Schreibe eine Stellungnahme zum B-Plan 3-87 Jahn-Sportpark

Schreibe eine Stellungnahme zum B-Plan 3-87 Jahn-Sportpark

Liebe Unterstützer*innen, liebe Betroffene, Interessierte und Anwohner*innen!

Der Entwurf des Bebauungsplans für den Jahnsportpark wurde zur öffentlichen Begutachtung und Bewertung im Internet ausgelegt:
www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/b-planverfahren/de/fruehbb/3-87/

Die Zeit drängt, nur noch bis zum 31.3. können Stellungnahmen dazu abgegeben werden.

Im Sinne der Inklusion haben wir eine Hilfestellung erarbeitet, damit sich Interessierte ganz leicht einbringen können.

Wählt bei unserer Online-Hilfe die Themen aus, die euch am Herzen liegen, ob Klimaschutz, Sportwiese, Lichtmasten oder soziale Gerechtigkeit – es ist bestimmt ein passendes Thema für euch dabei und ihr bekommt zu euren Themen einen Formulierungsvorschlag. Natürlich könnt ihr die Stellungnahme auch selbst überarbeiten.

Den Text eurer Stellungnahme könnt ihr dann ganz einfach auf der Internetseite der Senatsverwaltung im Online-Formular einfügen.

Jetzt Stellungnahme schreiben

Wichtig: Stellungnahmen können nur noch bis zum 31.3. abgegeben werden.

Es liegt an euch, Stellung zu beziehen und der Senatsverwaltung mitzuteilen, was ihr von den Plänen haltet.

Höchste Zeit eure Anliegen vorzubringen.

Fehlstart bei der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung

Fehlstart bei der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung

War da was mit Inklusion?

Nach dem erst kürzlich abgeschlossenen Architektenwettbewerb hat es die Senatsverwaltung offensichtlich sehr eilig mit ihrem Bebauungsplan. Klammheimlich am 1. März gestartet, läuft die „frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung“ nur noch bis 31. März.

Als Grundlage des B-Plan-Verfahrens dient die Planzeichnung der erstplatzierten Arbeit aus dem Wettbewerb. Wichtige Empfehlungen des Preisgerichts zu der Arbeit wurden nicht berücksichtigt, so fallen diese Erkenntnisse unter den Tisch:

  • Das Preisgericht empfahl, den mit rund 25.000 Plätzen um ca. 25% zu groß geratenen Stadionentwurf zu verkleinern. Das in Ost-West-Richtung viel zu breite Oval sollte verschlankt werden. Beim aktuellen Entwurf seien die Zuschauer viel zu weit weg vom Spielgeschehen und der Flächenverbrauch sei viel größer als im bestehenden Stadion!
  • Als positiver Nebeneffekt ließen sich dann auch die beiden westlichen Flutlichtmasten an Ort und Stelle erhalten – städtebaulich sinnvoll, kostensparend und klimaschonend. Jedes einzelne Fundament umfasst nämlich 300 m³ Stahlbeton.
  • Laut B-Plan-Begründung sollen zwei der Flutlichtmasten an die Nord-Süd-„Plaza“ versetzt werden. Im beigefügten Lageplan sind es vier, im Wettbewerbsmodell waren es drei. Das vermittelt einen guten Eindruck, wie respektvoll die Senatsverwaltung mit identitätsstiftenden Merkmalen umgeht.

Die „allgemein verständliche Zusammenfassung“ zum Umweltbericht zeigt anschaulich, wie die Prioritäten bei der Senatsverwaltung gesetzt werden: „Dieses Kapitel wird im weiteren Verfahren ergänzt.“  Sicherlich rein zufällig gilt das generell für die offenbar nebensächlichen Aspekte Artenschutz, Klimaschutz und Umweltschutz, die für das bekanntlich v.a. am kommerziellen Spitzensport orientierte Projekt keine Relevanz haben.

Die Tatsache, dass ohne die erforderliche Informationstiefe keine ausreichende Beurteilung der Planungsabsicht möglich und die Öffentlichkeitsbeteiligung damit hinfällig sein dürfte, erscheint ebenfalls nachrangig.

Man könnte fast meinen, die Inklusion und der Klimaschutz werden dann mal bei Gelegenheit ergänzt, wenn gerade kein dringendes Fußballstadion Vorrang hat.

Zu guter Letzt überrascht es also nicht, dass Auszüge aus der Ergebnisdokumentation des Wettbewerbsverfahrens unvollständig und unter Auslassung der Kritikpunkte des Preisgerichts wiedergegeben werden. So heißt es zum Beispiel: „Die Sportwiese liegt optimal am ursprünglichen Ort.“ anstelle der Originalformulierung „Die Sportwiese liegt optimal am ursprünglichen Ort, ist jedoch – zu sehr – verkleinert.“

Dass die Öffentlichkeitsbeteiligung in planungsrechtlichen Verfahren generell zu den komplizierten Beteiligungsformaten gehört, ist bekannt und auf Landesebene kaum zu ändern. Dass beim B-Plan für einen Inklusionssportpark die Senatsverwaltung hier aber so wenig Anstrengung unternimmt, es passend zu dem „Leuchtturm-Projekt“ inklusiver zu machen, ist enttäuschend.

Teurer Event-Tempel statt inklusiver Schul-Sport-Standort

Teurer Event-Tempel statt inklusiver Schul-Sport-Standort

Um den Realisierungswettbewerb zur Neugestaltung des Jahnsportparks formal abzuschließen, stellt die Senatsverwaltung ausgewählte Wettbewerbsergebnisse nun für zwei Wochen öffentlich aus.

Der Abriss des Cantian-Stadions wurde trotz Kritik von Expert*innen politisch durchgeboxt.
Damit fällt die Landesregierung auf den Erkenntnisstand von 2014 zurück. Sie zieht keinen Gewinn aus dem Werkstattverfahren von 2021, tritt die unter Beteiligung der Bürger*innen erzielten Arbeitsergebnisse mit Füßen und glaubt felsenfest an die Unendlichkeit von Ressourcen.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark sieht die Belange von Klimaschutz und Anwohnerschaft missachtet.
Der besondere Parkcharakter, der den Jahnsportpark von Sportanlagen unterscheidet und sich im Namen widerspiegelt, soll nach den Plänen der Senatsverwaltung unter einem überdimensionierten Stadion und vielen Neubauten erdrückt werden.

Klimaschutz interessiert sie ebenso wenig wie Baukultur oder Beteiligung und Transparenz.
„Zitate und Reminiszenzen an das Bestandsstadion“ sollten möglich sein. Nun reicht der bloße Erhalt von Teilen des Schuttwalls als „topographisches Merkmal“. Die Haupttribüne als Zeugnis der Ostmoderne und größtes Exponat des Mauerparks wird abgeräumt. Das geplante Umsetzen der Lichtmasten ist ein Schildbürgerstreich und geht mit einem Verlust von rund 7 Meter Höhe an der städtebaulichen Bedeutung dieser Landmarks völlig vorbei.

Es ist eine Entscheidung gegen unsere Zukunft, gegen unsere Kinder, gegen unsere Stadt!
Zu diesem Skandal gehört, dass die Gestaltung des Sportparks auf die lange Bank geschoben wurde und erst in vielen Jahren konkret angegangen wird. Für den Inklusions-, Schul-, Vereins-, und Breitensport ist das eine Ohrfeige, denn der Sportpark ist von viel größerer Bedeutung als das meistens hermetisch geschlossene Stadion für Profisport.

Goldene Zeiten für Sport- und Baulobby, kein Geld für die Kinder der Stadt.
Allein der Abriss und Neubau des Stadions wird geplante 113 Mio Euro verschlingen – Baukostensteigerung nicht mal einberechnet. Dafür ließen sich mehrere Schulgebäude sanieren. Mit der veranschlagten Summe könnten rund 20 Schulturnhallen gebaut werden. Mindestens 10 Schulen in Pankow haben unmittelbaren Bedarf. Aber das Geld fließt eben nicht in den Berliner Nachwuchs, sondern in kommerziellen Spitzensport – in einen Leuchtturm, der die Menschen blenden soll.

Abbildung: O + M Architekten GmbH BDA, Dresden – Quelle: Berlin.de

Öffentliche Ausstellung zum Stadionabriss und Stadionneubau

Öffentliche Ausstellung zum Stadionabriss und Stadionneubau

Um den vor einem Jahr begonnen Realisierungswettbewerb zur Neugestaltung des Jahnsportparks formal abzuschließen, stellt die Senatsverwaltung die Wettbewerbsergebnisse nun für knapp zwei Wochen öffentlich aus.

Zu sehen sind die Arbeiten der drei Preisträger sowie die Anerkennungen mit Plänen und Modellen. Wer die Beiträge aller Architekt*innen sehen möchte, muss sich durch die parallel angebotene „Digitale Ausstellung“ klicken.

Das von der Senatsverwaltung eingesetzte Preisgericht hat einen Siegerentwurf erkoren, der nun die Pläne der Senatsverwaltung in die Realität umsetzen soll: Laut Siegerentwurf soll das Stadion abgerissen, die Lichtmasten versetzt und ein neuer Bau mit ca. 10 fachem Volumen errichtet werden. Im Sportpark entsteht ein 20 Meter hoher Büroturm und mehrere Multifeld-Sporthallen.

Für die Bürgerinitiative kommt das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs nicht überraschend: Die Ausschreibung und die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb waren von der Senatsverwaltung so gefasst, dass ein monströses Stadion und ein mit Hallen und Bürotürmen vollgestellter Sportpark das Ergebnis sein musste.

Architekt*innen, die andere Ideen oder gar den Erhalt des historischen Stadions in das Verfahren eingebracht hatten, wurden von der Jury disqualifiziert.

Die Vertreter der Bürgerinitiative Jahnsportpark werden am 6. Februar 2023 vor Ort sein und interessierten Besucher*innen und Vertreter*innen der Presse gerne erklären, warum das Wettbewerbsergebnis keinen Schritt in eine klimaneutrale und inklusive Zukunft bedeutet.

Kommt vorbei, nutzt die Gelegenheit, Euch einen Eindruck zu machen und mit Architektenteam, Vertreter*innen der Senatsverwaltung und Presse ins Gespräch zu kommen.

Eröffnung:
6. Februar 2023 um 18.00 Uhr
Otto-Suhr-Saal im neuen Stadthaus
Parochialstr. 1-3, 10179 Berlin

Öffentliche Ausstellung:
7.–17. Februar 2023
Mo–Fr: 14:00 bis 19:00 Uhr
Sa und So: 10:00 bis 14:00Uhr
Otto-Suhr-Saal im neuen Stadthaus
Parochialstr. 1-3, 10179 Berlin

Weitere Informationen auf den Seiten der Senatsverwaltung:
jahnsportpark-fuer-alle.berlin.de/aktuelles/

Weitere Infos und Einschätzungen:
Ein Raumschiff bedroht den Kiez
Forderungen der BI Jahnsportpark

Leuchtturm oder Bankrotterklärung?

Leuchtturm oder Bankrotterklärung?

Am 14.12. wurde der Realisierungswettbewerb mit einem 1. Preis entschieden:

  • Statt ressourcenschonendem Um- und Weiterbau wird ein teurer Neubau favorisiert
  • Das städtebaulich prägende Tribünengebäude soll restlos abgerissen werden
  • Die Lichtmasten sollen abgebaut werden (und ggf. an anderer Stelle aufgebaut zu werden)
  • Die Sportwiese soll zum größten Teil mit einem Kunststoffplatz überbaut werden
  • Zu große Hallen sowie ein deplatziertes Bürogebäude sollen im Sport-Park errichtet werden

Trotz aller Warnungen der Bürgerinitiative ist nun eingetreten, was eintreten musste:
Die wichtigen Erkenntnisse aus dem Werkstattverfahren und die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung wurden beim Realisierungswettbewerb ignoriert – leider überrascht uns das nicht.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark sieht die Belange von Klimaschutz und Anwohnerschaft weitgehend missachtet. Der besondere Parkcharakter, der den Jahnsportpark von Sportanlagen unterscheidet und sich im Namen widerspiegelt, soll unter zu vielen Neubauten erdrückt werden.

Dieses Bedarfsprogramm ist völlig aus der Zeit gefallen! Der unausweichliche Grund dieses Scheiterns ist das viel zu umfangreiche Bedarfsprogramm, das im Wesentlichen schon vor ca. 10 Jahren erstellt wurde. Es stammt aus Zeiten, in denen Ressourcen-Schonung und Klimaschutz (wider besseres Wissen) noch nicht mit derselben Dringlichkeit auf der Agenda standen wie heute.

Die Bürgerbeteiligung wird mit diesem Ergebnis ad absurdum geführt. Die aufwändigen und schwer zugänglichen Beteiligungsformate waren für die Teilnehmenden anstrengend und zermürbend. Vermutlich war eine Beteiligung auf Augenhöhe nie gewollt und so nur ein teures Schauspiel.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark lässt sich durch das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs nicht desillusionieren und wird sich weiter sachlich und deutlich im weiteren Verfahren einbringen.

Ein inklusiver und zukunftsfähiger Sportpark ist möglich, aber nicht mit diesem überdimensionierten Bedarfsprogramm oder dem bisherigen Stil der Bürgerbeteiligung.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark wird weiterhin die Interessen der Bürger und des Kilmaschutzes vertreten und sich gemeinsam mit dem demokratischen Parteien für eine behutsame Entwicklung des Sportparks engagieren.

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