Teurer Event-Tempel statt inklusiver Schul-Sport-Standort

Teurer Event-Tempel statt inklusiver Schul-Sport-Standort

Um den Realisierungswettbewerb zur Neugestaltung des Jahnsportparks formal abzuschließen, stellt die Senatsverwaltung ausgewählte Wettbewerbsergebnisse nun für zwei Wochen öffentlich aus.

Der Abriss des Cantian-Stadions wurde trotz Kritik von Expert*innen politisch durchgeboxt.
Damit fällt die Landesregierung auf den Erkenntnisstand von 2014 zurück. Sie zieht keinen Gewinn aus dem Werkstattverfahren von 2021, tritt die unter Beteiligung der Bürger*innen erzielten Arbeitsergebnisse mit Füßen und glaubt felsenfest an die Unendlichkeit von Ressourcen.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark sieht die Belange von Klimaschutz und Anwohnerschaft missachtet.
Der besondere Parkcharakter, der den Jahnsportpark von Sportanlagen unterscheidet und sich im Namen widerspiegelt, soll nach den Plänen der Senatsverwaltung unter einem überdimensionierten Stadion und vielen Neubauten erdrückt werden.

Klimaschutz interessiert sie ebenso wenig wie Baukultur oder Beteiligung und Transparenz.
„Zitate und Reminiszenzen an das Bestandsstadion“ sollten möglich sein. Nun reicht der bloße Erhalt von Teilen des Schuttwalls als „topographisches Merkmal“. Die Haupttribüne als Zeugnis der Ostmoderne und größtes Exponat des Mauerparks wird abgeräumt. Das geplante Umsetzen der Lichtmasten ist ein Schildbürgerstreich und geht mit einem Verlust von rund 7 Meter Höhe an der städtebaulichen Bedeutung dieser Landmarks völlig vorbei.

Es ist eine Entscheidung gegen unsere Zukunft, gegen unsere Kinder, gegen unsere Stadt!
Zu diesem Skandal gehört, dass die Gestaltung des Sportparks auf die lange Bank geschoben wurde und erst in vielen Jahren konkret angegangen wird. Für den Inklusions-, Schul-, Vereins-, und Breitensport ist das eine Ohrfeige, denn der Sportpark ist von viel größerer Bedeutung als das meistens hermetisch geschlossene Stadion für Profisport.

Goldene Zeiten für Sport- und Baulobby, kein Geld für die Kinder der Stadt.
Allein der Abriss und Neubau des Stadions wird geplante 113 Mio Euro verschlingen – Baukostensteigerung nicht mal einberechnet. Dafür ließen sich mehrere Schulgebäude sanieren. Mit der veranschlagten Summe könnten rund 20 Schulturnhallen gebaut werden. Mindestens 10 Schulen in Pankow haben unmittelbaren Bedarf. Aber das Geld fließt eben nicht in den Berliner Nachwuchs, sondern in kommerziellen Spitzensport – in einen Leuchtturm, der die Menschen blenden soll.

Abbildung: O + M Architekten GmbH BDA, Dresden – Quelle: Berlin.de

Leuchtturm oder Bankrotterklärung?

Leuchtturm oder Bankrotterklärung?

Am 14.12. wurde der Realisierungswettbewerb mit einem 1. Preis entschieden:

  • Statt ressourcenschonendem Um- und Weiterbau wird ein teurer Neubau favorisiert
  • Das städtebaulich prägende Tribünengebäude soll restlos abgerissen werden
  • Die Lichtmasten sollen abgebaut werden (und ggf. an anderer Stelle aufgebaut zu werden)
  • Die Sportwiese soll zum größten Teil mit einem Kunststoffplatz überbaut werden
  • Zu große Hallen sowie ein deplatziertes Bürogebäude sollen im Sport-Park errichtet werden

Trotz aller Warnungen der Bürgerinitiative ist nun eingetreten, was eintreten musste:
Die wichtigen Erkenntnisse aus dem Werkstattverfahren und die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung wurden beim Realisierungswettbewerb ignoriert – leider überrascht uns das nicht.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark sieht die Belange von Klimaschutz und Anwohnerschaft weitgehend missachtet. Der besondere Parkcharakter, der den Jahnsportpark von Sportanlagen unterscheidet und sich im Namen widerspiegelt, soll unter zu vielen Neubauten erdrückt werden.

Dieses Bedarfsprogramm ist völlig aus der Zeit gefallen! Der unausweichliche Grund dieses Scheiterns ist das viel zu umfangreiche Bedarfsprogramm, das im Wesentlichen schon vor ca. 10 Jahren erstellt wurde. Es stammt aus Zeiten, in denen Ressourcen-Schonung und Klimaschutz (wider besseres Wissen) noch nicht mit derselben Dringlichkeit auf der Agenda standen wie heute.

Die Bürgerbeteiligung wird mit diesem Ergebnis ad absurdum geführt. Die aufwändigen und schwer zugänglichen Beteiligungsformate waren für die Teilnehmenden anstrengend und zermürbend. Vermutlich war eine Beteiligung auf Augenhöhe nie gewollt und so nur ein teures Schauspiel.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark lässt sich durch das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs nicht desillusionieren und wird sich weiter sachlich und deutlich im weiteren Verfahren einbringen.

Ein inklusiver und zukunftsfähiger Sportpark ist möglich, aber nicht mit diesem überdimensionierten Bedarfsprogramm oder dem bisherigen Stil der Bürgerbeteiligung.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark wird weiterhin die Interessen der Bürger und des Kilmaschutzes vertreten und sich gemeinsam mit dem demokratischen Parteien für eine behutsame Entwicklung des Sportparks engagieren.

Diese Planung ist von vorgestern!

Diese Planung ist von vorgestern!

Am 8. Dezember wurden der Öffentlichkeit die 15 verbliebenen Arbeiten der zweiten – und entscheidenden – Wettbewerbsphase für das Große Stadion und den Jahn-Sportpark präsentiert.

Auch nach dieser zweiten Online-Präsentation sieht sich die Bürgerinitiative Jahnsportpark in ihren Befürchtungen bestätigt: Die Belange von Klimaschutz und Anwohnerschaft wurden weitestgehend missachtet, fast alle Entwürfe sehen einen ressourcenintensiven und klimaschädlichen Abriss und Neubau des Stadions vor, die Naturwiese soll zerstückelt werden oder gleich ganz überdimensionierten Kunststoff-Großspielfeldern weichen.

Bagger gegen Bäume, Büros für Sportfunktionäre statt Grünflächen, kein Geld für Berliner Schulen, aber Millionen für ein überflüssiges Prestigeprojekt – sieht so nachhaltige Stadtentwicklung aus Sicht der Senatsverwaltung aus?

Wir, als Bürger*innen Berlins, lehnen diese Planung ab.

Wir wollen echten Klimaschutz und sind gegen sinnlosen Abriss und Ressourcenverschwendung.

Wir wollen ein an die Klimaschutzanforderungen angepasstes Bedarfsprogramm für einen inklusiven, zukunftsfähigen Jahnsportpark und sind gegen aus der Zeit gefallene Ideen.

Wir wollen eine resiliente, lebenswerte Stadt mit Bäumen, Sträuchern sowie Naturflächen und keine monströsen Hallenbauten inmitten von Hitzeinseln.

Wir fordern den Senat dazu auf, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ernst zu nehmen, endlich die Verantwortung für zukünftige Generationen zu übernehmen und demokratische, soziale, klimagerechte Lösungen zu entwickeln.

Der Wettbewerb wird diesen Zielen nicht gerecht. Die vorgestellten Entwürfe stehen den Klimaschutzanforderungen vollkommen entgegen und lassen keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Bestand und der Klimanotlage erkennen.

Das ist nicht auf der Höhe der Zeit und des im Bauwesen geführten Diskurses, das hat Berlin nicht verdient.

Diese Planung ist von vorgestern!

Realisierungswettbewerb: Diese Planung ist nicht zukunftsfähig!

Am 8. Und 9. August hat das Preisgericht des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Jahnsportparks 15 Teilnehmer für die 2. Phase des Wettbewerbs ausgewählt. Diese 15 Entwürfe wurden der Öffentlichkeit am 16. August online präsentiert. Nachfragen waren nicht möglich, eine Kommentierung nur über eine versteckte Chat-Funktion. Wie die Kommentare der interessierten Öffentlichkeit ausgewertet und den Teilnehmenden des Wettbewerbs zur Verfügung gestellt werden, ist intransparent.

Bereits bei der Auslobung gab es intensive Diskussionen, was verpflichtend ausgeschrieben wird und was optional von den Büros zu leisten ist. Trotz aller Warnungen ist nun eingetreten, was eintreten musste: Die wichtigen Erkenntnisse aus dem Werkstattverfahren und die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sind beim Realisierungswettbewerb unter den Tisch gefallen.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark ist über die ausgewählten Entwürfe insgesamt entsetzt und sieht die Belange von Klimaschutz und Anwohnerschaft fast komplett missachtet. Der besondere Parkcharakter, der den Jahnsportpark von Sportanlagen unterscheidet und sich in seinem Namen widerspiegelt, wird unter den zu vielen massiven Neubauten erdrückt.

Wir vermissen Angebote vergleichbar mit der existierenden, informellen Sportwiese, die der einzige Ort im Jahnsportpark ist, der nicht vordefiniert, sondern auch für neue Sportarten und für nicht in Vereinen organisierte Bürger offen ist.

Wir können bei den ausgewählten Entwürfen keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Bestand im Sinne des Weiterbauens des Stadions erkennen. Damit sind die Beiträge nicht auf der Höhe der Zeit und des im Bauwesen geführten Diskurses.

Wir sehen den Grund dieses Scheiterns in einem zu umfangreichen Bedarfsprogramm, das im Wesentlichen schon vor ca. 10 Jahren erarbeitet wurde. Es stammt aus Zeiten, in denen Ressourcenschonung und Klimaschutz noch nicht mit derselben Dringlichkeit auf der Agenda standen wie heute.

Dieses Bedarfsprogramm ist völlig aus der Zeit gefallen! Es besteht kein Zielkonflikt zwischen Inklusionssport und Klimaschutz. Was ist inklusiver als Klimaschutz?

Der Zielkonflikt, an dem unserem Eindruck nach alle Teilnehmenden scheitern werden, besteht allein in einem viel zu großen Bedarfsprogramm für ein zu kleines Gelände. Das ist offensichtlich nicht planerisch lösbar, aber durch die Ausloberin steuerbar:

Wir fordern die Senatsverwaltung auf, das noch nicht einmal genehmigte Bedarfsprogramm endlich deutlich zu reduzieren, damit ein inklusiver und zukunftsfähiger Jahnsportpark entstehen kann.

Ein inklusiver und zukunftsfähiger Sportpark ist mit dem bisherigen Bedarfsprogramm nicht vereinbar. Bleibt das Bedarfsprogramm unverändert, wird das Verfahren scheitern.

Klimaschutz? Nicht jetzt! Nicht hier! Nicht mit der SPD!

Klimaschutz? Nicht jetzt! Nicht hier! Nicht mit der SPD!

Ein dreiköpfiges Gremium hat am 22.02.2022 den Abriss des Cantian-Stadions beschlossen.

Damit fällt die Landesregierung auf den Erkenntnisstand von 2014 zurück. Sie zieht keinen Gewinn aus dem Werkstattverfahren von 2021 und tritt die unter Beteiligung der Bürger*innen erzielten Arbeitsergebnisse mit Füßen.

Klimaschutz interessiert sie ebenso wenig wie Baukultur oder Beteiligung und Transparenz.

Wie Hohn klingt der Koalitionsvertrag, wo es zum Jahn-Sportpark heißt: „Wir werden die Planungsprozesse unter breiter Beteiligung der heutigen und zukünftigen Nutzer*innen und der Anwohner*innen zu einem breit akzeptierten Ergebnis führen. Der erneuerte Sportpark soll vorbildlich alle Anforderungen an eine inklusive, klimaneutrale und ökologisch nachhaltige Sportstätte erfüllen.“ (S. 94)

Anders als noch im November klugerweise vereinbart, wird nun nicht im Architektenwettbewerb geklärt, was und wie viel vom bestehenden Stadion umgebaut werden kann – in einer komplexen Abwägung vieler Aspekte und im Vergleich vieler Entwürfe, begutachtet durch ein fachkundiges Preisgericht.

Stattdessen wird hinter verschlossenen Türen auf der Basis eines einzigen Entwurfs eine Entscheidung gegen Klimaschutz, gegen Ressourcenschonung, gegen Baukultur und gegen Anwohner*innen-Interessen gefällt.

„Zitate und Reminiszenzen an das Bestandsstadion“ sollen möglich sein. Ausreichend ist demnach der bloße Erhalt von Teilen des Schuttwalls als „topographisches Merkmal“. Das ist entschieden zu wenig! Ein paar bunte Sitzschalen an der Wand des neuen Foyers sind allenfalls zynisch, aber kein Beitrag zu Klimaschutz, Ressourcenschonung, Baukultur und Bürgerbeteiligung.

Zu diesem Skandal gehört, dass die Gestaltung des Sportparks auf die lange Bank geschoben und erst in der nächsten Legislaturperiode geplant werden kann – weil es die Sportverwaltung in 8 Jahren nicht geschafft hat, das Bedarfsprogramm aufzustellen und im Haushalt verankern zu lassen. Für den Inklusions-, Schul-, Vereins-, und Breitensport ist das eine Ohrfeige, denn der Sportpark ist von viel größerer Bedeutung als das meistens hermetisch geschlossene Stadion.

Es ist eine Entscheidung gegen unsere Zukunft, gegen unsere Kinder, gegen unsere Stadt!

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark erklärt sich solidarisch mit den Bürgerinitiativen in der Pintschstraße, im Plänterwald,  im Vesaliuskiez, in Spindlersfeld, die alle in den letzten Wochen vom brachialen Vorgehen der neuen Landesregierung überrascht und enttäuscht wurden. Von der SPD angeführt, wird die Zeit in der Stadt zurück gedreht, Klimaschutz und Bürgerbeteiligung mutiert zur Farce.

Linke und Grüne können den zerstörerischen Kurs korrigieren, wenn der Wille vorhanden ist. Wir appellieren dringend an beide Parteien, hierzu eindeutig Stellung zu beziehen. 

Ein Leuchtturm nur für Sportfunktionäre

Ein Leuchtturm nur für Sportfunktionäre

Ein „Leuchtturm“ sollte der Jahnsportpark werden. Kein Wort ist vermutlich im Zusammenhang mit den Diskussionen um eine Neuplanung von Stadion und Sportpark öfter gefallen. Es ging um Inklusion, um Schul- und Breitensport und um die Kinder in den Sportvereinen. Jetzt stellt sich heraus: Es ging immer nur um ein neues Stadion! Dass Fußball-, Hockey- und Tennisplätze fehlen, dass der Sportpark auch für Sportler*innen mit Einschränkungen nutzbar werden sollte – all das spielt plötzlich keine Rolle mehr.

Im Beteiligungsverfahren kam die Wahrheit ans Licht: Das Bedarfsprogramm für das Stadion steht, somit kann das benötigte Geld – 97 Mio. € – in den Landeshaushalt eingestellt werden. Einem neuen oder umgebauten Stadion steht dann nichts mehr im Weg.

Das Bedarfsprogramm für den Sportpark, der, so von Anfang an eine Forderung der BI Jahnsportpark, nur gemeinsam mit dem Stadion geplant werden kann, dieses Bedarfsprogramm liegt noch nicht einmal komplett vor! Somit kann es nicht geprüft, genehmigt und im Haushalt veranschlagt werden (60 Mio. €). Und deswegen auch nicht in einem Realisierungswettbewerb ausgelobt werden.

Im Laufe des partizipativen Werkstattverfahrens ist deutlich geworden, dass alle beteiligten Planungsteams sich einig waren: Stadion und Sportpark gehören zusammen und müssen zusammen geplant werden. Es handelt sich um ein historisch gewachsenes und funktionales Ensemble. Es ist absurd, erst das Stadion umzubauen und Jahre später zu sehen, was noch für den Sportpark übrigbleibt. Doch genau so soll es nun kommen: Baubeginn für das Stadion ist 2023, die Planungen für den Sportpark wurden, „aufgrund anderer Prioritäten“, auf 2026 verschoben – falls dann noch Geld und Interesse vorhanden ist.

Offensichtlich will man sich im Glanz eines neuen Stadions sonnen, während die Kinder und Jugendlichen vor den Toren der Sportvereine, die Inklusionssportler*innen, der Schul- und Breitensport noch länger im Regen stehen sollen. Warum? Weil man bei der Senatsverwaltung nur die Bedarfe des schicken Stadions, nicht aber die des Sportparks rechtzeitig aufgestellt hat. So reißt man auseinander, was zusammengehört und zerstört den Identifikationsort Jahnsportpark. Und offenbart ganz nebenbei eine fragwürdige Prioritätensetzung.

Loading...