Jahn-Sportpark: Die wichtigsten Fakten

Der Umbau des Jahn-Sportparks ist eines der umstrittensten Bauprojekte Berlins. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark sieht erhebliche Probleme bei den Kosten, beim Klima- und Naturschutz, beim Flächenverbrauch und dem tatsächlichen Nutzen für den Breiten- und Vereinssport. Hier finden Sie die wichtigsten Hintergründe und aktuelle Entwicklungen im Überblick.

 

1. B-Plan 3-87: Mehr Beton, weniger Grün?

Der Bebauungsplan 3-87 schafft die planungsrechtliche Grundlage für eine massive bauliche Verdichtung des Sportparks – mit tiefgreifenden und langfristigen Folgen für Klima, Verkehr, Lärm und Natur.
Nach den vorliegenden Unterlagen nimmt u.a. der Anteil unversiegelter Flächen deutlich ab. Der allgemeine Grünanteil soll von rund 33 auf knapp 16 % sinken – ein Verlust von rund 30.460 m². Damit sind negative Auswirkungen auf das lokale Klima, den Boden, Pflanzen und Tiere, die biologische Vielfalt sowie menschliche Gesundheit verbunden.

Unsere Frage:

  • Wie passt eine weitere Verdichtung mit den Anforderungen an Klimaanpassung und Hitzeschutz in einem bereits stark belasteten innerstädtischen Gebiet zusammen?

Unser „B-Plan 3-87: Fakten-Check“ bietet eine kompakte Zusammenstellung zentraler Aussagen aus dem B-Plan 3-87 und ergänzender Stellungnahmen von Behörden. Er zeigt, wo offizielle Aussagen und Realität auseinanderklaffen und warum eine kritische Auseinandersetzung mit dem B-Plan notwendig ist.

B-Plan 3-87: Fakten-Check

2. Sportwiese: Kunstrasen trotz ökologischer und rechtlicher Bedenken?

Die geplante Umwandlung eines großen Teils der Sportwiese in ein Kunstrasenspielfeld ist aktuell einer der größten Streitpunkte. Das zuständige Pankower Umwelt- und Naturschutzamt bewertet die Wiese als ökologisch relevante Habitatstruktur, in die ein Eingriff derzeit grundsätzlich unzulässig wäre. Zugleich verweist das Amt auf erhebliche negative Auswirkungen der geplanten Versiegelung auf Boden, Wasserhaushalt, Versickerung, Mikroklima und die menschliche Gesundheit.
Brisant: Nach offiziellen Angaben war das Umweltamt vor der Fördermitteleinreichung nicht beteiligt worden. Dennoch wurde die Finanzierung der rund 3 Millionen Euro teuren Maßnahme beschlossen, 45% der Summe soll dabei ausgerechnet aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ kommen.
Zudem kostet nach Angaben von Fachfirmen der Bau von Kunstrasenplätzen bis zu 80 €/m². Damit wären selbst bei der hochwertigsten Ausführung eigentlich Kosten von maximal 600.000 € zu erwarten gewesen.

Unsere Fragen:

  • Warum soll die Versiegelung der Sportwiese mehr als 3 Mio. € kosten?
  • Warum wurde das Umweltamt vor der Einreichung der Fördermittelanträge nicht beteiligt?
  • Wie kann die Zerstörung einer Naturwiese durch das Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität gefördert werden?
  • Wie passt die geplante zusätzliche Versiegelung von Flächen und die Fällung weiterer Bäume mit dem Ziel von Hitzeschutz in den Innenstädten zusammen?

Hintergründe zur aktuellen Stellungnahme des Umweltamts
Mehr zur geplanten Versiegelung der Sportwiese
Hintergrundartikel im Tagesspiegel

3. Kosten und Finanzierung: 230 Millionen für Abriss und Stadion – der Sportpark wird gekürzt

Das Projekt wird immer teurer. Bei den Kosten wird häufig ein entscheidender Unterschied verwischt: Das Vorhaben besteht aus drei Bauabschnitten, doch der überwiegende Teil der aktuell veranschlagten Kosten fließt in den Stadionrückbau und -neubau (1. und 2. BA) und nicht in den eigentlichen Sportpark (3. BA).
Für die ersten beiden Bauabschnitte werden aktuell knapp 230 Millionen Euro veranschlagt. Der 3. BA betrifft dagegen die Ertüchtigung des übrigen Sportparks – also genau den Bereich, in dem zusätzliche Angebote für Schul-, Breiten-, Vereins- und Inklusionssport entstehen sollen. Für ihn waren 119 Millionen Euro vorgesehen. Nun soll dieser Betrag auf 68 Millionen Euro reduziert werden – eine Kürzung um rund 43 Prozent. Die Kürzungen treffen also genau jene Teile des Sportparks, die für den künftigen, inklusiven Sportbetrieb vorgesehen sind.
Für den 3. BA sind zudem im Haushalt 2026/27 keine Mittel veranschlagt und keine Verpflichtungsermächtigungen eingestellt. So werden zunächst Fakten für ein teures neues Stadion geschaffen – während offenbleibt, ob und in welchem Umfang der eigentliche Sportpark später überhaupt ertüchtigt werden kann.

Unsere Fragen:

  • Wie passt ein Megaprojekt wie der Stadionneubau für hunderte Millionen Euro in eine Zeit in der Berlin an allen Ecken und Enden sparen muss?
  • Warum werden die durch den Abriss frei gewordenen Flächen nicht für den Bau dringend erforderlicher Sportplätze und der zugehörigen Infrastruktur genutzt? Das wäre für einen Bruchteil der veranschlagten Summe möglich.
  • Inklusion war eines der Hauptargumente für die Neugestaltung des Jahnsportparks. Nach den aktuellen Planungen ist aber nur die Finanzierung des Stadionbaus gesichert. Wie kann da weiter von einem „Inklusionspark“ gesprochen werden? 

Luftbuchungen statt Inklusion
Folgebericht AGH 08.05.2026

4. RESTART JSP: Inklusion und Sport – mit weniger Abriss, Beton und Kosten

Aus Sicht der Bürgerinitiative sollte ein Projekt dieser Größenordnung vor weiteren irreversiblen Entscheidungen nochmals umfassend auf Wirtschaftlichkeit, tatsächlichen Bedarf und Alternativen überprüft werden.
Mit RESTART JSP legt die Bürgerinitiative ein alternatives Entwicklungsszenario vor, das stärker auf die Bedürfnisse von Breiten-, Schul-, Vereins- und Inklusionssport ausgerichtet ist. Der zentrale Ansatz: Vorhandene Strukturen und bereits versiegelte Flächen besser nutzen, statt den Park weiter zu verdichten. Sporthallen und weitere dringend benötigte Sportflächen könnten auf dem Areal der bereits abgerissenen Osttribüne und auf dem heutigen Stadiongelände entstehen. Damit ließen sich neue Angebote schaffen, ohne zusätzliche Grün- und Freiflächen zu versiegeln.
Das Szenario verzichtet auf einen überdimensionierten Neubau mit kommerzieller Veranstaltungsorientierung und setzt stattdessen auf eine bescheidenere, ressourcenschonendere und deutlich kostengünstigere Entwicklung des Sportparks.

RESTART JSP: Das alternative Szenario

Unsere zentrale Forderung: Den 300-Mio.-Jahnsinn stoppen. Überprüfen. Neu planen.

Bevor weitere unumkehrbare Tatsachen geschaffen werden, müssen die aktuellen Erkenntnisse zu Natur- und Klimaschutz, die steigenden Kosten und die tatsächlichen Bedarfe des Berliner Sports neu bewertet werden.
Der Jahn-Sportpark kann inklusiv, sportlich und zukunftsfähig entwickelt werden – ohne zusätzliche Versiegelung, überdimensionierte Neubauten und weitere Zerstörung wertvoller Grünflächen.

 

Stand: August 2026

 

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