von Redaktion | Juni 11, 2026 | Aktuelles, Presse
Die Sportwiese im Jahn-Sportpark soll ab 2027 unter Kunstrasen verschwinden – Bürgerinitiative fordert Stopp der geplanten Versiegelung
Im Pankower Jahn-Sportpark soll ab 2027 eine der meistgenutzten Flächen auf dem Gelände zubetoniert werden. Unter dem beschönigenden Titel „Sanierung und Erweiterung der Sportwiese“ plant das Land Berlin tatsächlich ihre Versiegelung: Mindestens zwei Drittel der rund 10.000 m² großen Wiese sollen einem Kunstrasenplatz weichen. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark fordert sofortigen Stopp und hält das Vorhaben für einen klimaschädlichen Etikettenschwindel auf Kosten der Anwohnerschaft und des Bezirks. Die Zeit drängt: Laut Förderbedingungen soll das Projekt bereits 2027 beginnen.
Kein „Sanieren“, kein „Erweitern“ – sondern Versiegeln
Der offizielle Projekttitel ist irreführend. Geplant ist weder eine Sanierung noch eine Erweiterung, sondern der Neubau eines mindestens 6.500 m² großen Kunstrasen-Großspielfelds. Die Wiese soll dabei auf rund 30% ihrer heutigen Größe geschrumpft werden. Finanziert werden soll die Versiegelung ausgerechnet aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS), mit einer Fördersumme von rund 1,3 Millionen Euro. „Klimaneutrale“ Mittel für die Versiegelung einer Naturwiese einzusetzen, steht im Widerspruch zum Zweck des Programms, Neubauten sind ebenfalls nicht förderfähig. Hinzu kommt, dass von den vom Bezirk Pankow eingereichten Sanierungsprojekten kein einziges im Rahmen des SKS- Programms Förderung bekommen hat, aus unerklärlichen Gründen wird nur das vom Senat eingereichte Versiegelungsprojekt gefördert. Dabei fehlt jeder Euro, der hier investiert wird, anderswo – bei den vielen Sportstätten in der Stadt, die tatsächlich sanierungsbedürftig sind.
Eine Wiese, die mehr leistet als der gesamte Sportpark
Die Sportwiese ist niedrigschwellig, offen, kostenfrei, naturnah und damit eine ideale Ergänzung zu den übrigen Angeboten des Jahnsportparks. Rund 20 verschiedene Sportarten finden hier statt: Vom Yoga über Frisbee bis zu American Football und Rugby. Die Wiese ist offen für alle: Kinder, Senior*innen, Familien, Menschen mit Behinderung, Vereinssport und vereinsungebundenen Freizeitsport. Genau hier liegt der zynische Kern des Vorhabens: Das Land Berlin verkauft das Vorhaben als einen Schritt zu einer „inklusiven Sportanlage“ und zerstört dafür einen Ort, der bereits heute gelebte Inklusion ist.
Dieser Wert ist vielfach belegt: Über 1.000 Menschen unterzeichneten 2023 binnen kürzester Zeit eine Petition für ihren Erhalt. Auch das Bezirksamt Pankow mahnte im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan 3-87: „Weiterhin ist der Erhalt der Sportwiese anzustreben, sie entlastet den Mauerpark und mindert Nutzungskonflikte.” [1]
Hitzeinsel statt Klimaanpassung
In Zeiten von Hitzesommern ist die Versiegelung der Wiese auch ein klimapolitischer Offenbarungseid. Messungen der Bürgerinitiative an Hitzetagen belegen: Während sich die Naturwiese auf rund 39 °C erwärmt, heizen sich Kunstrasenflächen zur gleichen Zeit auf bis zu 65 °C auf. Die Wiese kühlt ihre Umgebung durch Verdunstung, ein Kunstrasen kann das nicht leisten. Auch hierzu äußerte sich das Pankower Gesundheitsamt kritisch: „Die aktuelle Hitzebelastung für dieses Gebiet ist bereits erhöht und eine Bodenentsiegelung, nicht eine Verdichtung durch die Bebauung, wären daher aus gesundheitlichen Aspekten zu fordern. [Es ist] zu überlegen, die Nutzung auf lokal zu nutzende Sportangebote zu begrenzen und den Anteil an unversiegelten Grünflächen zu erhöhen.“ [2]
Faktencheck: Gebrochene Zusagen
Senatsvertreterinnen haben den Erhalt der Wiese öffentlich zugesichert. So erklärte Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini: „Bei der Sportwiese ist es ganz klar so ausgewiesen, dass sie in einer vergleichbaren Größe geplant wird”, Staatssekretärin Petra Kahlfeldt versicherte: „der Erhalt der Sportwiese oder die Schaffung eines vergleichbaren Angebots in mindestens gleicher Größe und Qualität”[3] sei aufgenommen. Statt „vergleichbarer Größe” ist nun eine Verkleinerung auf rund ein Drittel geplant, statt „gleicher Qualität” ein Kunstrasen. Mit der ab 2027 geplanten Versiegelung werden diese Versprechen damit gebrochen.
Ein Neustart ohne Stadionneubau – mehr Platz für Vereine und Bürger
Bislang wurde in allen Planungen unhinterfragt am Neubau eines Stadions festgehalten. Dabei lohnt es sich, diese Prämisse grundsätzlich zu hinterfragen. Weder das alte noch das geplante neue Stadion war oder wäre je wirklich ausgelastet. Gigantische Summen für ein Bauwerk, das an den meisten Tagen des Jahres leer steht – während gleichzeitig eine der beliebtesten Freiflächen des Kiezes versiegelt werden soll.
Ein Verzicht auf den Stadionneubau böte eine echte Alternative: Auf der freiwerdenden Fläche ließen sich gleich mehrere neue Sportplätze sowie weitere Infrastruktur für Vereine, Schulen und Bürger*innen schaffen. Die Naturwiese könnte vollständig erhalten bleiben und den Berliner Sporttreibenden könnte insgesamt weit mehr angeboten werden als je zuvor. Nicht zuletzt könnten erhebliche Haushaltsmittel eingespart werden – ein wichtiger Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern.
Wir fordern:
- den sofortigen Stopp aller Pläne zur Versiegelung der Sportwiese und den vollständigen Erhalt in ihrer heutigen Größe und Beschaffenheit,
- den Verzicht auf Bundes- und Landesmittel für ein klimaschädliches und nicht nachhaltiges Versiegelungsprojekt,
- eine ergebnisoffene Prüfung des B-Plans sowie der vorliegenden alternativen Konzepte, die für Kostenersparnis, Schaffung von zusätzlichen Sportflächen und Nachhaltigkeit stehen und aufzeigen, dass eine Modernisierung des Sportparks auch ohne einen kostenintensiven Stadionneubau möglich ist.
Quellen:
[1] S. 590, https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2441.pdf
[2] S. 649-650, https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2441.pdf
[3] Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5antL7wTcS4; Protokoll: https://www.parlament-berlin.de/ados/19/Sport/protokoll/sp19-006-wp.pdf
von Redaktion | Apr. 15, 2026 | Aktuelles, Kommentar, Presse
In der heutigen Sitzung des Hauptausschusse wurde – wieder einmal – über den Bericht der Senatsverwaltung zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark diskutiert. Und der hat es in sich!
Peinlich genug, dass SenSBW innerhalb exakt eines Monats zwei Berichte verfasst hat, weil kosten- wie terminseitig unerfreulicher Korrekturbedarf bestand.
Dass der I. Bauabschnitt – im Wesentlichen der Rückbau des alten Stadions – um vorerst weitere 2 Mio. € teurer wird und mit jetzt prognostizierten 22,4 Mio. € genau 60 % über der ursprünglich veranschlagten Summe liegt, erscheint schon fast wie eine Randnotiz. Gleichwohl sind auch 2 Mio. € eine Menge Geld, das an tausend anderen Stellen im Land Berlin gewinnbringend eingesetzt werden könnte.
Der eigentliche Skandal liegt aber im III. Bauabschnitt, der Ertüchtigung des Sportparks. Das ist also genau der Teil des Projekt, der am stärksten dem Inklusions- und Breitensport dienen könnte. Weil das fragwürdige Profistadion, das auf Basis der geprüften Entwurfsunterlagen auf 207,5 Mio. € geschätzt wird, und der I. Bauabschnitt zusammen bereits knapp 230 Mio. € ausmachen und die Abgeordneten eine Maximalsumme von allerhöchstens 300 Mio. € beschlossen haben, schlägt der Senat Einsparungen beim III. Bauabschnitt vor. Damit wird endgültig deutlich, dass es bei diesem Projekt um chices neues Stadion als Funktionärsleuchtturm geht und mitnichten vorrangig um Inklusionssport.
Anstelle der zuletzt geplanten 119 Mio. € sollen die Kosten des III. Bauabschnitts um schlappe 51 Mio. € auf 68 Mio. € sinken. Wie das gehen soll? Gute Frage.
Schlecht ist allerdings die Antwort, die die Senatsverwaltung darauf gibt. Sie schlägt drei Einsparungen vor:
- Den Verzicht auf das Bürogebäude, irreführend als „Begegnungszentrum“ bezeichnet. Diesen Verzicht hat sie im August auf 17 Mio. € beziffert. Bleiben also noch 34 Mio. €.
- Verzicht auf die Tennishalle. Diese wurde aber stillschweigend bereits 2024 gestrichen. Das ist gut erkennbar im Bebauungsplan, wo sie nicht auftaucht. Also war sie schon längst nicht mehr Teil der 119 Mio. €, die vor einem Jahr ans Abgeordnetenhaus berichtet wurden. Also: Eine komplette Luftnummer!
- Die Reduzierung der Sitzplatzzahl in der Multifunktionshalle von 2.500 auf 1.500 Plätze. Man muss kein Bauexperte sein, um zu erkennen, dass 1.000 Sitzplätze keine 34 Mio. € kosten.
Das Projekt steht somit an einem Scheideweg. Sofern keine Einsparungen am überdimensionierten und möglicherweise insgesamt völlig verzichtbaren Stadion vorgenommen werden, sind Einsparungen in der erforderlichen Größenordnung wohl nur durch Verzicht auf die gleichfalls fragwürdige Multifunktionshalle möglich.
Profisport oder Inklusion? Jetzt heißt es Farbe bekennen!
Foto: Abgeordnetenhaus Berlin / Wikipedia CC BY-SA 4.0
von Alex | Feb. 15, 2026 | Aktuelles, Beteiligung, Kommentar
In Erinnerung an die Flutlichtmasten des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions
Errichtet 1986/87 im Zuge der großen Stadionerweiterung zur 750 Jahr Feier Berlins, prägten sie mit fast 50 Metern Höhe und gleißendem Licht die Silhouette über dem Prenzlauer Berg.
Die ikonischen, fächerförmig geneigten Lichtmasten haben in ihrem kurzen Leben viel erlebt. Sie sahen, wie Michael Jackson am 4. September 1992 vor Zehntausenden die Nacht erhellte – ein Konzert, das Berlin in Atem hielt. Sie erlebten DDR Länderspiele vor 30.000 Menschen, Europapokalabende des BFC Dynamo, American Football Spiele und den historischen Moment, als der Jahn Sportpark 2015 das Finale der UEFA Women’s Champions League empfing.
Unter ihrem Licht wuchsen Generationen von Sportlerinnen und Sportlern auf: Schulkinder, Leichtathletinnen und Leichtathleten, Fußballerinnen und Fußballer.
Doch ihr Licht strahlte weit über das Spielfeld hinaus. Im ganzen Kiez war der Schein zu sehen – an manchen Abenden wie eine große Nachtlampe am Horizont, etwas Vertrautes, Behagliches. Auch tagsüber waren die Masten ein Orientierungspunkt: weit über die Grenzen des Prenzlauer Bergs hinweg sichtbar, ein Zeichen dafür, wo es langgeht – und wo Zuhause ist.
Am 12. Februar 2026 erklangen zwei Warntöne. Vögel flogen auf, Füchse rannten um ihr Leben. Dann fielen die Riesen: ein kurzer Knall, ein metallisches Kreischen – und schließlich stürzten sie mit jeweils 39 Tonnen Stahl auf das Spielfeld, das sie ein Leben lang beleuchtet hatten.
Zwei ihrer Geschwister, die westlichen Masten Richtung Mauerpark, stehen noch. Doch das Ensemble ist zerstört, der Blick über den Sportpark und aus vielen Straßen ist ein anderer geworden – die klaffende Lücke ist unübersehbar.
Diese Sprengung, von der Senatsverwaltung als „Rückbau“ bezeichnet, ist kein bloßer Verwaltungsakt. Wer so zerstört, zerstört nicht nur Stahl – er sprengt auch Erinnerung. Senator Gaebler (SPD) räumt mit einem Knall Symbole der DDR aus dem Horizont, weil sie nicht in sein Bild von Berlin passen: Er träumt von einem großen Stadion, mit dem große Spiele in die Stadt gelockt werden sollen.
Große, teure Spiele – in Zeiten, in denen Berlin nicht einmal mehr ausreichend Geld für Kultur und Bildung hat. Ein großes, völlig überdimensioniertes Stadion – in Zeiten, in denen Geld für kleine Reparaturen in Turnhallen und Schultoiletten in Schulen fehlt.
Dabei liegt eine bessere Lösung längst auf dem Tisch: „RESTART JSP“, das nachhaltige Szenario der Bürgerinitiative Jahnsportpark. Das Zukunftsszenario setzt auf Erhalt, kluge Sanierung und Weiterentwicklung statt Abriss und Versiegelung.
Dabei geht es auch um die Sportwiese – jene etwa ein Hektar große, von altem Baumbestand umgebene Freifläche im nördlichen Teil des Parks. Hier kann jede und jeder Sport machen, in Gemeinschaft und auf Augenhöhe. Die Sportwiese braucht keine Plastikbahnen, keine Beton-Tribünen und keine VIP Parkplätze:
Tagsüber ist die Sportwiese ein Ort für Bewegung und Natur, nachts kühlt die offene Fläche den Kiez und wirkt sommerlicher Hitze entgegen. Auch die Sportwiese will die Senatsverwaltung „sanieren“ – und plant sie mit hohen Fangzäunen abzuriegeln und mit einem Kunstrasenplatz zu überbauen.
Wer der Zerstörungswut der Senatsverwaltung nicht weiter tatenlos zusehen will, kann was dagegen tun. Unterstütze die BI Jahnsportpark, mach mit – damit die Entwicklung des Jahn Sportparks in eine andere, nachhaltige und für die Anwohnerschaft positive Richtung geht.
Jetzt mitmachen
von Redaktion | Feb. 6, 2026 | Aktuelles, Kommentar
Der Berliner Senat hat im Januar 2026 beim Bund Fördermittel aus dem Programm Sanierung kommunaler Sportstätten (SKS) für eine Umwandlung der Sportwiese im Jahnsportpark in einen Kunstrasenplatz beantragt. Mit den Fördermitteln soll dieses Vorhaben aus dem 3. Bauabschnitt vorgezogen und bereits in den Jahren 2027 /2028 umgesetzt werden.
Dieser Antrag des Senates ist in vielerlei Hinsicht infam und unaufrichtig:
- Mit dem Titel „Sanierung und Erweiterung der Sportwiese“ im Jahnsportpark wird irreführend suggeriert, dass die bestehende Sportwiese saniert und vergrößert wird. In Wahrheit soll sie mit den Fördermitteln zu zwei Dritteln mit Kunststoffflächen versiegelt werden. Das ist weder eine Sanierung noch eine Erweiterung.
- Die Schaffung eines Kunststoffplatzes nur für Hockey und Fußball stellt auch in sportfunktionaler Hinsicht keine Erweiterung dar. Vielmehr erfolgt eine Beschränkung auf zwei vorgegebene Sportarten gegenüber einer heutigen Nutzung mit etwa zehnmal so vielen Sportarten. Die heutige Multicodierung und Offenheit für neue Sportarten gehen verloren.
- Die Finanzierung des Bundesprogramms erfolgt aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Die Versiegelung einer Naturwiese durch einen Kunstrasen mit dem entsprechenden Unterbau ist jedoch nicht klimaneutral, sondern klimaschädlich. Kunststoffplätze sind pflanzenfrei, erlauben kaum Rückverdunstung von Niederschlägen und heizen extrem stark auf (ca. 25 K mehr als die Sportwiese). Mitten in der anerkannten Hitzeinsel Cantian- und Gaudystraße widerspricht das allen Beschlüssen und Planungshinweisen zum Klimaschutz und konterkariert in gesundheitsgefährdender Weise den überfälligen Hitzeplan der Senatsverwaltung.
- Mit dem SKS-Programm soll ausnahmslos die Sanierung bestehender Sportstätten gefördert werden. Neubauten sind nicht förderfähig. Bei diesem Vorhaben des Senats handelt es sich aber eindeutig um einen reinen Neubau und nicht um die Sanierung oder Wiederherstellung einer bestehenden Sportfläche.
- Mit den SKS-Programmmitteln sollen Vorhaben gefördert werden, die „von besonderer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ sind. Der Antrag des Senats zielt auf das Gegenteil. Die bestehende Sportwiese ist von herausragender Bedeutung für den informellen Breitensport. Auf der Wiese treiben Bürger:innen eine Vielzahl von Sportarten, individuell und in selbstorganisierten Gruppen. Auch Vereine weichen mitunter auf diese Fläche mit Trainingseinheiten aus.
Der Senat plant gemäß des Gestaltungs- und Entwicklungsleitfadens für den Jahnsportpark die Schaffung eines weiteren wettkampftauglichen Kunstrasen-Spielfelds nur für Fußball und Hockey. Nur so weit die Fläche nicht von Vereinen genutzt wird, steht sie auch dem informellen Breitensport zur Verfügung.
Fazit: Mit Fördermitteln des Bundes beabsichtigt der Senat die ökologische und klimatische Qualität der Sportwiese und die vielfältige Nutzbarkeit für den allgemeinen selbstorganisierten Freizeitsport zu minimieren. Dagegen erheben wir entschieden Widerspruch und fordern die Politiker:innen im Abgeordnetenhaus und im Bundestag auf, diesem sportpolitisch völlig desorientierten Senat die rote Karte zu zeigen.
Wir halten über das konkrete Projekt hinaus auch den vorsätzlich irreführenden Sprachgebrauch für einen Skandal. Wer Sprache so missbraucht, untergräbt das Vertrauen in die Demokratie und darf sich über Politikverdruss nicht wundern.
Der Titel dieses Förderantrags stellt eine Respektlosigkeit gegenüber dem Souverän, den Abgeordneten des Deutschen Bundestags, und gegenüber der Öffentlichkeit dar.
Wir fordern die Senatsverwaltung auf, wieder zu einem sachlichen und transparenten Kommunikationsstil zurückzukehren.
von Redaktion | Dez. 7, 2025 | Aktuelles
Die weiteren Asbestfunde und der Umgang des Senats damit zeigen: Die Gesundheitsrisiken für Anwohnerinnen und Sportlerinnen werden verharmlost, Schutzmaßnahmen verzögert und Transparenz nur auf Druck der Öffentlichkeit hergestellt.
Die BI Jahnsportpark fordert deshalb klar: Kein weiterer Abriss ohne konsequenten Gesundheitsschutz, unabhängige Messungen, vollständige, staubdichte Einhausung der Schutthaufen und der Tribünenreste mit Unterdruckhaltung statt offener Lagerung unter Planen im Freien und einen grundlegenden Kurswechsel beim gesamten Stadionprojekt.
Asbest-Drama kommt nicht überraschend
Die BI Jahnsportpark hatte schon im Frühjahr Strafanzeige gegen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gestellt, parallel dazu ging eine Beschwerde an die Umweltverwaltung. Hintergrund war, dass seit Ende Januar das Osttribünengebäude über gut zwei Monate praktisch ohne wirksame Staubschutzmaßnahmen abgerissen wurde – mitten im Wohngebiet und direkt neben intensiv genutzten Sportanlagen.
Beim Abriss wurden schwach gebundene Asbestbaustoffe entdeckt, also besonders gefährliche Materialien, deren Fasern sich leicht lösen und beim Einatmen Krebs und schwere Lungenerkrankungen auslösen können. Die Senatsverwaltung erklärt, diese Stoffe seien im „zur Bauzeit verbrachten Bauschutt“ enthalten gewesen, was eher auf eine unzureichende frühere Schadstoffsanierung als auf einen „zufälligen“ Fund hindeutet.
Unzureichende Sicherung mitten im Wohnkiez
Trotz der bekannten Gefährlichkeit von Asbest lief der Abriss lange mit freiliegenden Schutthaufen, provisorischen Planen und nur punktuellem Wassernebel, obwohl die Gefahrstoffverordnung eine staubdichte Abtrennung und Unterdruckhaltung vorschreibt. Am 2. Mai wurden vom Wind gelöste Abdeckplanen von der Bürgerinitiative dokumentiert, unter denen asbesthaltiger Schutt offen lag. Erst Tage später wurde der Asbest wieder abgedeckt, während der Kiez über Wochen der Staubentwicklung ausgesetzt war. Die Unsicherheit in der Anwohnerschaft ist groß, viele Eltern lassen ihre nicht mehr in dem Sportpark trainieren.
Insgesamt wurden bisher rund 2100 Tonnen asbesthaltiger Bauschutt festgestellt, von denen etwa 2000 Tonnen bereits auf eine Sondermülldeponie gebracht wurden. Rund 100 Tonnen lagern weiterhin im östlichen Tribünengebäude – direkt am Mauerpark und damit im Herzen eines dicht bewohnten Quartiers. Der Abtransport soll sich bis voraussichtlich Februar 2026 hinziehen.
Forderungen der BI Jahnsportpark
- Vollständige, staubdichte Einhausung der Schutthaufen und der Tribünenreste mit Unterdruckhaltung statt offener Lagerung unter Planen im Freien
- Information aller Sportvereine, der informell Sport treibenden Menschen und der Anwohnerschaft über das möglicherweise seit Monaten bestehende Gesundheitsrisiko sowie die Veröffentlichung sämtlicher Befunde zur Asbestbelastung.
- Konsequenzen für das Stadionprojekt
Die Asbestaffäre macht deutlich, dass ein überdimensionierter Stadionneubau an dieser Stelle den Termin- und Kostenplänen Vorrang vor Gesundheits- und Umweltschutz gibt. Ein Senat, der bei einem bekannten Krebsgift im dicht besiedelten Quartier zögerlich, intransparent und unterhalb der geltenden Standards handelt, ist mit einem Großneubau am Jahn-Sportpark offenkundig überfordert.
Die BI Jahnsportpark fordert daher, die Planungen für den aktuellen Stadionneubau zu stoppen und durch ein kleineres, stadtverträgliches Projekt wie z.B. RESTART JSP zu ersetzen, das den Bedarf von Vereinen, Schulen, Kitas und Nachbarschaft in den Mittelpunkt stellt – mit Gesundheitsschutz als nicht verhandelbarer Grundlage.
Bis dahin gilt: Abrissstopp jetzt, unabhängige Aufklärung und echte Schutzmaßnahmen, statt Schönreden und Gefährdung der Menschen im und rund um den Jahn-Sportpark.
von Redaktion | Okt. 2, 2025 | Aktuelles
Mit dem Ende der Vogelschutzzeit hat die Senatsverwaltung keine Zeit verloren: Im Morgengrauen begannen am 1. Oktober die Abrissarbeiten am Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion – mit voller Wucht und ohne Rücksicht. Innerhalb weniger Stunden wurde die Dachkonstruktion der Westtribüne gefällt und stürzte auf die Ränge. Frei nach dem Motto: „Ist das Habitat erst zerstört, baut es sich völlig unbeschwert.“
Damit setzt die Verwaltung ihren rabiaten Feldzug gegen Fauna, Flora und Stadtgesellschaft fort und demonstriert erneut ihr unbeirrbares Festhalten an zerstörerischen und völlig aus der Zeit gefallenen Neubau-Plänen.
Gleichzeitig wird im Abgeordnetenhaus über massive Einsparungen in den Bereichen Klimaschutz, Bildung, Soziales und Kultur verhandelt. Vor diesem Hintergrund ist es ein politischer Skandal, mehr als 200 Millionen Euro in ein Profisportstadion zu investieren – während für die Sanierung der Komischen Oper oder die Unterbringung der Berliner Hochschule für Technik im ehemaligen Flughafen Tegel angeblich kein Geld vorhanden ist.
Sportfunktionäre treiben ihre größenwahnsinnigen Visionen voran: Ein neues Fußballstadion im Jahn-Sportpark, Olympia-Bewerbung statt Bildung und Kultur. Wessen Interessen sie damit verfolgen, bleibt unverständlich – im Interesse der Berliner Bevölkerung geschieht es augenscheinlich nicht.
Wir als Bürgerinitiative Jahnsportpark sind nicht bereit, dieser Zerstörung tatenlos zuzusehen. Mit unserem Alternativszenario RESTART JSP zeigen wir, wie der Sportpark für einen Bruchteil der geplanten Kosten inklusiv, nachhaltig und behutsam entwickelt werden kann. Der Verzicht auf ein Profisportstadion ist dabei der Schlüssel für eine konfliktfreie Zukunft des Geländes.
Wir fordern den Senat auf, endlich die Realität anzuerkennen und Alternativkonzepte wie RESTART JSP ernsthaft zu diskutieren.
Genug von rückwärtsgewandtem Größenwahn – wir brauchen nachhaltige Lösungen für morgen!