsportpark betrachtet und dafür ein Gesamtkonzept erstellt werden. Im Rahmen eines Werkstattverfahrens sollten Architekt:innen und Landschaftsarchitekt:innen Vorschläge für einen ressourcenschonenden Umbau des Stadions machen.

Doch diese Einigung, so machte die „Dialog-Veranstaltung“ der Senatsverwaltung am 4.3.2021 deutlich, soll nun umgangen werden. So erklärte Senatsbaudirektorin Lüscher, das Stadion werde aus dem Werkstattverfahren herausgelöst und über Erhalt oder Abriss werde im 1. Quartal 2021, also innerhalb von gerade einmal 14 Tagen nach dem Beteiligungsverfahren, entschieden!

Kritische Nachfragen der Bürger:innen, warum der jetzt schon verdichtete Kiez einem Fußballstadion-Neubau mit 20.000 Plätzen zustimmen sollte, wischte Staatsekretär Dzembritzki vom Tisch: “Hirngespinste” ­und “großer Blödsinn” seien die Kritikpunkte der Bürger:innen.

Diese ‚Dialog-Veranstaltung‘ war absolut einseitig auf einen angeblich alternativlosen Abriss des Stadions ausgerichtet! Und obwohl Berlin sich selbst eine Zero-Waste-Strategie verordnet hat, fanden Klimawandel, Ressourcenschonung und ein sorgsamer Umgang mit der Natur im Sportpark von den Verantwortlichen keine Erwähnung.

Die Entscheidung über den Umbau oder Neubau eines Profi-Fußballstadions möchte die Senatsverwaltung augenscheinlich im Hinterzimmer treffen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne fachkundige Beratung durch Architekt:innen und Landschaftsarchitekt:innen. Auch soll die Entscheidung über das Stadion ohne Kontext zum Jahnsportpark fallen.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark ist über dieses Vorgehen entsetzt: „Es wird Zeit, Klartext zu reden. Klimanotstand, Verkehrskollaps, Artensterben betreffen alle Bürger:innen der Stadt – und die Sportverwaltung will um jeden Preis ein Stadion abreißen ohne überhaupt die Möglichkeiten eines Umbaus in Betracht zu ziehen! Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Entsiegelung von Flächen anstatt immer weiterer Versiegelung, all das scheint für die Senatssportverwaltung keine Rolle zu spielen. Wir und viele andere auch, das wurde in der Veranstaltung deutlich, fordern, dass es endlich zu verbindlichen Abmachungen kommt zwischen denjenigen, die sich um Klimaschutz, zukunftsfähige Mobilität, Umwelt und Naturschutz bemühen und denjenigen, die den Jahnsportpark bisher einseitig unter den Aspekten der maximalen ökonomischen Verwertung betrachten.“

Mach mit: Zeig uns Deinen Sportpark

Mach mit: Zeig uns Deinen Sportpark

Zeig uns, was dir der Jahn-Sportpark bedeutet!

Mach ein Foto, mal ein Bild, schreib ein Gedicht oder erzähl eine Geschichte von deinem Lieblingssport, Lieblingsbaum oder Lieblingsort, vom Treffen mit Freunden  oder dem Familienausflug auf die Wiese im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.

Was sind deine Momente, deine Erinnerungen oder sportlichen Ziele im Jahn-Sportpark?
Hier kommen ein paar Inspirationen für dich:

  • Triffst du dich auf der Wiese mit Freunden zu Fitness, Yoga oder Qigong?
  • Nutzt ihr als feste Sport-Buddies den Jahnportpark z.B. für Frisbee oder Football?
  • Liebst du den Sportpark, um in der Mittagspause mal aufzutanken?
  • Gehst du am Nachmittag oder am Wochenende durch den Park spazieren?
  • Toben deine Kids sich gern auf den Freiflächen aus?
  • Haben deine Kinder in dem geschützten Raum Fahrradfahren gelernt?
  • Tankst du mit deiner Familie Vitamin D während eines kleinen Picknicks?
  • Genießt du die frische Luft, den Schatten der alten hochgewachsenen Bäume?

So kannst du mitmachen:

Wir freuen uns auf möglichst viele unterschiedliche Einsendungen.
So kannst du deine Idee an uns schicken:

  • mach ein Foto – schwarz-weiß oder bunt, Makro, Panorama oder Porträt …
  • mal oder zeichne ein Bild …
  • schreib ein Gedicht oder erzähl eine Geschichte …
  • gestalte eine Collage …
  • nimm einen Video-Clip auf …
  • oder …

Mit deiner Teilnahme hast du die Chance, einen dieser Preise zu gewinnen:
1. Platz: Outdoor-Fitness-Paket, 2. Platz: Picknick-Päckchen, 3. Platz: Trinkflasche.

Der Wettbewerb läuft bis zum 12.06.2021 um 20:00 Uhr. Schick uns deinen Beitrag einfach über unser Onlineformular. Das Teilnahmeformular findest du ebenso wie die Details & Teilnahmebedingungen auf www.jahnsportpark.de/dein-sportpark

Jetzt mitmachen
Online-Beteiligungsverfahren gestartet

Online-Beteiligungsverfahren gestartet

Die Senatsverwaltung hat zur Zukunft des Jahnsportparks ein Online-Beteiligungsverfahren gestartet.

Vom 20.02. – 03.03.2021 können sich Bürger*innen auf der Plattform mein.Berlin informieren, Fragen stellen und Anregungen einbringen. Die dort gesammelten Fragen sollen dann in der Online-Veranstaltung am 04. März beantwortet werden. Bei der zweiten Veranstaltung, am 05. März, möchte die Verwaltung dann Fragen an die Teilnehmer*innen stellen und die weitere Beteiligung erläutern.

Wir begrüßen die Bereitschaft der Senatsverwaltung endlich die Bürger*innen zum geplanten Stadion zu beteiligen. Das nun gestartete Verfahren ist aber deutlich zu kurz angelegt und hat inhaltliche Lücken, die an der Ernsthaftigkeit des Beteiligungsverfahren zweifeln lassen.

Die Online-Beteiligung betrachtet allein das große Stadion, als wären Sportpark und Stadion zwei Orte, die zufälligerweise nebeneinander liegen, aber nicht auf vielfältige Weise miteinander in Verbindung stehen. Die Koalitionsvereinbarung von Oktober 2020 fordert eine gemeinsame Betrachtung.

Ein Jahr lang hatten wir mit Politiker*innen, Sportfunktionär*innen, Vertreter*innen des Behindertensports verhandelt und erreicht, dass nicht nur ein Neubau, sondern auch ein Umbau des Stadions gewissenhaft geprüft wird. Die Koalitionsvereinbarung von Oktober 2020 fordert das explizit ein.

Das nun gestartete „Beteiligungsverfahren“ suggeriert nun wieder die Alternativlosigkeit eines Abrisses. Dazu werden alte Scheinargumente aus der Mottenkiste geholt: das Stadion hätte z. B. keinen Blitzableiter. Wer reißt ein Haus ab, weil es keinen Blitzableiter hat? Warum baut man nicht einfach einen ein?

Auch Themen wie Klimawandel, Überhitzung der Stadt, Tropennächte, Artenschutz finden in diesem „Beteiligungsverfahren“ erneut keinen Platz. Auch hier wird die Koalitionsvereinbarung verletzt.

Mit bunten Bildern will die Senatsverwaltung in den gestarteten Verfahren die Bürger*innen für dumm verkaufen und den Abriss des historischen Stadions, des Schutthügels und der einzigartigen Lichtmasten durchsetzen.

Das Verfahren ist von der Verwaltung absichtlich sehr kurz angelegt, also reagiert sofort.

Termine:

Macht Euch bitte selbst ein Bild, kommentiert und beteiligt Euch!
Mit Eurer Unterstützung können wir uns Gehör verschaffen!

Jetzt am Beteiligungsverfahren teilnehmen
Bürgerinitiative begrüßt Einigung der Koalition

Bürgerinitiative begrüßt Einigung der Koalition

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark begrüßt die nach langen Verhandlungen erzielte Einigung der Koalitionsfraktionen und des Senats auf ein geordnetes Verfahren für den Umbau des Jahnsportparks und des Cantian-Stadions.

Mit dem gemeinsam beschlossenen Verfahren werden wesentliche Forderungen der BI erfüllt.

Der Senat und die Abgeordneten der Regierungskoalition haben damit die Grundlage geschaffen für ein zielgerichtetes, rechtssicheres und wirtschaftliches Vorgehen bei der Planung eines inklusiven Jahnsportparks.

Es bleibt die Frage, warum es einer Bürgerinitiative und über 5.000 Unterschriften engagierter Bürger*innen bedurfte, um die Landesregierung zu einem geordneten Verfahren zu bewegen?

Und es bleiben einige Fragen offen, denen sich die BI Jahnsportpark intensiv widmen wird:

  • Wer wählt die Teilnehmer des städtebaulichen Werkstattverfahrens aus?
    Die BI Jahnsportpark fordert, an der Auswahl beteiligt zu werden.
  • Wird eine Prüfung des Umbaupotentials des Cantian-Stadions Teil der Aufgabenstellung sein?
    Die BI Jahnsportpark fordert, an der Formulierung der Aufgabenstellung beteiligt zu werden.
  • Werden die senatseigenen Zielsetzungen beim Klimaschutz, beim Artenschutz, und bei der Ressourcenschonung angemessen berücksichtigt?
    BI Jahnsportpark fordert die Beteiligung von Experten.
  • Wie, wann, und mit welcher Bedeutung findet die Beteiligung der Öffentlichkeit statt?
    Die BI Jahnsportpark fordert eine enge Begleitung des Werkstattverfahrens durch die interessierte Öffentlichkeit unter besonderer Berücksichtigung der Anwohnenden.
Loading...